Wie sich Kinder in der Öffentlichkeit richtig verhalten

Schildkröte auf Kita-Tournee

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Die Kinder in der Kita Rodaustraße kennen die Schildkröte bereits. Jetzt sollen auch die anderen Obertshausener Kinder mit ihr vertraut werden.

Obertshausen - Ausgestattet mit Hut, Schal und grünem Panzer besucht eine Schildkröte in den nächsten Monaten alle Kitas in Obertshausen, um für ein Kinderschutzprojekt der Stadt zu werben. Gleichzeitig macht sich das Reptil auf die Suche nach einem passenden Namen. Von Rebecca Röhrich 

Wenn Kinder in Obertshausen künftig in der Öffentlichkeit in eine Notsituation geraten oder sich unsicher fühlen, soll ihnen eine kleine Schildkröte mit Hut, Schal und grünem Panzer helfen. Sie ist das Symbol eines Projektes, das vor 15 Jahren in der Kita Rodaustraße ins Leben gerufen wurde und dank eines Beschlusses der Stadtverordneten nächstes Jahr auf die ganze Stadt ausgeweitet werden soll. Nicht nur alle städtischen, sondern auch die kirchlichen Einrichtungen haben sich der Initiative angeschlossen.

„Bei dem Projekt Schildkröte handelt es sich um ein präventives Kinderschutzprojekt, das sich an Vorschüler richtet“, erklärt Oliver Spahn von der Kinder- und Jugendförderung Obertshausen. In regelmäßigen Schulungen lernen die Kleinen, wie sie sich in schwierigen Situationen verhalten sollen. Zum Beispiel, wenn sie sich verlaufen haben, Feuer ausbricht oder wenn sie von Fremden angesprochen werden. In der ersten Klasse wird das Gelernte aus dem Kindergarten noch mal wiederholt. Die Initiatoren betonen, dass es nicht darum gehe, die Kinder mit Schreckensszenarien zu ängstigen. Im Gegenteil: „Wir haben in den Schulungen auch schon Ängste abbauen können“, erzählt Cornelia Sonntag, stellvertretende Leiterin der Kita Rodaustraße. Denn die Kinder würden praktische Verhaltensweisen lernen: Wie benutzt man ein Handy? Was bedeutet das Symbol Notausgang? Bei den Eltern komme das Projekt Schildkröte gut an, berichtet Sonntag. „Die Kinder werden selbstsicher und lernen, auch mal lauter zu sprechen.“

Bei der Initiative gehe es aber nicht nur um das Verhalten der Kinder, sondern auch darum, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen für Kinder im öffentlichen Raum zu erhöhen. Zahlreiche Einzelhändler, öffentliche Einrichtungen und Gaststätten in Hausen bieten aus diesem Grund sogenannte Hilfeinseln, haben einen Aufkleber mit der kleinen Schildkröte an ihrer Eingangstür. Der soll den Kindern symbolisieren: Hier bist du willkommen, hier bekommst du Hilfe. Alle teilnehmenden Geschäfte haben eine Liste mit den Telefonnummern von allen Kitas und anderen wichtigen Anlaufstellen in ihren Läden liegen. 30 Einzelhändler sind bereits in Hausen an dem Projekt beteiligt. Spahn möchte die Anzahl um 30 weitere Kooperationspartner in ganz Obertshausen erhöhen.

Damit die Kinder sich an die Schildkröte gewöhnen, besucht ein Modell des Reptils peu à peu alle Kindertagessstätten und bleibt für ein paar Tage. Angefertigt wurde es von Robert Scheffner, selbstständiger Illustrator mit einem Studio in Oberts-hausen. Er war selbst ein Kindergartenkind in der Rodaustraße. Was jetzt noch fehlt, ist ein passender Name für die Schildkröte. Deshalb reist mit dem niedlichen Tier ein kleiner Briefkasten, in dem Namensvorschläge eingeworfen werden können. Die entsprechenden Postkarten mit vier verschiedenen Motiven werden mitgeliefert. Aus den Vorschlägen wird dann der künftige Name von einer Jury bestimmt. Finanziert wird das Projekt von der Stadt. Bürgermeister Roger Winter freut sich aber über Spender und Sponsoren.

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