Kindergarten St. Josef bekommt Preis für Konzept der musikalischen Früherziehung

Balsam für die Kinderseelen

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Als „Raupe Ursula“ schlängeln sich die Kinder singend durch den Raum.

Obertshausen - Der katholische Kindergarten St. Josef ist ausgezeichnet. Für sein musikpädagogisches Konzept erhielt er jetzt den Caruso, eine Zertifizierung des Deutschen Chorverbands. Der Grund: Melodie, Rhythmus und Gesang gehören dort zum Erziehungskonzept. Von Michael Prochnow

Alle schmettern das Willkommen aus voller Kehle, vom dreijährigen Knirps bis zum Schulstürmer, von der Nicole an der Gitarre bis zur Mama im Flur. Alle kennen Text und Melodie. Es ist Freitagvormittag, 11 Uhr. Jeder in dem lichtdurchfluteten Turnraum hat sich einen Platz im Stuhlkreis ergattert, und bevor es los geht, ist es mucksmäuschenstill unter der Lichtkuppel. Nicole sieht, dass Malina eine Krone trägt. Das bedeutet, sie hat heute Geburtstag, und dazu gibt’s selbstverständlich ein Ständchen. Und Malina darf sich aussuchen, wer sich mit ihr als „Raupe Ursula“ durch den Kreis schlängelt. Immer mehr dürfen ihre Stühlchen verlassen und sich dem gefräßigen Tier anschließen. Bis es sich in der letzten Strophe in einen schönen Schmetterling verwandelt.

„Es ist wichtig, Kindern frühzeitig Anregungen und Lernimpulse zu geben“, schreibt Elke Nies. Die Erzieherin in der St. Josef-Kita hält das Vorschulalter darum für einend „sehr bedeutsamen Lebensabschnitt, um Kindern Wege zur Musik zu öffnen“. Musik bewege die Menschen, spreche Sinne, Körper, Gefühl, Verstand und Kreativität gleichermaßen an. Für die rhythmisch-musikalische Erziehung seien darum „das ganzheitliche Erleben und fantasievolle Gestalten von Sprechversen, Bewegungsspielen, Liedern und Tänzen wichtige Elemente“. Sie und ihre Kolleginnen arbeiten darum viel mit Abwechslung bei Rhythmus, Dynamik, Melodie, Tempo und Artikulation. Und: „Kinder brauchen Bilder“, weiß die Pädagogin. Die bieten die Lieder, zudem vertiefen die Klänge die Vorstellungskraft, wirbt die Musikpädagogin weiter. Dank der Familie Büttner und ihrer Musikalienhandlung ist die Einrichtung stets gut mit Instrumenten ausgestattet, dankt Leiterin Monika Frank.

Sie sieht es als Glücksfall, dass mehrere Kolleginnen Gitarre oder Keyboard spielen und in allen Gruppen morgens gesungen wird. Die Erzieherinnen nutzen zudem die Fortbildungen, die auch der Chorverband anbietet. Ute Hermsdorff, zweite Vorsitzende des Sängerkreises Offenbach, überreichte die Auszeichnung „Caruso - jedem Kind seine Stimme“ in einem Familiengottesdienst in der benachbarten St. Pius-Kirche. Dort, bei Seniorennachmittag, Fronleichnamsprozession und Pfarrfest treten die Kinder regelmäßig auf, Auch solche klingenden Präsentationen sind ein wichtiges Kriterium für die Zertifizierung.

Kinder sicheren Umgang mit Feuer üben lassen

Bereits im März besuchte Andrea Hermes-Neumann vom Chorverband die Kita St. Josef, war Gast in den Morgenkreisen und überprüfte die musikalischen Standards. Die Expertin zeigte sich sehr angetan und beriet das Team um Leiterin Frank, wie das Konzept fortgeschrieben werden kann. Sie empfahl, bei der Erweiterung des beachtlichen Repertoires an Liedern auf Vielfalt zu achten. „Singen heißt: gut zuhören, Texte lernen“, betonte Ute Hermsdorff. „Das wirkt sich auch auf die Rechtschreibung aus, sie fällt dann nicht mehr so schwer.“

Der Gast hob das soziale Verhalten, Selbstbewusstsein sowie Denk- und Lernverhalten hervor, auf die sich das Singen ebenfalls positiv auswirke. „Singen ist auch ein Ausdruck der Seele und befreit.“ Für die katholische Einrichtung sei es wichtig, dass alle Mädchen und Jungen mitmachen können, sagt Monika Frank. Es sollen nicht nur die Teilnehmer eines Kurses profitieren, der zusätzliche Kosten verursache.

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