Familienunternehmen legt zwei Standorte zusammen

Mühle zieht ins Herbäcker

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Auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot werden die letzten Gewerbehallen gebaut.

Obertshausen - Der letzte Bauabschnitt des Gewerbegebietes Herbäcker ist bereits jetzt voll vermietet. Die Stadtverordneten diskutieren, ob ein weiteres Gewerbegebiet südlich der A3 erschlossen werden sollte. Trotzdem bleibt das Thema Gewerbegebiet ein Zankapfel. Von Rebecca Röhrich

Lothar Mühle schaut zufrieden auf die Baustelle im Gewerbepark Obertshausen. Auf knapp 10.000 Quadratmetern entsteht das neue Firmengebäude des Familienunternehmens Mühle. Dass der Verpackungsdienstleister seine beiden Standorte in Heusenstamm und Obertshausen nun zusammenlegen kann, sei „ein echter Glücksfall“. Seit 22 Jahren verpackt die Firma alles – von Shampoos bis Spielkonsolen. Die bisherigen Hallen und Firmensitze waren immer mehr ein Kompromiss als optimal, erzählt Mühle. 2003 zog das Unternehmen vom ehemaligen Polaroidgelände in Offenbach nach Obertshausen, kam dort bei einer befreundeten Firma unter, die Kartons produziert. Trotz der Synergieeffekte eine enge Angelegenheit. 2006 musste das Unternehmen mit einem Teil der Produktion nach Heusenstamm ausweichen. In Obertshausen habe es keine geeignete Fläche gegeben, erinnert sich Mühle. „Das war eine Notlösung.“ 2016 hätte das Unternehmen fasst wieder umziehen müssen. Wieder aus Platzgründen und weil gerade pharmazeutische und kosmetische Produkte hohe hygienische Standards verlangen. Ein echtes Problem, denn ein Umzug, beispielsweise nach Rodgau, wäre schwierig für viele Angestellte der Firma geworden, erzählt der 66-Jährige, der seit 1985 selbst in Obertshausen lebt.

Erst mit dem Bau der neuen Halle im Gewerbegebiet Herbäcker kann das Unternehmen nicht nur auf moderne Hallen zurückgreifen, sondern wieder von einem Ort aus arbeiten. „Die Lage ist ideal“, findet auch Sohn Danny Mühle, der von seinem Vater die Geschäftsführung übernommen hat. „Unser neuer Standort liegt nah an der A3, zum Flughafen sind es nur knapp 15 Kilometer und unsere Mitarbeiter profitieren von einer guten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.“ Die rund 100 Mitarbeiter wohnen in Obertshausen und in der näheren Umgebung.

Der Investor Alpha Industrial meldete vor Kurzem, dass die Fläche des zweiten Bauabschnittes bereits vollständig vermietet ist. Wie berichtet, hatten die Bauarbeiten für den letzten unbebauten Abschnitt des Herbäcker-Gewerbegebietes vor gut zwei Monaten begonnen. Ein neues Gewerbegebiet Süd im Birkengrund ist in der Diskussion.

Baustelle im Gewerbegebiet

Ein Plan, der nicht bei allen Parteien auf Zustimmung stößt. Die Grünen sind dagegen, „die letzten freien Flächen zu versiegeln“. Und auch mit der Entwicklung des bereits bestehenden Gewerbegebiets Samerwiesen nicht zufrieden. In der Nachschau habe es „für die Stadt Kosten und Fehlentwicklungen gebracht“, äußert sich Klaus-Uwe Gerhardt, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Die Ökopartei hat deshalb eine Anfrage an den Magistrat über die dortige Situation gestellt. Für die Familie Mühle gibt es keinen Zweifel daran, dass sogar ein weiteres Gewerbegebiet südlich der A3 notwendig ist. „Kommunen wie Obertshausen leben doch von der Gewerbesteuer“, sagt der Firmenchef.

Die Kritiker kann Lothar Mühle nur bedingt verstehen. Schließlich würden alle davon profitieren. Er selbst habe ein Haus direkt an der Straße. „Wer absolute Ruhe haben möchte, soll in den Odenwald ziehen“, findet er. Dann müsse man aber auch in Kauf nehmen, dass sich die Wege zur Arbeit erheblich verlängern. Er sieht die gewerbliche Zukunft der Stadt positiv und hat einen Mietvertrag für die nächsten zehn Jahre abgeschlossen.

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