Formulare und Internetauftritt der Stadt bald barrierefrei?

Klare Worte statt staubige Texte

Obertshausen - Einfach formulierte Broschüren erlauben Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz ein selbstständigeres Leben. Der Magistrat soll nun prüfen, ob eine barrierefreie Kommunikation auch in der Stadt möglich ist. Von Rebecca Röhrich 

Für Menschen, die der deutschen Sprache nicht besonders mächtig sind, eine Lernschwäche haben oder aus anderen Gründen über eine geringe Sprachkompetenz verfügen, ist das sogenannte Amtsdeutsch praktisch nicht zu verstehen. Damit diese Personengruppen trotzdem möglichst selbstständig ihre formalen Angelegenheiten bei der Stadtverwaltung regeln können, soll der Magistrat nun prüfen, wie Bürger mit eingeschränkter Lesefähigkeit an Informationen und Interaktionen teilhaben können. Das hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen (32 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen). Allein die FDP hatte sich gegen den Antrag ausgesprochen. „Wir halten bei dem Thema einen Graswurzelansatz für nicht angemessen“, äußerte sich FDP-Vorsitzende Elke Kunde. Viele Formulare seien Vorgaben vom Land und somit läge eine entsprechende Änderung hierarchisch auf einer anderen Ebene. Der Aufwand, den so eine Prüfung mit sich brächte, sei an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt.

Der Beschluss geht aus dem Antrag „Einfache Sprache und barrierefreie Kommunikation“ der Grünen hervor. Die Partei beruft sich mit ihrer Idee auf das Wiesbadener Modellprojekt „Barrierefreie Verwaltung“. Dort werden die Mitarbeiter drei Jahre lang in Fortbildungen für den Umgang mit Menschen mit Behinderung geschult und sensibilisiert. Eingebettet ist das Projekt in den Aktionsplan des Landes Hessen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Nach eingehender Prüfung soll auch in Obertshausen für eine barrierefreie Kommunikation gesorgt werden.

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die „Leichte Sprache“. Wie der Begriff es schon andeutet, sollen bestimmte städtische Mitteilungen, Broschüren und Formulare in einfachen und verständlichen Texten zur Verfügung stehen. Denkbar ist auch, dass komplexe Formulare mit einem Erklärtext versehen werden. „Dabei geht es nicht nur um eine größere Schrift“, erklärt Klaus-Uwe Gerhardt, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Es ginge auch um den Verzicht von Fachbegriffen und Fremdwörtern. Einschränkungen in der Lesekompetenz könnten auch Menschen im Alter treffen, betont Gerhardt. Die barrierefreie Kommunikation sei somit ein Thema, dass alle angeht. Des Weiteren sollen Grafiken und Piktogramme zum Beispiel auch Analphabeten die Möglichkeit geben, sich selbstständig informieren zu können. Auch der Internetauftritt soll entsprechend überarbeitet werden. Zudem will die Stadt prüfen, ob ein Verwaltungsmitarbeiter benannt werden kann, der das Thema federführend betreut. Gerhardt freut sich, dass seine Partei für ihren Antrag so viel Zustimmung erhalten hat.

Verständigung inklusive: Audiobooks und Apps für Sprachen

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