Günter Schwab ist passionierter Segler

Kochen bei Wellengang

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Segeln ist ein wichtiger Teil im Leben von Günter Schwab. In seiner linken Hand hält er ein Kochbuch, das er speziell Yacht-Küchen konzipiert hat. Vor ihm aufgebaut sind die zahlreichen Führerscheine, die ihn als Experten für die Schifffahrt ausweisen.

Obertshausen - Segeln, das ist für Günter Schwab Hobby und Gemeinschaftserlebnis gleichermaßen. Dazu gehört auch das Essen an Bord. Deshalb hat er Kochkurse organisiert und eine Rezeptsammlung zusammengestellt. Von Christian Wachter

Günter Schwab hat viel gesehen von der Welt. Seit rund 30 Jahren ist er mit Segel-yachten auf hoher See unterwegs. Von den kapverdischen Inseln beispielsweise fuhr er bis nach Kroatien und auch in der Karibik ist er schon gesegelt. Regelmäßig trifft man ihn aber auch auf dem Chiemsee oder vor der türkischen Küste. So eine Yacht, erzählt der Obertshausener, müsse man sich in etwa vorstellen wie einen Wohnwagen auf dem Wasser. Gut, ein wenig größer sind die Boote schon, mit denen er unterwegs ist. Nicht selten sind sie gut 15 Meter lang und bieten Platz für vier bis fünf Doppelkabinen. Wenn es nach Schwab geht, sollten die gut gefüllt sein. „Beim Segeln geht es um Geselligkeit, darum, gemeinsam etwas zu erleben, weshalb ich am liebsten mit Familie, Freunden oder Bekannten unterwegs bin.“

Weil ihm das Gemeinschaftserlebnis am Herzen liegt, kam ihm vor einiger Zeit die Idee, verstärkt in der Küche der Yacht zu kochen, anstatt jedes Mal zum Essen an Land zu gehen. Das Problem: So einfach wie wie in den heimischen vier Wänden kocht es sich auf einem Boot nicht. „Es wackelt ja ständig und außerdem hat man nur einen begrenzten Platz und zwei Herdplatten sowie einen Backofen zur Verfügung“, erklärt der Segler. Da sei es schwierig, so mit den Pfannen zu hantieren, dass alle gleichzeitig essen könnten. Weil Schwab passionierter Koch ist, entwickelte er kurzerhand Rezepte, die sich gut für eine Segelyacht eignen.

Das kam nicht nur bei seinen Gästen gut an. Auch die Mitglieder des Allgemeinen Hessischen Yacht-Clubs (AHYC), bei dem der 76-Jährige mehr als zwei Jahrzehnte im Vorstand war, wollten wissen, wie es sich auf welligem Grund am besten kocht. Schnell war die Idee geboren, einen Kurs für Segler zu organisieren. Das Problem: Lehrküchen gibt es nicht an jeder Ecke.

Gut, dass Schwab Heide Heß vom Volksbildungswerk kennt. Die stellte den Kontakt zu Kochlehrerin Helga Dieter her. Gemeinsam mit Schwab erstellte sie ein Kurskonzept, das bei den AHYC-Mitgliedern großen Anklang fand. Schwab zeigte ihr dabei genau, welche Herausforderungen es für Kochnovizen in einer Yachtküche zu bewältigen gibt. Schon der erste Kurs war komplett ausgebucht, sodass sogar eine zweite Gruppe eröffnet wurde. Auf dem Lehrplan standen beispielsweise Lauchkuchen, Chili con Carne oder gefüllte Doraden.

Um auch jenen Seglern Rezepte für den nächsten Törn an die Hand zu geben, die nicht an den Kursen teilgenommen haben, hat Schwab inzwischen ein Kochbuch konzipiert. Das druckt er selbst und verteilt es auf Anfrage an Club-Mitglieder und Freunde. Über 40 Gerichte finden sich darin, von der Pizza bis zum sizilianischen Hähnchen. Letztes ist sein Lieblingsrezept. Das Geflügel wird dabei mit Orangensaft, Marmelade, Marsala, Oliven, Rosmarin und Chili geschmort. „Das ist einfach ein Genuss“, wirbt der Segler um Nachahmung.

Neben dem Kochbuch ist Schwab auch stolz auf die vielen Führerscheine, die er hat. In der Summe dürften sich deren Seiten auch ziemlich gut mit denen der Rezeptsammlung decken. Gesetzlich vorgeschrieben, erläutert er, seien für die motorisierten Boote eigentlich nur zwei Stück. Der „Sportbootführerschein Binnen“ und der „Sportbootführerschein See“. Die Charterer allerdings, die ihm die Boote zu Verfügung stellen, seien frei in ihren Anforderungen und verlangten häufig noch zusätzliche Dokumente. „Das ist kein Führerscheinwesen mehr, sondern ein Führerscheinunwesen“, meint der Segler, der zum Beispiel auch den Sporthochseeschifferschein oder den Sportküstenschifferschein besitzt.

Egal wo es demnächst hingeht - das weiß der 76-Jährige noch nicht - er ist jedenfalls gewappnet für die Anforderungen der Charterer. Und die nächste Reise, da ist er sich sicher, wird nicht lange auf sich warten lassen. Schwab ist studierter Ingenieur und hat lange Jahre bei einer Generalvertretung der Allianz gearbeitet. „Das Schöne am Ruhestand ist, dass ich viel häufiger lossegeln kann“, sagt er.

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