„Kaufe vor Ort!“

Bürgermeister Winter wehrt sich gegen Vorwürfe an die Stadtverwaltung

Obertshausen - Nach dem Aus des CAP-Marktes wird kaum ein Thema so heftig diskutiert, wie die Zukunft des Einzelhandels. Die jüngste Stadtverordnetenversammlung zeigte aber auch: Zwischen Stadtverwaltung und Politik herrscht Klärungsbedarf. Von Rebecca Röhrich 

Dass der Einzelhandel in Obertshausen schwächelt, ist nicht neu. Dass das Thema allerdings eine Sollbruchstelle zwischen Stadtverwaltung und Politik zu sein scheint, stellte sich in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung heraus. Bürgermeister Roger Winter fand deutliche Worte zu den Anträgen von den Bürgern für Obertshausen und einem weiteren Antrag der schwarz-roten Koalition, die beide den Magistrat mit der Erstellung eines neuen Einzelhandelskonzeptes beauftragen wollten. Vor allem Bürger-Fraktionschef Rudolf Schulz und sein Stellvertreter Sören Hense machten die Verwaltung für die schwierige Situation des Einzelhandels verantwortlich. „Die Verwaltung soll sich den Einzelhändlern annähern“, forderten die Bürger. „Ein Stadtmarketingkonzept wird dringend benötigt, aber nicht erarbeitet.“ Wenn auch nach der Stellenneubesetzung der Wirtschaftsförderung eine externe Erstellung nötig sei, solle für die Erarbeitung Geld in die Hand genommen werden.

Die Aussagen ärgerten den Rathauschef. Im Antrag der Bürger seien „verschiedene Sachverhalte bruchstückhaft zusammengeschustert“ worden. „Der Antragsteller möge sich einmal erklären, was eigentlich erstellt werden soll“, wetterte Winter. Für ihn sei der Antrag aus der „Abteilung Motz und Mecker“. Dafür erntete er Szenenapplaus von FDP, Grünen, SPD und CDU.

Dass es dem Antrag an Sachkenntnis fehle, war auch der Tenor von SPD und CDU. Die Bürger hätten dort die Begriffe Stadtmarketing, Einzelhandelskonzept und Wirtschaftskonzept durcheinandergebracht. Denn was die Gewerbeförderung anbelangt, stehe Obertshausen gar nicht schlecht da, so Winter und bekam in dem Punkt Rückendeckung von CDU-Fraktionschef Anthony Giordano. Die Gewerbesteuerzahlungen seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Trotzdem: Auch die anderen Fraktionen wollen, dass etwas gegen den Geschäfteschwund getan wird. Der Antrag der Koalition schlägt einen „Runden Tisch“ gemeinsam mit dem Kreis freundlicher Fachgeschäfte und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach vor. Außerdem sollen die etablierten Konzepte in den Nachbarkommunen inspiziert werden. Auch setzt die Große Koalition auf die Kompetenz des künftigen Wirtschaftsförderers. Der Idee, einen externen Berater zu engagieren, stehen sie kritisch gegenüber. SPD-Fraktionschef Manuel Friedrich wies darauf hin, dass ein externes Gutachten und Konzept in Rodgau über 100 000 Euro verschlungen habe. Am Ende der hitzigen Diskussion hatte Winter einen ganz pragmatischen Vorschlag für die Abgeordneten: „Laufe nicht fort, kaufe vor Ort!“ Wegen guter Umsätze müsse kein Laden schließen, sagt er. Trotzdem musste sich der Verwaltungschef den Politikern geschlagen geben: SPD, CDU, Grüne und FDP stimmten schließlich für das Konzept der Großen Koalition.

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