Auf einer Insel im ugandischen Victoriasee:

Obertshausener Familie unterstützt Waisenhaus und Schule

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Andreas Jäger und Anja Holstein mit Töchterchen Tilly zeigen den Schmuck aus gerolltem und lackiertem Papier, den sie aus Uganda mitgebracht haben.

Obertshausen - Wenn Andreas Jäger und Anja Holstein verreisen, haben sie stets die Maximalmenge an Gepäck dabei. Das liegt nicht etwa daran, dass der Architekt und die Floristin einen gesteigerten Bedarf haben. Von Michael Prochnow 

Im Gegenteil, die beiden selbst und Tochter Tilly kommen mit sehr wenig aus. Vielmehr helfen sie in Schulen und Waisenhäusern. Seit einigen Jahren unterstützen sie eine Einrichtung auf einer Insel im Victoriasee in Uganda. Diesmal waren es sechs große Koffer à 24 Kilogramm. Bei der äthiopischen Fluglinie darf auch die dreijährige Tilly das Kontingent an Freigepäck voll ausschöpfen, freuen sich die Eltern. Also haben sie Schreib- und Rechenhefte eingepackt, Hosen und Hemden für den Sommer und für die kühlen Abende am See. Sie haben schwarze Schuhe für die Schuluniform gesammelt, außerdem Medikamente, Traubenzucker, Puzzles, Luftballons und Seifenblasen. „Arznei ist sehr wichtig, um die üblichen Kinderkrankheiten einzudämmen“, erklärt Anja. Auch Wund- und Brandsalbe haben sie mitgebracht, weil in dem Waisenhaus über offenem Feuer gekocht wird. Viele Kinder haben Infektionen auf der Haut, die durch Würmer ausgelöst werden und behandelt werden müssen. Insgesamt 47 Mädchen und Jungen aller Altersgruppen leben im Hope Orphanage auf Ssese Island im Victoriasee. 29 von ihnen besuchen die Schule.

Solange Tilly noch sehr klein war, konnten ihre Eltern nicht so viel reisen. Also schickten sie Kleider, Medikamente und Schulsachen, zuletzt 100 Kilogramm Blei- und Buntstifte, mit einem Paketdienst nach Uganda. „Das 20-Kilo-Päckchen kostet 95 Euro“, weiß die Hausenerin, die an der Steinheimer Straße im Blumenladen ihrer Eltern mitarbeitet. Hermine und Hans Holstein, Inhaber des Blumenkorbs, organisieren seit vielen Jahren ein Benefizkonzert in ihrem urigen Hinterhof. Horst Schermutzki, Solist aus Seligenstadt, schart stets weitere Künstler um sich, die von der Veranda aus klassische Werke vortragen.

Der Erlös des Treffens wurde diesmal geteilt, eine Hälfte ging an die Hilfsorganisation Pro Interplast in der Einhardstadt, die andere an das Projekt von Anja und Andreas in Uganda. 3000 Euro blieben von Konzert und Spenden, die Kunden im Blumenkorb gaben. Eine Kundin hatte zum Geburtstag um Geld für das Waisenhaus im Victoriasee gebeten. Andere geben regelmäßig. Mit dem Geld konnte das Paar beim jüngsten Besuch das Schulgeld für alle 29 Kinder auf der Insel bezahlen, exakt 10.440.000 Uganda-Schilling, rechnet Andreas Holstein vor.

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Und weil während ihres Aufenthalts gerade Zuckerfest war, haben die Gäste aus dem fernen Hessen ein Essen ausgegeben. Nur ein kleiner Teil der Schulgemeinde ist muslimisch, doch rund hundert Kinder, auch jene aus dem nahen Dorf, feierten mit Matoke, einer Spezialität aus Koch-Bananen, Kutteln, Zwiebeln und Currypulver, mit Hühnchen zu Erdnuss-Soße, Nudeln und Reis, die Frauen des Heims zubereitet hatten. In der Schule hat der Direktor die Hausener in allen Klassen vorgestellt, gefragt, was sie von Deutschland wissen. Fußball, riefen viele Jungs. Dann stellten sie fest, dass die deutsche und die ugandische Nationalflagge aus denselben Farben bestehen - nur in anderer Reihenfolge, dort ist’s zweimal schwarz-gelb-rot.

Anja Holstein und Andreas Jäger hatten auch bei früheren Reisen durch afrikanische und südamerikanische Länder stets prall gefüllte Koffer dabei für Kinder-Einrichtungen. 2011 trafen sie auf der Ssese-Insel Albert Nsubuga, den Leiter des Hope Orphange und fördern dieses seitdem. Diesmal nahmen die Besucher auch etwas mit: Halsketten aus gerolltem und lackiertem Papier, die im Blumenkorb zugunsten des Projekts verkauft werden.

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