Deutschlands größte Packstation

Kommentar: Der Stau ist programmiert

Das Paketzentrum in Obertshausen teilt das Schicksal vieler Großprojekte: Ohne sie ist der Alltag, wie wir ihn uns gebaut haben, zwar nicht mehr zu bewerkstelligen, und dennoch werden sie abgelehnt.

Vor allem die Nachbarschaft ist zumeist aufgebracht, fürchtet Nachteile durch erhöhtes Verkehrsaufkommen, mehr Lärm oder Nachteile für die Umwelt. Der Protest richtet sich ebenso gegen Windräder und Stromtrassen wie gegen großflächige Verteilzentren, wie das in Obertshausen. Das wäre übrigens nicht vonnöten, wenn der Einkauf nicht zunehmend via Internet erfolgte. Doch halt: Die Notwendigkeit des DHL-Zentrums aufgrund des boomenden Online-Handels wird gar nicht infrage gestellt. Von Anfang ist der Standort vor allem wegen der problematischen Verkehrsbeziehungen in der Öffentlichkeit umstritten.

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Fürs Unternehmen aber passen nahe Autobahn und die zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet eben gerade ins Konzept. Wenn sich DHL da mal nicht verrechnet hat, war die Autobahnanbindung doch schon bei Grundsteinlegung des Zentrums nicht viel mehr als eine Behelfsauffahrt auf eine regelmäßig verstopfte A3. Und daran hat sich nichts geändert und wird sich erst einmal nichts ändern. Wer nämlich auf den großen baulichen Wurf wartet, dürfte recht alt werden. Das betrifft auch Veränderungen an der für DHL-Lkw-Gespanne viel zu piepsige Kreuzung vor der Auffahrt, ständiges Ärgernis in den vergangenen Wochen – und das nicht nur im Berufsverkehr.

DHL-Zentrum in Obertshausen eröffnet: Bilder

Jede Wette, dass wir regelmäßig über einen Verkehrskollaps werden berichten müssen – ein Horror für die ohnehin staugeplagten Pendler in der Region. Und warum das alles? Weil sich Obertshausen aus der DHL-Ansiedlung eine ordentliche Steigerung der Steuereinnahmen verspricht. So sehr dies der „Kleinstadt mit Herz“ zu gönnen ist, im regelmäßigen Stau wird dieses Zugeständnis von genervten Autofahrern wieder einkassiert - erst recht, wenn bekannt wird, wie viel von der Gewerbesteuer letztlich in der Region bleibt, da der Löwenanteil zum Hauptsitz der Deutschen Post AG nach Bonn fließt.

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