SVV hat sich für eine weitere Prüfung entschieden

Das zähe Ringen um die Rathäuser geht weiter

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Das Rathaus in der Schubertstraße hat große Chancen, das Rennen zu machen.

Obertshausen - Ein gemeinsames Rathaus - an der Beethoven - oder an der Schubertstraße oder auf neutralem Boden? Die Diskussion ist fast so alt wie der Zusammenschluss der einst selbstständigen Gemeinden. Von Michael Prochnow

Nun soll die Prüfung des künftigen Raumbedarfs ausschlaggebend für die Entscheidung sein. Auf eine der drei Varianten, die ein Planungsbüro bereits im Frühjahr dieses Jahres vorstellte, wird es wohl bei der „Rathaus-Frage“ hinauslaufen: Entweder beide aktuellen Standorte werden saniert, oder das Gebäude an der Schubertstraße wird ausgebaut und das Areal an der Beethovenstraße verkauft. Aber auch Variante drei – ein Neubau an einem neuen Standort – ist noch im Rennen. Immerhin eines haben alle drei Vorschläge gemein: Sie würden jeweils etwa 15 Millionen Euro kosten.

Aber die drei Varianten hätten laut Bürgermeister Roger Winter auch Einsparpotenzial beim Personal und durch alternative Nutzungskonzepte sowie durch die Einnahmen bei einem Verkauf eines der Gebäude, erinnerte der Rathauschef bei der letzten Stadtverordnetenversammlung. Doch für die Mehrheit der Abgeordneten fehlt bei den aktuellen Plänen die Einschätzung des Raumbedarfs. Anthony Giordano (CDU): „Die Raumplanung entspricht nicht mehr dem aktuellen Bedarf.“ Außerdem seien bestimmte Unterhaltungskosten und Nutzungskonzepte in den Bauvarianten des Planungsbüros nicht berücksichtigt worden, gab der Christdemokrat zu bedenken. Rudolf Schulz von den „Bürgern für Obertshausen“ kritisierte indes, es sei schon zu oft geprüft worden, „wir treffen einfach keine Entscheidungen“, klagte er. „Doppelstrukturen belasten den Verwaltungshaushalt, Beschlüsse für ein gemeinsames Rathaus sind schon 2011 gefasst, aber nicht umgesetzt worden.“

Der FDP-Abgeordnete Axel Kuhn gab ihm recht: „Wenn’s Konzepte gibt – warum sollen wir dann nochmal darüber beschließen?“, monierte er. Diese Frage beantwortete Erster Stadtrat Michel Möser: „Der Ist-Stand zum Raumbedarf konnte vom Planungsbüro bisher nicht berücksichtigt werden.“ Der Bündnis-Grüne Klaus-Uwe Gerhardt erkannte wohl den Nutzen einer neuen Kosten-Nutzen-Analyse, „aber man muss sie auch mal umsetzen“, sagte er, „nicht nur den eigenen Stempel auf alte Anträge setzen“.

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Bürgermeister Roger Winter sieht bei dem langwierigen Prozess der Entscheidungsfindung auch vor allem die Verantwortung bei der Politik und weniger beim Ingenieurbüro oder der Verwaltung. „Irgendwann muss eine Grundsatzentscheidung stehen, die Bürger werden es sowieso als zu teuer verurteilen“, so sein pragmatischer Hinweis. Der Rathauschef selbst ist sich indes sicher, „der Standort Schubertstraße wird’s werden“. Auch Werner Friedrich von der SPD drängte zu einem Votum und wies auf die schwierigen Arbeitsbedingungen in den Rathäusern hin. In die gleiche Kerbe schlug Kathy Walther (Grüne), „wir machen uns langsam lächerlich“, fürchtete sie, doch eine Raumbedarfsplanung sei notwendig, räumte sie ein. Der Liberale Kuhn geht noch einen Schritt weiter als die Grünen und forderte, die Planung auf den Standort Schubertstraße einzuschränken. Alle Fraktionen stimmten für den Prüfantrag.

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