Urlaubsvertretung Pfarrer Austin Echema

„Wem es gut geht, vergisst Gott“

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Pfarrer Austin Echema ist auch Professor für Liturgie und hat mehr als 40 Fachartikel veröffentlicht.

Obertshausen - Früher war ein Kaplan zur Stelle, wenn der Pfarrer seinen Urlaub antrat. In Zeiten des Priestermangels vertritt ein Kollege aus der Ferne den Seelsorger. Von Michael Prochnow 

In der katholischen Kirchengemeinde Hausen ist es der nigerianische Professor Austin Echema, der anstelle des Pfarrers die Messen liest. Austin Echema erblickte in Ohuhu Nsulu das Licht der Welt. Das Dorf liegt in der Region Isiala Ngwa im Süden von Nigeria. Er wuchs als jüngstes Kind mit vier Schwestern und zwei Brüdern auf. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft und waren sehr begeistert vom Entschluss ihres Jüngsten, Priester zu werden. Denn es war ihr Wunsch noch bevor er geboren wurde. Der Vater betete „wenn der Herrgott mir einen Jungen schenkt, werde ich den Sohn ihm schenken“, erzählt Echema. „Bei uns werden Söhne mehr geschätzt.“ Im Dorf besuchte Austin Echema sechs Jahre die Schule und knüpfte dort Kontakt zu einem Militär-Kaplan. Der kleine Austin half jeden Morgen als Ministrant in der Messe. Das fünfjährige Gymnasium absolvierte er dann bereits im Kleinen Priesterseminar in Owerri. Das Schulgeld war damals gering, das Bistum hat intensiv junge Leute gesucht.

In Owerri machte er nach dem Abitur ein einjähriges Praktikum in einer Pfarrei, begleitete Katechesen, Chor und Messdiener. 1977 trat er ins Große Priesterseminar ein, studierte vier Jahre Philosophie, danach weitere vier Jahre Theologie. Am 16. August 1986 wurde er vom Bischof geweiht. Nur drei Monate war er als Kaplan tätig, als er auf eine Lehrerstelle im Kleinen Seminar berufen wurde, Englisch und Religion unterrichtete. Danach betreute er sieben Monate als Pfarrer seine erste eigene Gemeinde in Owerri. 1988 führte sein Weg nach Deutschland. Der Kontakt lief über das Bistum Limburg, Bischof Franz Kamphaus vermittelte ihm nach einem Besuch in Nigeria ein Stipendium für ein Aufbaustudium. Das schloss er 1994 in St. Georgen in Frankfurt mit einer Promotion im Fach Liturgie ab, ganz dem Wunsch des Heimatbischofs, aber auch dem eigenen Interesse folgend.

Ein Jahr leitete Echema die Pfarrei St. Josef in Schöffengrund bei Wetzlar, 1995 kehrte er zurück in seine Heimat und lehrte am katholischen Institut von Westafrika in Port Harcourt. Dort wurde er 2012 Professor für Liturgie. Bis dahin hatte er von Belgien und Indien bereits fünf wissenschaftliche Bücher und mehr als 40 Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht hat. In Braunfels lernte er den damaligen Dekan Ludwig Janzen kennen, ein Freund von Hausens Pfarrer Christoph Schneider, für den er seit 1998 die Ferienvertretung in Kronberg und Frankfurt-Riederwald übernommen hatte, so gelangte er nun nach Obertshausen.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

„In Nigeria strömen sehr viele Leute in die Gotteshäuser, das kann man sich hier nicht vorstellen“, erzählt der Gast. „In Port Hartcourt kommen jeden Sonntag 5000 Gläubige in zwei Messen, obwohl in der Nähe weitere Kirchen sind.“ Er hat auch eine Idee, warum in Europa viele Menschen aus der Kirche austreten. „Wem es gut geht, vergisst Gott“, so Professor Echema. Den größten Unterschied sieht er bei den Jugendlichen: „Ob in der Stadt, auf dem Land oder an der Uni – in Nigeria kommen alle“, erzählt der Pfarrer. Möglicherweise stehen dem Nachwuchs nicht so viele Freizeit-Aktivitäten zu Auswahl. Sie würden sehr lebendige Gottesdienste gestalten, seien im Chor, als Lektoren, Messdiener aktiv, reinigten sogar die Kirchenräume. „Wenn Du reingehst, vergisst Du Deine Sorgen“, erklärt Austin Echema das Engagement. Der Pfarrer wird in diesen Tagen zur nächsten Vertretung nach Bruchsal weiterreisen.

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