Wenig Wissen über viel Schönes

Stadt hat mehr Kulturdenkmäler als gedacht

Obertshausen - In der Stadt lässt sich mehr Historisches finden, als man auf den ersten Blick denkt. Deshalb hat Klaus-Uwe Gerhardt die Stadt bei einem Wettbewerb angemeldet, bei dem die schönsten Kulturdenkmäler gesucht werden. Doch über viele Monumente ist wenig bekannt. Von Yvonne Fitzenberger

Die kleine Kapelle an der Heusenstammer Straße gehört zu Obertshausens Kulturdenkmälern. Über ihre Geschichte ist nur wenig bekannt.

Die Fünfhäusergasse, die Fachwerkhäuser auf der Lämmerspieler Straße und das alte Bahnhofsgebäude: Das sind nur drei der Denkmäler, die beim freien Onlinelexikon Wikipedia gelistet sind. Die Stadt steckt voller verborgener Sehenswürdigkeiten, die nicht in Vergessenheit geraten sollen. Das denkt sich auch Klaus-Uwe Gerhardt und will die Liste noch erweitern und sich vor allem einen Überblick verschaffen. Richtig viel ist über die Kulturdenkmäler allerdings nicht bekannt. Auf die Idee brachte ihn der Wikipedia-Wettbewerb „Wiki loves Monuments“ (Wiki liebt Denkmäler). Dort hat Gerhardt Obertshausen auch gleich angemeldet. Grundlage seiner Recherche ist eine Liste aus den 1980er Jahren. Eine knappe Aufzählung, die laut dem Hobbyhistoriker ihre Aktualität verloren hat. „Obertshausen verfügt in beiden Stadtteilen nur über wenige offizielle Kulturdenkmäler“, sagt Gerhardt. Mit dabei ist das alte Bahnhofsgebäude an der Brühlstraße. Es wurde 1896 eingeweiht, als die Nebenstrecke Offenbach-Dieburg-Reinheim in Betrieb genommen wurde. An der Lämmerspieler Straße stehen zwei Hofreiten und ein Fachwerkwohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Zwei der vier Wohnhäuser haben Scheunen als Hakenhofanlagen. Der Name kommt von einer bestimmten Anordnung der Gebäude. Das Fachwerkwohnhaus ist auch ein Teil der Dreiergruppe und charakteristisch für das in der Gegend verbreitete Fachwerk der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Auch die Obertshausener Kirchen gelten als Kulturdenkmäler. Die katholische Pfarrkirche St. Josef ist eine neogotische Basilika von 1899. Davor war sie ein Bethaus am Eingang zur heutigen Herrnstraße. Durch Zuwendungen der Gräfin Maria Theresa von Schönborn gewann das Gotteshaus langsam an Bedeutung. Der neue Sakralbau wurde in den Jahren 1897 bis 1898 vorangetrieben, ersetzte 1899 an Ostern und am Weißen Sonntag das alte Gebetshaus und wurde 1901 offiziell als Kirche geweiht. Nichts bekannt ist indes über die Geschichte der kleinen Kapelle an der Heusenstammer Straße. Sie wurde in einer einfachen, gotischen Form gebaut.

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In der Wilhelmstraße 11 steht ein weiteres Fachwerkwohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Es besteht aus einfachen Sandsteinpfosten. Zeitweise diente es vermutlich als Armenhaus. „Es gibt noch andere Bauwerke, die aufgenommen werden sollten“, sagt Gerhardt. „Zum Beispiel die Napoleonbrücke oder die Mühlen an der Rodau.“ Die Napoleonbrücke ist über 200 Jahre alt und führt zur Ausflugsgaststätte „Zur Kreuzung“. Einst gehörte sie zur Hauptverkehrsstraße.

Zu den elf offiziell anerkannten Denkmälern könnten also noch welche hinzukommen. Klaus-Uwe Gerhardt hofft jedenfalls, dass Obertshausen bei dem Wettbewerb gut abschneidet. Und auch wenn die Stadt nicht unter die ersten zehn Plätze kommt – ein Erkenntnisgewinn über die Geschichte bringt die Teilnahme allemal.

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