Obertshausener große Nachwuchshoffnung

Leichtathlet Constantin Schmidt: Bereit für die große Bühne

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Die Leichtathletik bestimmt aktuell das Leben des 20-Jährigen Ausnahmetalents. - Foto: ror

Obertshausen - Nächste Woche beginnen die Olympischen Spiele im brasilianischen Rio de Janeiro. Von der Teilnahme an dem größten Sportwettbewerb der Welt träumen auch Sportler aus dem kleinen Obertshausen. Von Rebecca Röhrich

Der 400-Meter-Läufer Constantin Schmidt von der TG Obertshausen wird sich dieses Jahr das Großereignis im Fernsehen anschauen. Beim nächsten ist er vielleicht selbst mit dabei. Wenn die Turnschuhe ihren Halt in den Startblöcken gefunden haben, beherrscht Konzentration die Gedanken von Constantin Schmidt. In der gedehnten Zeit, bevor schließlich der Startschuss ertönt, geht er die verschiedenen Phasen seines Laufs durch, erinnert sich an die Ratschläge seines Trainers. Dann der Schuss. Der drahtige junge Mann mit den blondierten Haarspitzen rennt los – und gewinnt. Im 400-Meter-Lauf lässt er deutschlandweit alle Konkurrenten seiner Altersklasse hinter sich. Aktuell ist er deutscher Meister in der Alterklasse U23, gewann mit der 4x400-Meter-Staffel letztes Jahr sogar Bronze bei den Europameisterschaften. Bisher sein größter Erfolg.

Die Chancen stehen also gut, dass Constantin Schmidt aus Obertshausen bei der Olympiade 2020 in Japan dabei ist. Und das will Schmidt, der General Management an einer Privatuniversität in Oestrich-Winkel studiert, unbedingt. Ein besonderes Stipendium erlaubt ihm, ein Studium, das sich nach seinem Sport richtet, denn der wird in seinem Leben noch einige Jahre an erster Stelle stehen.

„Wer an der Olympiade teilnehmen möchte, muss hart arbeiten, immer ein Gewicht mehr als die Konkurrenz drauf packen“, sagt Schmidt, während er mit angezogenen Beinen auf der überdachten Trainerbank an der Tartanbahn im Neu-Isenburger Sportpark sitzt. Er wirkt ein bisschen erschöpft, hat eine lange Saison hinter sich. Noch vor wenigen Tagen ging er bei der EM in Amsterdam an den Start.

Im Juni trat er das erste Mal bei den Deutschen Meisterschaften an. Gleichzeitig eine TV-Premiere für den Studenten aus der Kleinstadt. Denn der 400-Meter-Lauf wird live übertragen. Und dank Ausnahmesportlern wie Usain Bolt, der dieser Leichtathletikdisziplin in den letzten Jahren zu mehr Ruhm verhalf, schauen sich auch ziemlich viele Menschen diese Übertragungen an. Das Kasseler Leichtathletikstadion war außerdem rappelvoll. Schmidt hatte es auf Anhieb in den Endlauf geschafft. „Das war schon beeindruckend und aufregend irgendwie“, erinnert er sich. Und wie es eben so ist, passierte bei diesem bedeutsamen Lauf genau das, was Schmidt am meisten fürchtete. Er produzierte einen Fehlstart. „Ich habe es erst gar nicht gemerkt“, erzählt er lachend. Erst als er den zweiten Schuss hörte und er plötzlich auf der großen Leinwand erschien, dämmerte es ihm. „Da habe ich mich richtig geärgert“, erzählt er. Nicht nur wegen der verpatzten Chance.

Trotz seines jungen Alters hat er bereits gelernt, solche Erlebnisse auch schnell wieder abzustreifen. „Ich bin dann zwei Stunden schlecht drauf und dann ist auch wieder gut.“ Eine wichtige Eigenschaft, gerade für einen Jungsportler, der vom Erfolg verwöhnt ist. Seit er sich mit 15 Jahren dafür entschied, den 400-Meter-Lauf ernsthaft zu betreiben, dafür extra auf eine Sportschule in Frankfurt wechselte, ging es für ihn nur bergauf. „Senkrechtstarter“ und „herausragendes Talent“, betitelt ihn die Presse. Und die Ziele für die nächsten Jahre sind gesteckt: Sich in der Profiklasse etablieren und dann die internationale Konkurrenz anvisieren; und schließlich: bei der nächsten Olympiade Deutschland vertreten.

In Obertshausen möchte er erst mal wohnen bleiben. „Die Stadt ist total zentral“, findet er. Der Sportler mag seine Heimatstadt und er schätzt die Vertrautheit. „Ich mag es, wenn man auf dem Sportfeld die Leute kennt“, erzählt er und winkt seiner Leichtathletikgruppe, die auf dem Hartplatz ihre Runden zieht. „Wer weiß“, so Schmidt weiter, „vielleicht geht’s ja auch Mal ein Semester ins Ausland, nach Kanada“ und lachend fügt er hinzu: „Aber nur, wenn es dort eine Tartanbahn gibt!“

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