Ökologisches Zertifikat für 292 Hektar

Mehr Wildnis für den Stadtwald

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Schön grün ist es rund um Obertshausen.

Obertshausen - Der Obertshausener Stadtwald unterliegt vielleicht bald einem noch höheren ökologischen Standard. Bis es so weit ist, wird aber noch diskutiert. Von Rebecca Röhrich 

Wie ein grüner Kranz umschließt der Obertshausener Wald die Stadt. Ein schmaler Kranz: Mit seinen 292 Hektar ist er der zweitkleinste Stadtforst im Kreis Offenbach. Nun soll der Magistrat prüfen, ob sich für das „grüne Lüngchen“ eine Zertifizierung nach FSC-Richtlinien lohnt. Er soll die Stadtverordneten über Kosten, Nutzen und Pflichten informieren. Die hohen Standards vom FSC stecken die ohnehin schon hohen Ziele einer natürlichen Flora und Fauna noch eine Latte höher.

Der Spaziergänger würde auf den ersten Blick von den neuen Richtlinien nichts mitbekommen, erklärt Christian Münch, Leiter des Forstamts Langen, auf Anfrage. Um ein noch natürlicheres Werden und Vergehen zu fördern, zeichne sich ein FSC-zertifizierter Wald vor allem durch mehr sogenannte Biotopbäume aus. „Solche Bäume werden dauerhaft geschützt“, erklärt der Amtsleiter. Anstatt drei Biotopbäumen wie beim PEFC-Zertifikat, das der Wald bereits besitzt, seien es beim FSC-Zertifikat zehn Biotopbäume pro Hektar.

Einfach gesagt: Mehr Bäume werden sich selbst überlassen, irgendwann zu Totholz und fördern mit ihrem Vergehen den natürlichen Kreislauf. Eine Gefahr durch umfallende Bäume bestünde indes nicht. Biotopbäume werden weitab von den Spazierwegen ausgezeichnet, versichert Münch. Der Wald sehe einfach ein wenig „unordentlicher“ aus, fügt er hinzu.

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Wenn es nach den Grünen gegangen wäre, hätte der Magistrat beim Forstamt Langen gleich die neue Zertifizierung anmelden können. Sie waren es auch, die den Antrag in die Stadtverordnetenversammlung einbrachten. Die Ökopartei ist von den Richtlinien überzeugt. Doch die anderen Fraktionen sind noch skeptisch. Bereits im Umweltausschuss habe es zu wenig konkrete Informationen zum FSC-Zertifikat gegeben, monieren FDP, SPD und CDU. Das gemeinsame Argument der Kritiker: Der Wald habe bereits ein Zertifikat, das eine nachhaltige Holzproduktion garantiere. „Es ist nichts gegen einen besseren Wald zu sagen, wenn man über die Kosten einer solchen Zertifizierung ausreichend informiert wird“, sagte Axel Kuhn, Stadtverordneter von der FDP. Auch Sylvia Hornung, Stadtverordnete der SPD, ist noch nicht vom Mehrwert überzeugt. „Höhere Standards sind nicht automatisch besser“, gibt sie zu bedenken. Ökologisch Gutes müsse nicht gleich ökonomisch sinnvoll sein, sagt sie.

Die Fraktionen CDU, SPD und FDP fürchten um die Höhe der Holzerträge, die eine FSC-Zertifzierung mit sich brächte. Ein Argument, dass die Grünen nicht gelten lassen: „Unser Wald ist so klein, da muss es nicht um den wirtschaftlichen Mehrwert gehen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Klaus Uwe Gerhardt. Eine Ansicht, die Christian Münch bestätigen kann. „Der Obertshausener Wald dient in erster Linie der Erholung“, sagt Münch. Zwar würden, auch im Sinne der Waldverjüngung, Bäume gefällt, der Ertrag daraus sei aber eher zu vernachlässigen. Auch im Bezug auf die Kosten für ein solches FCS-Zertifikat konnte Münch beruhigen: „Das sind wenige Hundert Euro im Jahr“.

Aber er benennt auch einen Nachteil: Bei Holz mit FSC-Siegel ist das Angebot aktuell höher als die Nachfrage. Geld lasse sich also damit nicht verdienen. Es sei eben eine Entscheidung für ein Umweltlabel und eine „Prestigesache“. Man entscheide sich als Kommune dafür oder dagegen. Unter der Bedingung, dass die Stadtverordneten über das Thema noch mal ausführlich informiert werden, stimmten schließlich 27 Abgeordnete für den Antrag, acht dagegen, einer enthielt sich. Die Bürger für Obertshausen waren grundsätzlich gegen eine Zertifizierung.

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