Lärmbelastung für Anwohner

Fraktionschef der Grünen plädiert gegen A3-Ausbau

Obertshausen - Wenn die A3 zwischen Offenbacher Kreuz und Hanau ausgebaut wird, bedeutet das für die Obertshausener mehr Lärm und nicht weniger Unfälle. Das meint zumindest der Fraktionschef der Grünen Klaus-Uwe Gerhardt. Von Rebecca Röhrich 

Sie kann ohne Übertreibung als die „Achillesferse“ des Pendlerverkehrs bezeichnet werden. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Stau und Unfälle vom Teilstück der A3 zwischen dem Kreuz Offenbach die Geduld der Pendler auf die Probe stellen. Seit Beginn der Straßensanierung hat sich die Lage sogar noch verschlimmert. Ein Ausbau des Teilstücks auf acht Spuren ist für Entscheider der Stadt und Kreis die Lösung des Problems. Geht es nach CDU, SPD und FDP soll die Autobahn „schnellstmöglich“ ausgebaut werden.

Für den Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Obertshausen, Klaus-Uwe Gerhardt, eine Rechnung, die nicht aufgeht. „Mehr Straßen bedeuten mehr Autos“, sagt Gerhardt. Bei der künftigen Verkehrsplanung solle es viel mehr darum gehen, die alternativen zum motorisierten Individualverkehr weiter auszubauen. Als Beispiele nennt er den Ausbau des regionalen Schienenverkehrs, der Schnellbuslinien und Radschnellwege. Investiere der Kreis das zugeteilte Geld aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 in die Spurenerweiterung, bleibe nicht genug Geld, um die vom Bund geplante Verkehrswende weiter zu fördern. Etwas, was für den Grünen-Chef auch in Anbetracht des Klimawandels dringend notwendig sei.

Bereits jetzt würden die Bürger, die in Nähe der Autobahn leben, stark unter der Lärmbelastung leiden. Dass es einen „technisch verbesserten Lärmschutz“ für die Anrainer nur gibt, wenn die Autobahn ausgebaut wird, ist für Gerhardt „eine Erpressung“. Ein moderner Lärmschutz sei schon ohne Autobahnausbau notwendig. Überhaupt würden die Befürworter einer Spurenerweiterung in „alten Mustern“ und „autofreundlich“ denken. Laut Gerhardt würden die jüngeren Generationen ohnehin immer öfter auf ein Auto verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel und Car-sharing zurückgreifen.

Unfälle in der A3-Baustelle

Seit Beginn der Straßensanierung häufen sich die Unfälle. In den vergangenen zwei Monaten hat es laut Polizei über 60 Mal gekracht. Daran würde ein Ausbau der Autobahn für Gerhardt nichts ändern. Statistiken der Polizei würden ihm recht geben. Demnach steige sogar das Unfallrisiko mit der Anzahl der Spuren. Denn es werde zu schnell und mit zu wenig Abstand gefahren. Auch ein ständiger Spurenwechsel erhöhe das Unfallrisiko.

Der Lokalpolitiker untermauert seine Einschätzung mit der des Bundes. Das Verkehrsministerium sieht zwischen dem Anschlussknoten Hanau und dem Kreuz Offenbach „keinen vordringlichen Bedarf“. „Schöner Wohnen im Grünen für die einen und schlechter Wohnen an der Autobahn für die anderen. Das ist keine zukunftsorientierte Perspektive und kann nicht das Leitmotiv der Kreispolitik sein“, sagt Gerhardt.

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