Zukunft im Dunkeln

Naturfreunde: Das Ende eines Vereins droht

Obertshausen - Die Naturfreunde Obertshausen haben ein Strukturproblem. Das Gremium, das acht Jahre die Geschicke des Vereins lenkte, zieht sich zurück, und niemand möchte die Aufgaben übernehmen. Von Rebecca Röhrich 

Es sind schwierige Zeiten für die Ortsgruppe der Naturfreunde in Obertshausen. Das Gremium, das sich die vergangenen acht Jahre um die organisatorischen, inhaltlichen und formellen Belange des Vereins gekümmert hat, steht nicht mehr zur Verfügung. Gesundheitliche und private Gründe zwangen die Mitglieder zur Aufgabe ihrer Posten. Bereits seit Monaten werden intern Nachfolger gesucht – ohne Erfolg. Auch in der außerordentlichen Mitgliederversammlung im September konnte kein neuer Vorstand gewählt werden. Eine paradoxe Situation: Die Naturfreunde in Obertshausen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Veranstaltungen sind immer gut besucht, die Mitgliederzahlen seit der Gründung vor über 40 Jahren auf Rekordniveau. 2014 hatte der Verein mit 151 Mitgliedern so viele wie noch nie. Es scheint, als habe der Verband für Umweltschutz, Reisen und Kultur ein ähnliches Problem wie viele Vereine. Die Menschen konsumieren gerne die Angebote, Zeit für ein ehrenamtliches Engagement haben sie allerdings nicht.

Jürgen Lamprecht, Landesvorsitzender der Naturfreunde, führt das Phänomen nicht auf eine Unlust der Bürger zurück, sondern vermutet, dass viele einfach zu stark beruflich eingebunden seien. Er steht dem kommissarischen Vorstand, dem unter anderem der ehemalige stellvertretende Vorsitzende Manuel Friedrich angehört, in diesen schwierigen Zeiten bei. „Man muss bereit sein, neue Wege zu gehen“, sagt Lamprecht. Denn, da sind sich die Beteiligten einig, der Verein steht an einem Scheideweg. Allerdings „auf hohem Niveau“, wie der Landesvorsitzende betont.

Für ihn war die Obertshausener Ortsgruppe immer eine mit Vorbildcharakter. Vor allem in den vergangenen acht Jahren hätten Vorsitzende und Vorstand tolle Angebote etabliert, die auch sehr gerne angenommen worden seien. Lamprecht lobt außerdem das politische Engagement mit der Bürgerinitiative „Obertshausen gegen Fluglärm“. Aber er kann sich auch vorstellen, warum sich so schwer Nachfolger für die wichtigen Ämter wie Vorsitz und Kassierer finden lassen. Neben der beruflichen Eingebundenheit scheuen sich viele vor der Verantwortung, die so ein Posten mit sich bringt. Besonders der Kassierer habe mit der Verwaltung der Finanzen eine umfangreiche Aufgabe. Schließlich betreibt der Verein eine Gaststätte. Der Kassierer muss sich um Versicherungen, Grundbesitzabgaben und alle anderen anfallenden finanziellen Aspekte des Vereins kümmern.

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Aktuell spricht der kommissarische Vorstand mit Lamprecht über alternative Vereinsstrukturen, die vielleicht besser in die heutigen Zeiten passen. Denkbar wäre zum Beispiel ein Modell, in dem alle Mitglieder gleichberechtigt sind und sich die Aufgaben nach Kapazitäten untereinander aufteilen. „Alles wird dann gemeinsam getragen“, erklärt der Landesvorsitzende. „Das kann funktionieren.“ Aber dies sei nur eine Idee, die man prüfen müsse. Eine andere wäre, die Gaststätte zu verpachten und somit einen großen Teil des finanziellen Risikos abzugeben.

Doch, da sind sich Friedrich und Lamprecht einig, alle Pläne nutzen nichts, wenn sich nicht ein paar Freiwillige finden, die bereits sind, die Arbeit fortzusetzen. „Noch ist es nicht zu spät“, sagt Lamprecht. Bis Ende des Jahres wird das Programm des Vereins fortgeführt. Das Jahr 2017 liegt indes im Dunkeln. Doch Friedrich versichert: Wir kämpfen bis zuletzt.

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