Die meisten Asylbewerber kommen aus Afghanistan und Syrien

313 Flüchtlinge aufgenommen, Container renoviert

Obertshausen - In der Stadt sind derzeit knapp 250 Asylbewerber untergebracht. Mit Eröffnung der Gemeinschaftsunterkunft an der Herrnstraße hat sich vor allem die Situation an der Georg-Kerschensteiner-Straße entspannt. Von Norman Körtge 

Es ist ruhiger geworden in der städtischen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an der Georg-Kerschensteiner-Straße. Gerade einmal 14 Flüchtlinge wohnten gestern in den auf dem Parkplatz aufgestellten Containern. Kein Vergleich zu der Enge und dem Gewusel, das noch vor wenigen Wochen dort herrschte. Ausgelegt für 40 Personen, lebten seinerzeit bis zu 80 Flüchtlinge in den 20 unterteilten Räumen. Stockbetten hatten die zusätzliche Belegung möglich gemacht, um den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten zu können. Zeitweise musste auch der Gymnastik-raum der gegenüberliegenden Badstraßen-Halle als Unterkunft herhalten.

Dass sich die Belegungssituation an der Georg-Kerschensteiner-Straße derart entspannt hat, liegt zum einen daran, dass die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge zurückgegangen ist, zum anderen daran, dass Ende April die privat betriebene Gemeinschaftsunterkunft an der Herrnstraße zum Bezug bereitstand. In der ehemaligen Herberge für Saisonarbeitskräfte sind nun 70 Asylbewerber untergebracht. Viele davon hätten zuvor an der Kerschensteiner-Straße gewohnt, berichtet Daniel Kettler vom Fachbereich Soziales, der für die Stadt die Unterbringung organisiert.

250 Asylbewerber wohnen in Obertshausen

Die vergangenen Wochen habe die Stadt genutzt, um die Container von Grund auf zu reinigen und einige Renovierungsarbeiten in der im Frühjahr 2014 eröffneten Unterkunft zu erledigen. Vor allem die Einrichtung in der Gemeinschaftsküche wurde erneuert. Dem dort ursprünglich eingebauten Pressspan-Mobilar haben Dauerbenutzung und Feuchtigkeit arg zugesetzt. „Wir mussten damals schnell handeln“, berichtet Erster Stadtrat Hubert Gerhards. Die neuen Metall-Anrichten und -Spülen dürften für den dauerhaften Einsatz nun besser geeignet sein.

Insgesamt 313 Flüchtlinge hat die Stadt seit 2014 untergebracht, geht aus der von Kettler erstellten Auflistung hervor. Derzeit wohnen knapp 250 Asylbewerber in Obertshausen. Neben den 70 an der Herrnstraße und den 14 an der Kerschensteiner-Straße sind es 34 in der Gemeinschaftsunterkunft Ostendstraße. Weitere 124 Asylsuchende leben dezentral in städtischen Wohnungen, darunter viele Familien mit Kindern. Die meisten in Oberts-hausen untergebrachten Flüchtlinge stammen aus Afghanistan (75), gefolgt von Syrern (69), Irakern (44) und Menschen aus Eritrea (28).

Streit um Koran in Suhler Flüchtlingsunterkunft

Zwar habe sich, wie in anderen Kommunen auch, die Unterbringungssituation entspannt, Entwarnung wollen aber weder Bürgermeister Roger Winter noch Gerhards oder Kettler geben und verweisen auf die Vergleichszahlen aus den vergangenen Jahren. 2014 habe die Stadt 83 Flüchtlinge aufgenommen, 2015 seien es 169 gewesen. 2016 sind es bislang 61 Personen. Und es ist noch nicht einmal ein halbes Jahr rum, rechnen die Stadtverantwortlichen hoch, die dementsprechend mit einer Gesamtzahl von weit über 100 rechnen. Diese Woche seien keine Neuankömmlinge zu verzeichnen gewesen, für Montag sind allerdings sechs Personen angekündigt.

Hätte ihm vor gut zwei Jahren jemand gesagt, dass Obertshausen es schaffe, mehr als 300 Flüchtlinge unterzubringen, er hätte es nicht geglaubt, meint Winter. Das dies dennoch gelungen ist, sei aber auch dem ehrenamtlichen Engagement vieler Bürger zu verdanken. Zirka 50 bis 60 ständige Unterstützer verzeichnet die Flüchtlingshilfe Obertshausen, die sich in Deutschkursen, als Paten, Arztbegleiter, Dolmetscher, in der Fahrradwerkstatt engagieren oder Sachspenden verwalten. Zu diesen Helfern kommen weitere etwa 150 Obertshausener, die immer mal wieder und auf Anfrage zur Verfügung stehen, so Kettler. Er selbst ist begeistert von der Hilfsbereitschaft der vergangenen Monate. Immer wieder habe er auch gemerkt, dass aus dem Ehrenamt heraus richtige Freundschaften zwischen Helfern und Flüchtlingen entstanden sind. „Das ist eine tolle Erfahrung“, meint er abschließend.

Rubriklistenbild: © dpa

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