Oldtimer-Parade „Classic Cars & Sound“

Schaufahren der Schönheiten – wenn Motoren Erinnerungen wecken

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Bald geschafft: Die glänzenden Karossen mussten beim „Classic Cars & Sound“ auch Aufgaben erfüllen – und natürlich schön aussehen.

Obertshausen - Der Kulturverein Just4Fun weckt mit alten Autos und Hits von früher Erinnerungen. 32 Oldtimer starteten am Samstag vorm Bürgerhaus, 27 kamen am Nachmittag auf dem Sportgelände der TGS Hausen an. Zu den Motoren gab’s Musik der Band „Was’n?“.

Gilt wohl nicht nur, dass sich Vierbeiner und Herrchen mit der Zeit immer ähnlicher werden. Sondern auch für Karosse und Insasse. Bei der Oldtimer-Fete des Kulturvereins Just4Fun rauschen prunkvolle Erinnerungen vorbei. Darin: Panama-Hut über einem kurzärmeligen, weißen Oberhemd, schwarze Krawatte, schwarze Hosen mit Trägern und weiße Schuhe. Wie in den 40ern eben, als der Citroen 11cv zu den Traumautos zählte. Diese Schönheit mit ihren wulstigen Kotflügeln, den aufgesetzten, runden Scheinwerfern und dem hohen Kühler. Die Fans hinter der Bande an der TGS-Aschebahn richten ihren Blick auf die drehende Schraube hinter dem Stoßfänger. „Das ist für die Kurbel“, stellt ein fachkundiger älterer Herr fest und deutet auf die runde Öffnung.

Die französische Eleganz in bordeauxrot ist einer der Hingucker beim Treffen der „Classic Cars & Sounds“. Die Veranstaltung des Kulturclubs Just4Fun lockt alljährlich zahlreiche Freunde alter Autos und eines frisch gezapften Blonden an die Aachener Straße. Im Zwei-Minuten-Takt kommen die historischen Wagen an, drehen eine Runde auf der Laufstrecke und absolvieren die letzte von sieben Aufgaben: exakt zwischen zwei Holzpfosten stehenbleiben. Von jeder Seite wird der Abstand bis zur Tür gemessen. Noch ein paar Meter, dann endet die Tour unter der Zieleinfahrt. Damen reichen Sekt und Orangensaft an Lenker und Denker, Fahrer und Beifahrer. Über Rodgau und Dieburg sind sie am Morgen in den Odenwald gereist. Beim Schützenverein Ober-Klingen nahe der Veste Otzberg gab’s Steaks und Bratwurst zur Mittagspause, vom Dorf Morgenroth konnten die Teilnehmer „über den ganzen Odenwald schauen“, schwärmt Mitorganisator und Just4Fun-Vorsitzender Michael Fischer.

Reimund Patrizio hat mit seinem Team von der Scuderia Offenbach die Aufgaben an den Stationen ausgetüftelt. Da müssen die alten Kisten möglichst nah an den Bordstein gesteuert werden, 500 Meter in 90 Sekunden zurücklegen, genau 60 Zentimeter Abstand zum Vordermann einhalten. Keine leichte Lenkerei. 27 von 32 Oldtimern schaffen die 180 Kilometer bis ins Ziel, ein paar müssen wegen technischer Probleme aufgeben.

Oldtimer-Sommerparty bei der TGS Hausen: Fotos

Jüngstes Modell ist ein Golf I von 1979, das älteste ein aufgemöbeltes, türkisfarbenes Chevrolet Business Coupé mit 5,5 Liter Hubraum, acht Zylindern und um die 200 PS. Mit seinem hohen Kühler dem runden Hintern und den winzigen Rückleuchten könnte er auch einen Schönheitspreis gewinnen. Ältester Fahrer ist der 81-jährige Fritz Müller aus Heusenstamm, der mit seinem 450er SEL-Mercedes bei allen fünf Ausfahrten dabei war.

Zu den Raritäten zählt der knallrote Lorenz Rankel mit Daimler-Motor, mit dem seine Besitzer eigens aus der Schweiz angereist sind. Elektromeister Stefan Helm stammt aus Hausen und lenkt einen Ford 17m, die berühmte „Badewanne“, Baujahr ‘62, und er weiß warum er Oldtimer mag: „Da kannste noch in den Motor gucken und selbst Hand anlegen.“

M.

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