TGO-Urgestein Wilfried Nowotnik

Ein Leben für das Sportabzeichen

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Familien aus Obertshausen brachten es auf 21 Sportabzeichen. Natürlich mit von der Partie: Wilfried Nowotnik (5. von links). Ebenso auf dem Bild: Kreisbeigeordneter Carsten Müller (links) und Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel (2. von rechts).

Obertshausen - Wenn es um das Sportabzeichen geht, ist Wilfried Nowotnik zur Stelle. Dies war 1967 so, ist heute so und wird auch künftig so sein. Dass die TG Obertshausen die Rangliste mit den meisten Abzeichen anführt, liegt auch am Sportabzeichen-Chef. Von Jörn Polzin 

Doch der findet auch mahnende Worte. Fehlende Treue lässt sich Wilfried Nowotnik wirklich nicht vorwerfen. Seit 49 Jahren besteht seine „Ehe“ mit dem Deutschen Sportabzeichen, die der Obertshausener mit Hingabe und Leidenschaft führt. Wohlwissend, dass 2017 ein großer Meilenstein wartet. „Dann gibt es die goldene Hochzeit“, sagt der 72-Jährige schmunzelnd. Im vergangenen halben Jahrhundert hat die Verbindung auch kleinere Risse überstehen müssen. 2013 wurde sie gar auf eine harte Probe gestellt. Mit der Reform des Sportabzeichens. „Die Damen und Herren beim Deutschen Olympischen Sportbund sind weit weg von der Basis“ hatte der erfahrene Prüfer mit Blick auf die verschärften Anforderungen gesagt. Die Nachwehen seien trotz leichter Modifizierungen weiter spürbar. „Alles ist komplizierter geworden. Früher war es ein Breitensportabzeichen, heute geht es viel mehr um Leistung“, betont Nowotnik. Der eine oder andere Bewerber habe sich deshalb von „Olympia für die Kleinen“ zurückgezogen. Selbst bei der TG Obertshausen, die im vergangenen Jahr mit 375 Sportabzeichen in der Gruppe 3 (500 bis 1000 Mitglieder) regional als auch landesweit den stärksten Verein stellte, gab es einen kleineren Rücklauf. 2014 meisterten noch 418 Teilnehmer die Prüfungen.

Nowotnik sieht besonders beim Nachwuchs erhebliche Defizite. „Die Kinder können nicht mehr gerade laufen, es hapert an der Koordination. Außerdem gibt es immer mehr Nicht-Schwimmer.“ Da sei es kaum förderlich, dass die Bewerber auch ohne eine Laufdisziplin ihr Abzeichen erhalten können und bis ins Erwachsenenalter ein Schwimmnachweis genügt. Der Obertshausener weiß, wovon er spricht. Seit 1967 bietet er bei der TGO eine Trainingsgruppe zur Vorbereitung an. Seit einigen Jahren arbeitet er eng mit der Hermann-Hesse-Schule und der Eichendorffschule zusammen, ist mit seinem Helferstab von 20 Mann bei Bundesjugendspielen vertreten. Täglich wartet er auf die jüngsten Ergebnisse der Schüler, um diese anzuschreiben und aufzuzeigen, wo es Nachholbedarf gibt. „Wenn den Jugendlichen Übungen fehlen, wissen wir, wo wir ansetzen müssen“, betont Nowotnik.

Chronologie des Sports im Jahr 2015

Das kann mit viel Arbeit verbunden sein. Denn die Diskrepanz zwischen den Anforderungen bei Bundesjugendspielen und Sportabzeichen ist groß. Zu groß für den Geschmack des Experten. Da können die erforderlichen Strecken schon mal zwischen 30 und 75 Metern variieren. Ein Kalenderjahr haben die Teilnehmer Zeit, um die nötigen Punkte für das Abzeichen in Gold, Silber oder Bronze zu sammeln (siehe Info-Kasten). Das sollte mit etwas Ausdauer und Geduld genug sein. Eigentlich. „Viele wollen gleich Gold und sind enttäuscht, wenn es nicht auf Anhieb klappt“, betont Nowotnik. Er geht mit gutem Beispiel voran. Seine stolze Ausbeute: 49 Sportabzeichen. Wie lange wer noch weitermachen will? „So es irgendwie geht.“

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