Kochkurs für Männer

Das Geschick der Geschickten

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Äppelwoi-Creme mit Sauerkirschen, das ist ja eigentlich noch besser als ein Whisky-Tasting...

Obertshausen - Wenn’s in der Küche entspannt zugeht und sogar das Saubermachen Spaß macht, kochen Männer. Und zwar ohne Frauen! Die einzige unter einem Dutzend Herren vorm Chrom in der Georg-Kerschensteiner-Schule ist Anja Rummelsberger.

Die gelernte Erzieherin leitet den ersten Kurs nur für Kerle. Die meisten der Herren beim ersten Kochkurs nur für Männer stehen nicht ganz freiwillig am Herd: „Ich bin gezwungen worden“, rückt Sebastian mit der Sprache raus und grinst. Seit eineinhalb Jahren ist er mit seiner Freundin zusammen. Jetzt hat sie ernst gemacht und ihrem Liebsten einen Gutschein für den Lehrgang geschenkt. Pierre ist von seiner Tante geschickt worden, Andreas zum 52. Geburtstag. Das Angebot des Volksbildungswerks hat auf Anhieb enormen Anklang gefunden – in der Damenwelt! Ein Lebensgefährte nach dem anderen gesteht, dass er in die Kochschule geschickt worden ist. „Wir hätten sonst zu Hause ein Whisky-Tasting gemacht“, berichtet Christian von verpufften Plänen und schiebt sich eine weitere Gabel Apfel-Tomaten-Kartoffelbett mit Kümmel und Sahne zwischen die Zähne.

Damit das nicht in den falschen Hals gerät – die Anfänger haben sich an Herd und Spülmaschine tapfer geschlagen. Und mehr noch: Lehrerin Anja zollt ihrer Truppe ein dickes Lob: „Das haben die richtig gut gemacht!“ Der Reigen hat mit einem Cordon Bleu mit Spargel begonnen, mit Käse, gekochtem Schinken, Eiern, Mehl, Semmelbröseln. Als Vorspeise haben sie Sommerrollen zubereitet, nicht frittierte chinesische Frühlingsrollen. Dazu haben die Jungköche zehn Blatt Reispapier mit Garnelen, Hackfleisch und Hähnchenbrust gefüllt. Für den Hauptgang steht Brathähnchen auf dem Speiseplan, das sie in dem fruchtigen Bett aus Kartoffelwürfeln mal auf ganz andere Art zubereitet haben. „Hat Spaß gemacht“, gesteht Sebastian unumwunden, „eine ganz neue Erfahrung“. Während Kai die Dinge etwas nüchterner betrachtet: „Unsere Frauen wollten mal eine sturmfreie Bude haben!“

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Christian hat schonmal beim Kochkurs für Paare mitgemacht. Nun fürchtet er, er solle wohl ein Restaurant eröffnen. Andreas ist mit schlechten Erfahrungen gekommen und freut sich umso mehr: „Es ist einfach alles da, wir mussten nichts einkaufen“. Und Kai kann es immer noch nicht fassen, dass man in so einer riesigen Küche alles findet, ohne zu suchen. Genug geplaudert, Anja schickt die Männer zurück an ihre Arbeitsplätze. „Sie haben sich strikt an die Rezepte gehalten, viel gefragt - und freiwillig die Spülmaschine bedient“, sprudelt die Leiterin vor Begeisterung, „die Resultate sind super!“ „Wir hatten Hunger!“, rechtfertigt sich Andreas. Der reicht auch noch für die Äppelwoi-Creme, mit und ohne Sauerkirschen.

Dafür haben sie Milch, Vanilleschoten, Eigelb und Sahne verrührt, gewärmt und in Kristallkelche gefüllt. Nach dem Hauptgang legen Basti und Pierre nur noch die Früchte in Gelatine auf. Nach dem Genuss sind sich die Talente einig: Ja, sie sind geschickt worden. Aber „zum nächsten Kochkurs melden wir uns wieder an, dann ohne Gutscheine.“

M.

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