Im Kampf um Kundschaft geschlagen

Traditionsmetzgerei Schnellbacher macht Schluss

Obertshausen - Die Hausener Metzgerei Schnellbacher hat dicht gemacht. Der Schritt des Familienunternehmens kam für viele Kunden und Bürger überraschend und hat laut Besitzer und Metzgermeister Christof Schnellbacher eine Vielzahl von Gründen. Immerhin: Keiner der zuletzt fünf Angestellten wird arbeitslos. Von Michael Prochnow

Das Ende einer Ära. Christof Schnellbacher gibt seinen Familienbetrieb auf.

Sie war der Fels in der Brandung, der Treffpunkt für Feiernde und Feinschmecker, das Epizentrum der Geschäftswelt. Verloren sich beim Erlebnissonntag des „Kreises freundlicher Fachgeschäfte“ in so manchem Laden nur hin und wieder Interessierte, tobte an der Windthorststraße der Bär. Klar, „gegessen wird immer“, und die Schnellbachers waren mit ihrem Angebot viele Jahre konkurrenzlos. Lange Schlangen geduldiger Kunden bildeten sich auch an ganz normalen Wochenenden in dem hellen Verkaufsraum mit der prall gefüllten Theke. Neben selbst gefertigten Fleisch- und Wurstwaren bot der Betrieb täglich wechselnde Menüs, führte eine Kühltheke mit Getränken und Milchprodukten. Frühstück und Mittagstisch wurden zu Firmen und älteren Menschen ausgeliefert, Vereine entgegenkommend unterstützt. Dann wurden die Zeiten schlechter. „In den vergangenen 15 Jahren haben viele Lederwarenbetriebe geschlossen, die bis dahin morgens Frühstück geholt haben“, erzählt Schnellbacher. „Damals war um neun Uhr der Umsatz in der Kasse, der jetzt um halb zwölf noch nicht gemacht ist.“ Immerhin: Mittags lief das Geschäft nach wie vor sehr gut.

Doch die Kosten für Strom, Verpackung und Müll stiegen ständig. Jetzt verlangen die Banken selbst für das Abholen und Abgeben von Münzgeld Gebühren, klagt der Unternehmer. Die Reparatur von Räucherkammer und Kutter sei sehr teuer, viele Geräte stammen von Monopol-Unternehmen. Die Eichkosten für die fünf Waagen kletterten von 300 auf 500 Euro. Immer mehr Gesetze brächten immer mehr Auflagen bei Hygiene und Temperaturen, forderten immer mehr Kennzeichnung und Dokumentation, so Schnellbacher.

Sehr schwierig sei es auch, geeignetes Personal zu finden, hauptsächlich für den Verkauf, erzählt der Unternehmer von seinen negativen zwischenmenschlichen Erfahrungen. Lehrlinge seien kaum zu finden, bewährte Kollegen wechselten zur Konkurrenz oder gingen in Rente – außer der 80-jährige Firmengründer Adolf Schnellbacher und Ehefrau Gertrude, die regelmäßig in der Wurstküche und hinter der Theke mit angepackt haben. Für ein Überleben hätte es Wachstum gebraucht. Die Schnellbachers dachten über eine Filiale nach, „aber dafür müssen in unserer Branche extrem viele Auflagen erfüllt werden“, weiß der Inhaber und stellt Stichwörter wie EU-Zulassung, Hygieneschleuse und qualifiziertes Personal in den Raum. Der Metzgermeister ärgert sich aber auch über die Vernichtung von Parkraum am Kapellenhof. Damit sei Laufkundschaft vertrieben worden, die auch beim Metzger vorbeischaute.

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Und dann sind da noch die Discounter – „nur Bestatter haben da keine Probleme“, sagt er. Junge Leute gingen samstags lieber in die Stadt, würden dort die langen Öffnungszeiten nutzen. Dabei hatten auch die Schnellbachers von 7 bis 18.30 Uhr geöffnet. Am Wochenende kam für den Chef noch der Lieferservice dazu – für den 42-Jährigen eine Sieben-Tage-Woche mit 70 oder 80 Stunden und keine Chance auf Urlaub oder Privatleben.

Zu besten Zeiten hatte Schnellbacher 14 Mitarbeiter, jetzt waren es noch fünf. Keiner davon ist arbeitslos, einige sind künftig in der Metzgerei des Schwagers in Seligenstadt tätig. Christof Schnellbacher wird künftig seine Brötchen in einer Nobel-Metzgerei in der Frankfurter Fressgass verdienen. Die Räume des Geschäftes wird er vermieten.

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