Thomas Demling bringt es auf den Punkt

Obertshausener ist Vizeweltmeister im Zielspringen

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Nach über einem Kilometer Flug findet Thomas Demling sein winziges Ziel.

Obertshausen - Thomas Demling hat gute Chancen, als der mutigste Obertshausener zu gelten. Denn der Unternehmer ist Vizeweltmeister im Zielspringen. Das ist zwar keine olympische Disziplin, aber ein krönender Abschluss unserer Olympia-Reihe. Von Rebecca Röhrich

Ja, es gibt sie: Menschen, die aus 1200 Meter Höhe aus einem Flugzeug springen mit dem Ziel, ein etwa zwei Euro großes Fleckchen auf der grünen Wiese zu treffen. Zielspringen nennt sich diese Form des Fallschirmspringens. Der Springer verwandelt sich dabei in eine Art Pfeil und landet auf einer überdimensionalen Dartscheibe. Die Regeln sind ähnlich wie bei dem Kneipensport. Wer die Mitte trifft, bekommt die meisten, in dem Fall 50, Punkte. In der Zielscheibe messen elektronische Sensoren die Abweichung vom Zentrum.

Thomas Demling aus Obertshausen hat die goldene Mitte bei der Weltmeisterschaft Anfang August in Eisenach fast getroffen. Nur einer sprang näher an das Fleckchen ran. Der Vizetitel ist der bisher größte Triumph des Unternehmers. Jetzt hat der Alltag ihn wieder. Der 49-Jährige steht in seiner Küche, hat vom Schrauben und Friemeln schmutzige Hände und ist im Stress. Um seine Beine düsen zwei Katzen hin und her. Seine Freundin macht sich gerade einen Kaffee, das Radio dudelt. Der große kräftige Mann muss eine seiner wuchtigen Textilfärbemaschinen in seiner Werkstatt nebenan reparieren. Der diplomierte Textilfärber und Meister für Elektrotechnik ist einer, der anpackt und nicht lange rumredet. So fallen ihm auch keine blumigen Erklärungen ein, warum er ausgerechnet das Fallschirmspringen zu seinem Hobby gemacht hat. „Ich habe das zufällig in Gelnhausen mal gesehen und dachte mir: Das will ich auch machen!“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Damals war er 21 Jahre alt.

Glücklich gelandet packt Demling sein Material zusammen.

Zwar findet er auch für das Gefühl des Absprungs keine großen Worte, aber sein Gesicht spricht Bände. Es hellt sich auf, er fängt an zu grinsen. Das wird noch viel breiter, als seine Freundin ihn anstupst und an den tollen Titel erinnert, den er erst kürzlich gewonnen hat. Da bricht es dann doch aus ihm heraus. „Ja das war schon toll“, sagt er und lacht ein bisschen. Als Demling Ende der 80er Jahre damit anfing, war Fallschirmspringen schwer angesagt. Es war einfacher, Mitstreiter zu finden. Heute wurde das klassische Zielspringen von anderen Trendsportarten wie Base-Jumping abgelöst. Auch wenn jeder erst mal allein durch die Luft fällt, kann auch als Team gesprungen werden. Zum Beispiel können vier oder mehr Springer auch Formationen während des freien Falls bilden, bevor es dann am sicheren Schirm sanft zu Boden geht. Auch eine Disziplin, mit der Demling gemeinsam mit Kollegen aus Heusenstamm und Dietzenbach an Wettbewerben teilnimmt.

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Dieses Hobby muss man wirklich wollen. Denn es kostet richtig viel Geld. Allein die Startgebühr kostet bei Wettbewerben 360 Euro. Und das Flugzeug fürs Training will auch bezahlt werden. Dazu kommt noch, dass die Teilnehmer spezielle Versicherungen abschließen müssen. Die Orte, an denen die Meisterschaften stattfinden, sind um den ganzen Globus verteilt. Es kommen also Anfahrt und Übernachtung hinzu. Ganz zu schweigen von Schirm, Helm und Rucksack. In zwei Jahren wird die Meisterschaft in Australien ausgetragen. Da will Demling in jedem Fall dabei sein. „Vielleicht finde ich bis dahin ja noch einen Sponsor“, sagt er und lacht. Er ist sich allerdings ziemlich sicher, dass es auf eisernes Sparen hinauslaufen wird.

Olympisch wird das Zielspringen wohl nie werden, schätzt der Elektrotechnikmeister, „Dafür machen das zu wenig“. Aber auch wenn es für das größte Sportfest der Welt nicht reicht, gilt bei Demlings Lieblingssport das gleiche Motto: „Dabei sein ist alles!“

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