Erfolg nach Schlaganfall-Intensivbehandlung

Mit Therapie und OFC wieder im Leben

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Ein starkes Team: Schlaganfall-Patient Michael Drascher (2. von rechts) aus Obertshausen kann wieder lachen. Die Intensivtherapie von Reha-Coach Helmut Gruhn (rechts) zeigt bei ihm Wirkung. Darüber freuen sich auch die Therapeuten Stefan Frühling (links) und Heike Wendt (daneben), vor allem aber Ehefrau Sandra (Mitte) und die Söhne Luca und Leon.

Hainburg/Obertshausen - Ein Hirninfarkt und die Folgen – pro Jahr trifft es etwa 270.000 Menschen, berichtet die Deutsche Schlaganfallhilfe. Etwa jeder Fünfte stirbt innerhalb der ersten vier Wochen an den Folgen. Von Harald H. Richter

Dennoch lassen Therapieerfolge hoffen, wie der Fall eines Patienten aus Obertshausen zeigt. Auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Karriere – er ist Entwickler bei einem Autohersteller – trifft Michael Drascher eines Januarmorgens 2015 der Schlag. Auf der rechten Körperseite gelähmt und der Sprache beraubt, wird der damals 49-jährige in der Stroke Unit des Offenbacher Sana Klinikums notfallversorgt und in ein künstliches Koma versetzt. Auch für seine Ehefrau Sandra sowie die Söhne Luca und Leon ein Schock. „Von einem auf den anderen Moment ist unsere Welt eingestürzt“, beschreibt sie ihre Empfindungen.

Die Ärzte sehen Draschers Überlebenschancen kritisch. Dennoch kann er nach einiger Zeit in die Wiesbadener Median-Klinik, ein Spezialkrankenhaus zur Frühbehandlung neurologischer Reha-Patienten, verlegt werden. Vier Monate bleibt er dort. „Während dieser Zeit bin ich auf einen Artikel in der Offenbach-Post aufmerksam geworden, in dem über ein ähnliches Schlaganfall-Schicksal mit erfolgreichem Verlauf berichtet wurde“, erinnert sich Sandra Drascher. „Umgehend habe ich Kontakt zum darin erwähnten ambulanten Rehabilitationszentrum in Hainburg aufgenommen, das eine Schlaganfall-Intensivtherapie anbietet. Also kam Helmut Gruhn ins Spiel.“

Der Physiotherapeut behandelt nach der „Back to life“-Methode. Der Schlaganfallexperte hat das Verfahren vor mehr als zehn Jahren entwickelt, um Patienten wieder zu selbstständigem Leben zu verhelfen. Es beruht auf dem wissenschaftlich anerkannten Bobath-Prinzip. Namensgebend waren der Neurologe Karel Bobath und seine Frau Berta.

„Die Besonderheit unseres Konzepts ist die Intensität der Behandlung von Schlaganfallpatienten nach der klinischen Reha“, erläutert Gruhn. „Die Therapiezeiten sind länger und erfolgen in kürzeren Abständen als bei normaler Physiotherapie.“ Vor allem wird auf die individuelle Lebenssituation des Betroffenen Rücksicht genommen, auf seine Wünsche und Bedürfnisse geachtet. Als Drascher nach Hause kommt, erwartet ihn ein optimal abgestimmtes Netzwerk ambulanter Reha, bestehend aus Physio- und Ergotherapie, Sprachheilbehandlung und ärztlicher Begleitung. Pro Woche arbeitet er bis zu acht Therapieeinheiten ab, das doppelte Pensum als in herkömmlichen Verfahren. „Motiviert und lernbereit leistet er die häuslichen Übungen vorbildlich“, erkennt der Reha-Couch nach wenigen Behandlungen Fortschritte.

„Back to life” soll die Voraussetzung für einen selbstständigen Alltag schaffen. Bei Michael Drascher ist das gelungen. Die rechtsseitigen Lähmungen sind größtenteils aufgelöst, sein Sprachvermögen hat er wiedererlangt, er muss nicht länger am Stock gehen, wobei ihm eine Textilorthese im Schuh hilft. Nun steht er kurz vor der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben bei seinem bisherigen Arbeitgeber in Rüsselsheim, bereitet sich in Bad Orb im Rahmen eines Heilverfahrens darauf vor. „Ich habe auch den Führerschein noch einmal erworben“, freut sich der heute 51-Jährige über neue Mobilität. Sein Auto verfügt über linksseitiges Gaspedal, auch der Steuerknüppel ist auf dieser Seite angebracht.

Auf seinem Weg zurück in die Normalität bindet Drascher sich mit Sohn Luca (16) an den Wochenenden rot-weiße Fanschals der Offenbacher Kickers um den Hals und verfolgt die Heimspiele der Lieblingself „uffem Bersch“.

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