Klöppeln im Museum

Neuer Treff für Liebhaber der Handarbeit

Obertshausen - Sticken, stricken, weben, klöppeln und Occhi sind angeblich schwer im Kommen. Selbst junge Leute stürzen sich wieder auf Nadel und Faden, Schiffchen und Rolle. Von Michael Prochnow 

Beim ersten offenen Treff der Seligenstädter Klöppelgruppe im Karl-Mayer-Haus war davon noch nicht viel zu spüren. Vielleicht brauchen die Initiatorinnen einfach noch ein bisschen Geduld. Doch darin ist geübt, wer sich dem Handarbeiten verschrieben hat. Vier Frauen sitzen im Halbkreis, einen Schemel vor sich oder einen Tisch mit geneigter Oberfläche. Darauf liegen Stoffrollen mit vielen kleinen Nadeln drin, um die Fäden laufen und schon ein Muster erkennen lassen. Das Garn ist auf Dutzende hölzerne Klöppel aufgewickelt, die mit den Händen nach einem vermeintlich undurchschaubaren System flott übereinander geworfen oder umeinander gedreht werden. Die Damen machen das mit großer Routine.

„Im Werkstattmuseum ist auch die Deutsche Spitzengilde beheimatet“, begründet Hildegard Flechsenhar die Wahl des Ortes. Mit deren Mitgliedern möchte sich die Kursleiterin aus Seligenstadt austauschen. Daneben bietet das Quartett an, bei Fragen zu helfen. Ein Kurs soll der Termin nicht sein, den gibt’s in Frühjahr und Herbst für Klöppel-Anfänger und Fortgeschrittene im Seligenstädter Regio-Museum. In Obertshausen wollen sich die Frauen in gemütlicher Runde begegnen. „Wer will, kann sich mit seiner eigenen Handarbeit zu uns setzen“, lädt die Expertin ein. Nachwuchs zu locken ist nicht einfach. „Mit jungen Leuten ist es schwer zu arbeiten. Sie sitzen bis in den Nachmittag in der Schule und folgen vielen anderen Beschäftigungen“, stellt die Sprecherin ernüchtert fest.

Flechsenhar frönt der Perlen-Häkel-Stickerei in einem runden Rahmen. Mit der alten Seligenstädter Technik befestigt sie mit einer Häkelnadel von der Rückseite Pailletten. Auf der Vorderseite ist bereits ein Kleeblatt zu erkennen. Früher haben sie so Motive auf Tüll gestickt. Auf einer Rolle, die im Erzgebirge Klöppelsack genannt wird, arbeiten die drei weitere Frauen an ihren Bildern. Die runden Unterlagen sind mit Heu, Sägespäne oder Kleintierstreu gefüllt. Den Kern bildet ein Abflussrohr, das mit einem Stein beschwert wird. Die Säcke sind mit mehreren Lagen Filz umwickelt, damit der Klöppelbrief, das Muster, drauf gespannt werden kann. An den Enden der Striche sind Nadeln eingesteckt.

„Klöppeln geht nur paarweise“, lehrt Karin Weber. Von 31 Pärchen der Holzgriffe wird einer nach dem anderen, je nach Musterangabe, gedreht und gekreuzt. So entsteht ein weiterer Schal. Seit 24 Jahren ist das ihr Hobby. „Meine Schwiegermutter behauptete, ich könne das nicht. Das war Ansporn genug“, verrät sie ihren Weg in die bayrische Klöppelschule in Nordhalben an der thüringischen Grenze, wo auch die Schwiegermama gelernt hat.

Seit dem hat Weber Außenspitzen für Tischdecken gefertigt, eine Decke komplett geklöppelt, Spitzen für einfarbige Krawatten, „die mein Mann damals brav getragen hat“, zehn Tischsets, Untersetzer, Weihnachts- und Osterschmuck. „Es macht einen geduldig, ruhig, man kann komplett abschalten vom Alltag und sich auf die Arbeit konzentrieren“, beschreibt die Teilnehmerin das Klöppeln. Alle zwei Monate will sich der Kreis nun am letzten Mittwoch eines Monats treffen.

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