Sina Tkaltschewitsch tritt gegen die Besten der Welt an

Obertshausen im Team Rio

Obertshausen - Letzte Nacht sind offiziell die Olympischen Spiele in Rio gestartet. Bei dem internationalen Großereignis ist auch eine Sportlerin aus dem kleinen Obertshausen mit dabei. Von Michael Prochnow 

Sina Tkaltschewitsch ist aktuell am Zuckerhut.

Die 17-jährige Sina Tkaltschewitsch ist eine begnadete Turnerin und muss nicht mehr von der Teilnahme beim größten Sportfest träumen, sondern kann den Traum leben. Logisch, dass wir mit ihr unsere Sommerserie fortsetzen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Sinas Mutter Sabine konnte kaum laufen und stand schon in der Sporthalle, führt heute eine große Reha- und Physiotherapiepraxis. Oma Monika Blahut ist bis heute als Übungsleiterin aktiv, leitet Gymnastikkurse. Papa Jochen und Opa Josef waren erfolgreiche Fußballer. Sina und ihre jüngere Schwester Lea haben sich der Rythmischen Sportgymnastik (RSG) verschrieben. In Rio tritt Sina im Gruppenwettkampf an. „Pflichtelemente für jede Choreographie sind Stehen, Drehungen und Sprünge“, erklärt sie. Außerdem käme es auf die Kooperation innerhalb der Gruppe an. Da werden bunte Bänder an Handgriffen hochgeworfen und von der Partnerin aufgefangen, ähnlich praktizieren sie es mit Reifen. Für ihren Auftritt in Brasilien hat die Olympiamannschaft „We Will Rock You“ von Queen mit Keulen und Bändern zu einer klassischen Melodie einstudiert.

Sina beginnt bei der TSV Heusenstamm mit Kunstturnen. Zur RSG kommt sie im zarten Alter von vier Jahren durch eine Freundin. Sie startet ihre Karriere bei der TSG Neu-Isenburg und trainiert ein Jahr beim TV Eschborn, zweimal in der Woche. Seit September 2014 lebt sie im Internat in Fellbach-Schmieden bei Stuttgart, besucht vormittags den Regelunterricht und arbeitet nachmittags in der Turnhalle.

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Sieben Mädchen wurden für Olympia gesichtet. Sina hat sich am Ende durchgesetzt. 2015 ist sie bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart dabei, im vergangenen Juni bei den Europameisterschaften in Israel. Das ganze Jahr muss sie auch vormittags in den Sportdress schlüpfen, an manchen Tagen zweimal. Dann steht das Team Rio fest: Zwei kommen aus Bremen, zwei aus Berlin und eben eine aus Obertshausen. Sina Tkaltschewitsch hatte es geschafft.

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Bereits im April reisen die Auserwählten zu Test-Events nach Brasilien. Vor der Reise nach Rio trainiert das Quintett noch zwei Wochen in der Nähe von Berlin, bevor es wieder nach Südamerika geht. Mit Trainerin Ekaterina Dulamova bereiten sie sich zweimal täglich vor. Und die junge Sportlerin sieht den Auftritt der Mannschaft pragmatisch. „Wir wollen stabil und sauber durchkommen“, heißt das in der Turnersprache. Das Ziel ist gesteckt: Bis ins Mehrkampffinale könnten sie es schaffen, mit einer Medaille rechnen sie aber nicht. Da haben Russland, Israel, Italien, Spanien und Weißrussland bessere Karten, schätzt Sina. Nach dem Ausflug an die Copa Cabana wird sie erstmal zwei Wochen Ferien machen – in Obertshausen bei den Eltern.

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