Sie waren die Ersten

GKS-Abschlussklasse von 1966 erinnert sich an die Schulzeit

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Vor genau 50 Jahren gehörten diese jungen Menschen zu den ersten Absolventen der Georg-Kerschensteiner-Schule. Unter ihnen Bernd Roth, ehemaliger Bürgermeister von Obertshausen (Zweiter von links in der ersten Reihe).

Obertshausen - 40 Pennäler werden ihre Schulzeit wohl nie vergessen. Die Absolventen der Klasse HU2 und der späteren HO2 feiern gerade ihre Abschlussprüfung, die sie vor 50 Jahren abgelegt haben. Es war die erste an der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS). Von Michael Prochnow 

Die allerersten jungen Leute der 1964 eröffneten Georg-Kerschensteiner-Schule waren die Schüler der Klassen 1 und 2 der Handelsschule Unterstufe (HU), aus der im zweiten Jahr eine Oberstufe (HO) wurde. Ihr Direktor Kurt Formhals hatte die Berufsschule nach Hausen gebracht. „Wir mussten erst eine Aufnahmeprüfung in Offenbach in der alten Theodor-Heuss-Schule machen“, erzählt der ehemalige Bürgermeister von Obertshausen, Bernd Roth. Er war einer des ersten Jahrgangs. Mehr als 300 Teenager bewarben sich damals für die 80 Plätze in der zweijährigen Berufsfachschule.

„Damals haben sie gerade ein neuntes Pflichtschuljahr eingeführt“, erläutert der ehemalige Textilfachhändler. Das charmante an der nagelneuen Schule war, wer nach Klasse 8 dorthin wechselte, konnte sich die neunte an der Volksschule sparen. Und hatte nach zwei Jahren schon eine halbe Lehre in der Tasche.

Mit Roth lernten weitere Kameraden aus dem Stadtteil Obertshausen (die Hausener saßen in HU1) und den heutigen Kommunen Rodgau, Hainburg und Mainhausen. Klassenlehrer war Horst Kiel. Er unterrichtete die Fächer Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsrechnen und Wirtschaftsgeografie sowie Buchführung. Außerdem standen Stenografie, Tast-schreiben und politische Bildung neben dem üblichen Fächerkanon auf dem Stundenplan. Zu Roths Lehrern zählten auch die Hausenerin Anita Günther und der spätere Landtagsabgeordnete Hermann Schoppe.

„Unsere Lehrer waren keine Kumpeltypen, wir hatten Respekt vor ihnen“, blickt der Schüler von einst zurück, „aber wir haben viel von ihnen gelernt“. Jugendliche und Pädagogen hatten ein sehr gutes Verhältnis, „weil für alle alles neu war“, vermutet Roth. Das gilt auch für den Hausmeister Weimer und seine Ehefrau, die als Sekretärin gearbeitet hat. „Wir waren eine große Familie.“ Und sie hatten einen Kiosk, in dem belegte Brötchen verkauft wurden. „Der Fleischsalat war legendär“, schwärmt der Freund der französischen Küche, „das gab’s an keiner Schule“. Trotzdem liefen viele Jungs zu Lebensmittel-Grolig im Hasenwinkel – wegen der Presskopf-Brötchen. Ein anderer Pausentreffpunkt war die Raucherecke.

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„Kurt Formhals hat seine Ideen umgesetzt und einen praxisnahen Unterricht geführt“, blickt Roth zurück. Die Schule verfügte über ein voll ausgestattetes Büro und einen Lebensmittelladen. Jede Klasse führte darin eine fiktive Firma mit Abteilungen, Einkauf, Verkauf, Lohnbuchhaltung, Poststelle. „Das hat unheimlich Spaß gemacht.“ Der Name Kerschensteiner hat Türen geöffnet, ein Zeugnis von der GKS galt als Basis für eine Anstellung in „oberen Etagen“. Die Abgänger wurden Direktoren und Abteilungsleiter in Banken – ohne Abitur.

„Die Ausbildung war für viele der Grundstock einer Karriere“, blickt Roth zurück. Schlechte Noten in Steno und Schreibmaschine habe er mit guten in BWL, Buchführung, Rechnen und Religion ausgeglichen. „Darum war auch die Kämmerei mein Ding“, sagt der ehemalige Rathauschef mit einem Lächeln. Kurt Formhals war bei seiner Ernennung zum Ehrenbürger durch Bernd Roth stolz auf „seine“ Schule: „Man sieht, dass man was werden kann“, sagte er damals. „Einer ist Pfarrer, einer Bürgermeister.

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