Debatte in Obertshausen über Partnerstädte

Mehr als nur Stoff für Jubiläumsreden

Obertshausen -  Städtepartnerschaften waren der große Renner in den 70er Jahren. Die Kommunen übertrumpften sich mit zwei, drei oder noch mehr Kontakten in andere Regionen Europas und die weite Welt. Von Michael Prochnow

Mit großem Tamtam und aufwendigen Austauschprogrammen verwirklicht scheinen viele der guten Ideen heute zu Stoff von Jubiläumsreden verkommen zu sein. Die Stadtverordneten nahmen nun einen neuen Anlauf, die Chancen der Verbindungen zu nutzen. In den Augen von Björn Simon waren die Richtlinien für die Gewährung von Zuschüssen überholt. „Sie stammen aus dem Jahr 2001“, argumentierte der Vorsitzende des Sport- und Kulturausschusses und der CDU, „damals waren wir mit Meiningen noch befreundet, Caravaca de la Cruz war noch gar nicht benannt“. Die heilige Stadt in Spanien ist „jetzt drin“, auch ihr Besuch wird gefördert.

Eine riskante Kostenlawine muss die Stadtkasse allerdings nicht befürchten, die im Stadtparlament einstimmig beschlossene Vorlage sieht eine Deckelung der finanziellen Hilfen auf 5000 Euro vor. Zudem sieht die Regelung vor: „Es werden nur Vorhaben gefördert, bei denen über Vereine, Schulen, Religionsgemeinschaften und sonstige Bevölkerungsgruppen Begegnungen im Sinne des Städtepartnerschaftsgedankens durchgeführt werden.“ Einzelpersonen, die „kein gemeinschaftliches Ziel im Sinne der Städtepartnerschaft verfolgen“, werden nicht unterstützt.

Der Antrag für eine Förderung muss neben den Namen und Daten der Begegnung ein detailliertes Programm und einen Verwendungszweck für die erbetenen Mittel beinhalten. Der Verwaltung erhält überdies Einsicht in die Abrechnungsunterlagen. Geld gibt’s dann sowohl für Exkursionen ins österreichische Laakirchen, nach Sainte Geneviève des Bois im Süden von Paris, nach Meiningen in Thüringen und nach Caravaca de la Cruz in der Provinz Murcia als auch für die Begleitung von Besuchern aus diesen Orten.

Beim Schüleraustausch werden auch Treffen mit Jugendlichen aus anderen Kommunen innerhalb der Europäischen Union bezuschusst. Und zwar mit der Übernahme der Kosten für das „jeweils günstigste Beförderungsmittel“. Bei Gegenbesuchen übernimmt Obertshausen die Ausgaben „für die Gestaltung eines von der Verwaltung in Absprache mit der Schule festgelegten Programms“. Im Detail erhalten Veranstalter für Fahrten in die Partnerstädte 15 Euro pro Teilnehmer und zehn für einen Besuch in der befreundeten Kommune in Südost-Spanien.

Dorthin führen derzeit vor allem Pilgerreisen, die Pfarrer Norbert Hofmann und Luis Galvez, der aus Caravaca stammt, leiten. Zudem läuft ein Angebot des Seelsorgers, der mit seinem Hilfswerk Johannes vom Kreuz spanischen Jugendlichen Praktika und Ausbildungsstellen in Obertshausener Betrieben vermittelt und eine Unterbringung in Gastfamilien in Aussicht stellt. In den 90er Jahren starteten die „Hausener Minis“ einen Jugend-Austausch, für den die Zeit in Spanien aber offenbar noch nicht reif war. Mittlerweile treten Ensembles der Musikschule regelmäßig in Caravaca auf. Ins oberösterreichische Laakirchen pflegen traditionell Kleingärtner und Feuerwehrverein gute Kontakte. Die Beziehungen nach Ste. Geneviève frischt seit einigen Jahren ein eigenener Freundeskreis auf.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Kommentare