Gottes Schutz für Hund und Katz’

Pfarrer Norbert Hofmann segnet auch Haustiere

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Das Hundetrio war mehr an den Artgenossen interessiert, die sich auf dem Platz vor der Kirche St. Morus zusammengefunden haben.

Obertshausen - Zehn Hunde und ein Kater: Herrchen und Frauchen führen ihre vierbeinigen Begleiter vor das Caravaca-Kreuz auf dem Platz vor der Pilgerkirche St. Thomas Morus. Dort segnet Pfarrer Norbert Hofmann die Tiere. Von Michael Prochnow

Roy und Rene demonstrieren mit lautem Gebell, wer die Platzhirsche sind. Die jungen Schäferhundrüden ziehen kräftig an der Leine, mit der auch Mutter Melanie zurückgehalten wird. Halter Günter Seib hat das Trio aber fest im Griff. Die Aufregung der Rassehunde scheint an einer Begegnung mit einer Cocker-Mischung und einem Rauhaardackel zu liegen. Doch auch die sind sicher angeleint, behaupten sich ebenfalls mit folgenlosem Gekläffe. Doch dann wird’s ernst: Seib zischt nur kurz die Namen der stolzen Hunde mit der schwarzen Schnauze, zieht am Geschirr, und die Drei verhalten sich ruhig. Den Pfarrer stören die rebellischen Gottesdienstbesucher nicht. Norbert Hofmann ist selbst auf dem Land aufgewachsen, seine Eltern unterhielten in Viernheim eine Landwirtschaft, erzählt er lächelnd. Auf dem Hof pflegte er stets Kontakt zu Rindern, Schweinen, Schafen und zu Hund und Katz’.

Tiersegnungen haben eine lange Tradition in Deutschland, erklärt der Priester, der im Freien nur sein Amtszeichen trägt, eine Stola mit Motiven der vier Evangelisten, von denen Markus mit einem Löwen dargestellt ist. Die katholische Kirche ehrt an vielen Feiertagen im Jahr die tierischen Begleiter. In Bayern werden traditionell zu St. Leonhard am 6. November Pferde und ganze Gespanne sowie Kühe gesegnet. An vielen Orten wird am Ostermontag ein Georgsritt veranstaltet, der ebenfalls die bedeutsame Rolle der Vier- für die Zweibeiner hervorhebt. Zu St. Stephanus am zweiten Weihnachtsfeiertag wird andernorts der Pferdesegen erteilt, lehrt der Obertshausener Seelsorger weiter. Die Tierliebe kennt da keine Grenzen.

Vor seiner Pilgerkirche hat er in den vergangenen fünf Jahren auch schon Schildkröten und Hamster mit Weihwasser und dem Kreuzzeichen versehen. „Man kann alles unter Gottes Schutz stellen“, erklärt er die theologische Basis der Liturgie, „Menschen, aber auch Tiere, Brücken, Friedhöfe und Autos“. Tiere seien „Geschöpfe Gottes, von Gott ins Leben gerufen“, erklärt er. Mit ihrer Segnung sei aber auch ein Auftrag an die Halter verbunden: Es gelte, mit allen Lebewesen respektvoll umzugehen, sie nicht zu missbrauchen. „Haustiere sind für viele Menschen wie Freunde, für manche die einzigen Ansprechpartner“, lenkt er den Blick auf Senioren, die keine Angehörigen haben. In der kleinen Feier betet er für die Tiere, dass sie vor Leid und Krankheit, Gefahren und schädlichen Einflüssen geschützt sind.

Leserbilder zum Hundetag (Teil 1)

Herrchen und Frauchen stehen in einem Kreis, bekreuzigen sich und tauschen nach dem Akt noch ein paar freundliche Worte aus. Für die meisten gehört der Brauch zu ihrem persönlichen Glauben. Sie vertrauen dem Zuspruch Gottes und erbitten diesen auch für alle anderen Wesen in ihrem Umfeld, definieren zwei Teilnehmerinnen in der Runde. Nach kaum zehn Minuten ist alles vorbei. Die großen und kleinen Hunde beginnen wieder zu bellen, wollen sich bewegen, toben und spielen. Können sie auch, jetzt in Gottes Namen.

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