Lernen mit „Deutsch-Oma“ Gerlinde

Flüchtling aus Eritrea sucht Anstellung als Maurer oder Maler

+
Goitom Brhane Gebremikael zeigt Bürgermeister Roger Winter, Stadtrat Hubert Gerhards sowie seinen Lehrherren Jochen Kisten (rechts) und Alfred Juchum, was er in der Schreinerei gelernt hat.

Obertshausen - Während an vielen Orten Angst geschürt und Ablehnung kundgetan wird, sind haupt- und ehrenamtliche Kräfte in Obertshausen bemüht, Flüchtlinge der hiesigen Welt näherzubringen. Zum Nutzen aller Beteiligten. Goitom Brhane Gebremikael ist ein Beispiel für gelungene Integrationsarbeit. Von Michael Prochnow 

Der 32-Jährige kam vor zwei Jahren nach einer Odysee aus Eritrea nach Deutschland. In der Erstaufnahmestelle in Gießen wurde der junge Afrikaner registriert und nach Obertshausen geschickt. Dort lebte er zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft an der Georg-Kerschensteiner-Straße, bis er in eine eigene Wohnung an der Westendstraße ziehen konnte. Über den Jahreswechsel nahm er an einem Einstiegs-Sprachkurs für Asylbewerber mit guter Bleibe-Perspektive teil. Seit März diesen Jahres ist Goitom als Flüchtling anerkannt und besuchte einen kurzen Deutschkurs in der Waldschule. Zuletzt absolvierte er auf dem Bauhof ein Praktikum, lernte jede Woche die Aufgaben einer anderen Abteilung kennen.

Neben dem Schreinern erledigte er dabei auch Maurer- und Gartenarbeiten, legte Beete an und entfernte Unkraut. Zudem schaute der Eriträer den Elektrikern über die Schultern, fuhr zur Schilder-Montage raus und packte tüchtig mit an. Sein ständiger Begleiter war ein Vokabelheft, in dem er kompliziert klingende Fachausdrücke notierte. Deren Aussprache übt er bis heute regelmäßig mit seiner „Deutsch-Oma“ Gerlinde, wie sich selbst bezeichnet. Die Hausenerin begleitet den jungen Mann schon seit mehreren Monaten und lobt seine Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Bauhof-Leiter Stefan Reinelt kannte ihn bereits aus der Unterkunft. „Er ist sehr fleißig, geschickt und empfiehlt sich als Hausmeister“, lobt Reinelt seinen Schützling.

Alles zum Thema „Flüchtlinge in der Region“

In seiner alten Heimat hat er eine weiterführende Schule in Asmara besucht – was nur wenigen seiner Landsleute gelingt. Vier Jahre arbeitete er neben der Schule als Bäcker. 2008 wurde Goitom zur eriträischen Armee einberufen und fand anschließend einen Job als Schließer im Gefängnis. Nach seinem Praktikum im Obertshausener Bauhof sucht der 32-Jährige einen Arbeitsplatz als Maurer oder Maler.

Bürgermeister Roger Winter sieht vor allem Schwierigkeiten bei der Sprache. Ideal wäre für viele Flüchtlinge eine duale Berufsausbildung. Doch um dem Unterricht in der Berufsschule folgen zu können, seien weit fortgeschrittene Deutsch-Kenntnisse erforderlich. „Die Zeit läuft uns weg“, sagt der Rathaus-chef, „die Leute werden älter“. Und sind damit immer schwieriger zu vermitteln.

Top Ten der unbeliebten Berufe

Oma Gerlinde hat sich für ihren Schützling auf der Ausbildungsmesse erkundigt, mit Vertretern der Handwerkskammer gesprochen. Ihr Fazit: „Es ist sehr schwierig.“ Es sei zwar ein Projekt geplant, in dem die jungen Leute zwei Jahre erstmal nur praktisch arbeiten. Aber so weit ist es noch nicht. „Und Beziehungen zu Arbeitgebern hab’ ich auch nicht“, bedauert die Patin.

Glücklicherweise kann Goitom nun einen Integrationskurs der Volkshochschule in Offenbach besuchen, wo er sich selbst angemeldet hat. Dort wird nur angenommen, für wen die Finanzierung sichergestellt ist. Die Seniorin aus Hausen managte auch das und trifft sich weiter jeden zweiten Tag mit ihrem Schüler. „Alles läuft sehr zäh“, resümiert sie, „aber die Behörden waren darauf auch nicht eingerichtet“.

In unserer Sommerreihe stellen wir Menschen vor, die in Obertshausen anpacken, um Flüchtlingen das Ankommen leichter zu machen.

Kommentare