USCO spielt in der Landesliga

Unterwasser-Sport-Club: Wie Tümmler im Meer

+
Beim Unterwasserrugby gehen die Spieler nicht zimperlich miteinander um.

Obertshausen - Rugby gehört in Deutschland nicht zu den Sportarten, um deren Übertragungsrechte sich Sender balgen. Unterwasserrugby dürften die meisten für so etwas wie die durchgeknallte Idee eines Personalchefs für den nächsten Betriebsausflug halten. Von Stefan Mangold 

Wer beim Training des „Unterwasser-Sport-Club Obertshausen“ (USCO) nur ein paar Sekunden zuschaut, versteht eines sofort: Unterwasserrugby ist kein Jux. Aber ein Publikum am Beckenrand hätte nichts von einer Partie, die über zwei Mal 15 Minuten geht. Der Zuschauer sieht unmittelbar nur etwas, wenn er selbst den Kopf mit Taucherbrille unter Wasser hält. Von außerhalb wirkt das Spiel, als versammelte sich ein Trupp Tümmler. Dazu passt das Schnaufen durch den Schnorchel.

Beim Anstoß liegt der mit Salzlauge gefüllte Ball in der Mitte des Beckens auf dem Grund. Am Rand harren die jeweils sechs Spieler auf den Anpfiff. Die Partie beginnt mit Wetttauchen. Sekunden später bildet sich ein Knäuel, ähnlich wie bei Fischen an einer Futterquelle. „Anfänger brauchen mindestens ein halbes Jahr, um ein Gefühl für den Raum zu entwickeln“, erklärt Marc Wachtel, „schließlich bewegen wir uns in der Dreidimensionalität“. Der 43-Jährige spielt seit seinem 15. Lebensjahr Unterwasserrugby und musste seine Karriere in der Nationalmannschaft nach dem Studium aus Zeitgründen beenden. Einer wie Gernot Schmidt kam durch eine weitere ungewöhnliche Sportart dazu. Er spielte fünf Jahre Unterwasserhockey in London.

Wer mit Unterwasserrugby anfängt, der weiß: Ruhm, Reichtum und das Interesse attraktiver Frauen lassen sich mit dieser Sportart nicht von selbst erheischen. Nur Mit- und Gegenspieler sehen seine Aktionen. Und die Schiedsrichter, von denen sich zwei mit Sauerstoffflasche unter Wasser aufhalten. Das heißt, Diskussionen mit den Unparteiischen entfallen. Wer unter Wasser schimpft, beschwert sich ins Leere. Nur Kollisionsgeräusche sind in der Unterwasser-Arena gedämpft zu hören. „Oben lassen sich mit dem dritten Schiedsrichter Gespräche führen“, erklärt Ralf Grupe.

Der durchtrainierte 56-Jährige spielt seit bald 40 Jahren. Mit 25 Jahren fing Birgit Hermle mit der Sportart an, bei der Frauen zusammen mit Männern spielen. Die 37-Jährige spricht von der Umsicht im Raum, vom Gefühl, wie sich ein Spielzug entwickeln kann. Was beim Kampf um den Ball wie Chaos wirkt, entpuppt sich als variable Struktur. Spieler schießen mit ihren Flossen plötzlich dorthin, wo gleich etwas passieren könnte. Ziel ist es, den Ball in des Gegners Korb zu werfen, der auf dem Grund steht. Ein Keeper will das verhindern. Der legt sich drauf und erwehrt sich den Versuchen, ihn zur Seite zu schieben. „Super Tabea, klasse“, rufen die Mitspieler am Beckenrand, nachdem die 21-jährige Tabea Schreiner versenkte.

Nacktrugby, Frauentragen, Sumpfschnorcheln: Die irrsten „Sportarten“

Auch beim Rugby in den Tiefen geht es nicht verzärtelt zu. Klammern ist erlaubt, an den Beinen halten auch. Der Verteidiger darf sich aber nur den Ballführenden greifen. So weiß jeder: „Lass‘ ich los, kann ich auftauchen.“ Das passiert alle 15 bis 20 Sekunden für einen Atemzug. Die Obertshausener spielen in der Landesliga, was der dritten Spielklasse entspricht. Die Protagonisten der Disziplin kennen einander bundesweit. Birgit Hermle trainiert in München mit, wenn sie beruflich dort unterwegs ist.

Der USCO trainiert montags im Hallenbad Frankfurt Höchst, von 19 bis 20.15 Uhr. Benötigte Ausrüstung: Flossen, Maske, Schnorchel, Kappe und Badebekleidung. Weitere Infos, E-Mail: Ralf-Botho.Grupe@alice.de.

In Obertshausen kommt die Mannschaft längst nicht mehr unter. Das Becken braucht eine Tiefe von drei bis fünf Metern. Seit im städtischen Schwimmbad der Hammer fiel, geht es auf Odyssee für den Club, die über Heusenstamm und Oberursel ins Sprungbecken von Frankfurt-Höchst führte.

Heiße Hüpfer! Cheerleader aus aller Welt

Kommentare