„Man muss authentisch sein“

Kerschensteiner-Schüler gründen Hilfsorganisation für Uganda

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Die Theater-AG der Georg-Kerschensteiner-Schule mit Leiterin Christina Blumöhr (rechts hinter dem Scheck) überreicht den Scheck in Höhe von 500 Euro an die Hilfsorganisation Chic. Darüber freuen sich die Projektinitiatoren Melissa Bulwanyi Senfuma (links vom Scheck) und Philipp Funccius (Mitte). Rechts: Schulleiter Dirk Ruber.

Obertshausen - Der Name Chic hat in der Region einen guten Klang, gehört er doch einer Hausener Band. Bald wird er noch mehr positive Bilder transportieren. Von Michael Prochnow 

Children Health Impowerment and Care (Chic) nennt sich die Hilfsorganisation von Schülern, die sich für Bildung und Gesundheit einsetzt. Die Gründung eines Vereins gehört nicht zu den vorrangigen Plänen, die Schüler neben der Vorbereitung aufs Abitur verfolgen. Und mit dem Reifezeugnis in der Tasche zieht es viele direkt an die Uni. Nicht so Melissa Bulwanyi Senfuma und Philipp Funccius, Schüler der 12 BG 5 an der Georg-Kerschensteiner-Schule. Sie stecken mitten in der Gründung eines Vereins, der Schulen in der Heimat von Melissas Eltern, Uganda, aufbauen möchte. Der Internet-Auftritt wird in den nächsten Tagen online geschaltet. Dort werben die beiden 19-Jährigen im Netz für Spenden, die per Paypal oder Bankkonto überwiesen werden können. Sachspenden sind ebenso gefragt, Kleidung und Schuhe, Stifte, Blöcke und Kreide, Medikamente und Verbandsmaterial. Schon jetzt sammelt das Duo englischsprachige Bücher für ein Selbstlernzentrum.

Dieses Angebot wollen Melissa und Philipp nach dem Vorbild der „Kerschensteiner“ in Masaka in der Nähe der Hauptstadt Kampala am Victoriasee aufbauen. Die Schule wurde von Melissas verstorbenem Opa mitgegründet. „Das Zentrum ist kostengünstig, weil die Bücher an weitere Schülergenerationen weitergeben werden können“, erläutert das engagierte Team. Melissa hat vor Ort schon mit Eltern und Lehrkräften gesprochen und notiert, was fehlt. „Der Unterricht dort läuft mit großer Disziplin“, hat sie beobachtet, „sie sind im Stoff oft weiter als wir“. In der achten Klasse stehe in Uganda auf dem Stundenplan, „was hier in Gesundheitslehre im Jahrgang 11 dran ist“. Man könne „so viel von den Kindern dort lernen“, schwärmt Melissa, „vor allem an menschlichen Werten“. Nach den ersten Wochen der Vorbereitung resümiert sie, „man verändert sich schon“. Es sei ein gutes Gefühl, nicht nur für sich selbst zu arbeiten. „Es macht riesigen Spaß, wir bekommen nur positives Feedback, unsere Schule, Familien, Bekannte und Kirchen unterstützen uns.“

Ihr Vater war Politiker in der Idi-Amin-Ära und nach Deutschland geflüchtet, studierte Medizin, arbeitet jetzt in Schottland und fördert Chic. „Mein Vater und mein Bruder sind Mediziner und wollen Kliniken in Afrika aufbauen“, erzählt die Offenbacherin. Sie möchte als Ergänzung des Teams Gesundheits-Ökomonie studieren. Melissas Mama organisiert die Versendung der Spenden per Schiffscontainer über Kenia. Philipp kommt aus Nieder-Roden, besuchte mit 16 ein Jahr lang eine halbprivate Schule im spanischen Cadiz. Er lernte dabei, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. „Ich hab’ immer ein Dach über dem Kopf, ein eigenes Zimmer und zu essen“, überlegt er. „In Spanien hab’ ich gemerkt, dass meine eigenen Probleme gar keine sind, dass ich echt im Luxus lebe.“

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Der Rodgauer fotografiert gern, interessiert sich für Journalismus und Sport, will Kontakte zu Medien knüpfen. Nach dem Abi reist er mit Melissa für ein Jahr nach Uganda, möchte seine Erlebnisse auf der Plattform Youtube veröffentlichen, Interesse an Land und Leuten wecken. Melissa dokumentiert dort bereits ihre Besuche, Familienleben, Musik und Tanz. So entstanden Kontakte von Kanada bis Südkorea.

Das Duo möchte Hilfe leisten, „aber nicht fürs gute Gewissen“, betont Philipp, „man muss authentisch sein.“ Vielen Leuten fehle das Vertrauen in Hilfsorganisationen. „Wir wollen so transparent wie möglich sein“, betont Philipp. Sie wollen in Masaka im Unterricht assistieren und außerschulische Aktivitäten für die Kinder anbieten. Selbst ein Open-Air-Konzert in Uganda ist schon in der Planung. Infos gibt es auf chic-international.wix.com/support und auf youtube.com/shealwaysdoesit.

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