Trommeln für mehr Geld

Knapp 200 Arbeiter von Decoma bei Warnstreik 

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Noch warnen die Gewerkschafter nur, das kann sich aber noch ändern.

Obertshausen - Erst streikten die Gewerkschaftler von Ver. di, jetzt gehen die IG Metaller auf die Straße. In Obertshausen wurde das Unternehmen Decoma von den Mitarbeitern bestreikt. Die Warnstreiks sollen sich bis zur nächsten Tarifverhandlungsrunde fortsetzen. Von Peter Back 

Rhythmisches Trommeln, ein Trillerpfeifen- und Tröten-konzert sowie rote Fahnen, die im Wind wehen: 195 Arbeiter der Firma Decoma Exterior Systems, die am Standort Obertshausen Außenausstattungen für Fahrzeuge, insbesondere Stoßfänger, fertigt und zum kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna gehört, sowie 20 Kollegen des Mühlheimer Unternehmens Mato, trafen sich vor dem Haupteingang, um für mehr Lohn zu protestieren. Aufgerufen zum Warnstreik hatte die Gewerkschaft IG Metall, die Bühne und Mikrofon installiert hatte. „Wir wollen fünf Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung für ein Jahr“, forderte Marita Weber, erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach.

Das zweite Angebot der Arbeitgeberseite - 2,1 Prozent auf zwei Jahre, nach ursprünglich 0,9 Prozent auf ein Jahr - lehnte Weber als völlig unzureichend und „Provokation“ ab. Hohe Flexibilität werde von den Angestellten erwartet, dabei würden die Arbeitnehmer die großen Gewinne der Arbeitgeber erst möglich machen.

Doch die Gewerkschaftler zeigten sich verhandlungsbereit. „Um unnötigen wirtschaftlichen Schaden von Decoma abzuwenden, haben wir die Mitarbeiter der Lackieranlage von dem Warnstreik ausgenommen“, sagte Weber. Auch der Sekretär des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Uwe Zabel, fand deutliche Worte für das Angebot der Arbeitgeber und wies es als „Niedrigstes seit 1949“ zurück. „Wer den Streik sucht, der bekommt den Streik“, drohte er in seiner Ansprache und forderte die Arbeitgeberseite auf, auf die Forderung der Gewerkschaft einzugehen. Joachim Schecher, Vorsitzender des Decoma-Betriebsrats, sowie seine Kollegen Thomas Rossol (Mato) und Markus Philippi (GKN-Offenbach) traten auch ans Rednerpult und schworen die Arbeiter auf die nächsten Wochen ein. Mit Blick auf die hessischen Tarifverhandlungen, die am Donnerstag, 12. Mai, fortgesetzt werden, kündigte Marita Weber weitere Warnstreiks an.

Bilder: Warnstreik der IG Metall

Bereits heute um 13.30 Uhr findet der nächste vor der Firma Feintool an der Ringstraße statt. Eine letzte große Kundgebung wird am Mittwoch, 11. Mai, in Offenbach die erste Phase der Arbeitsniederlegung beenden. Der Warnstreik wurde erst möglich, nachdem die Firma Decoma zum 1. April in den Arbeitgeberverband eingetreten ist und die Arbeitnehmer in den Flächentarifvertrag übernommen wurden.

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