Verzage nicht, ich weiß wie’s geht ...

Dr. Martin Trageser leitet seit 20 Jahren den gemischten Chor ‘84

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Immer donnerstags trifft sich der Chor ´84 der Sängerlust Hausen zur Probe. Die Leitung und ungeteilte Aufmerksamkeit der Mitglieder hat dann für 90 Minuten Martin Trageser. Zusammen wurden sie 2014 als Meisterchor des Hessischen Sängerbundes ausgezeichnet.

Obertshausen -  Wer dem Klischee glaubt, dass Naturwissenschaftler musisch nicht begabt seien, wird von Dr. Martin Trageser eines Besseren belehrt. Seit 20 Jahren leitet der studierte Biochemiker den Chor ´84 der Sängerlust. Von Christian Wachter 

Am Ende der abendlichen Probe ist Dr. Martin Trageser zumindest einmal ganz der Lehrer: „Kommt schon, noch fünf Minuten, das bekommen wir noch hin“, sagt der Chorleiter, der tagsüber an der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach arbeitet und dort Musik, Biologie und Chemie unterrichtet. Er ist noch nicht ganz zufrieden damit, wie der Chor ´84 Obertshausen „Mr. Santa“ gesungen hat. Gleich danach gibt es aber schon das Lob. „Danke, das war eine tolle Probe“, sagt er, und entlässt die rund 50 Mitglieder aus dem Saal des Hausener Bürgerhauses. Rund 90 Minuten zuvor beginnt er die Probe mit Aufwärmübungen. Trageser steht vor einem Klavier und macht sie vor, der Chor steht im Halbkreis um ihn herum und tut es ihm gleich: Es werden Arme nach oben gestreckt, danach geht die linke Hand zum rechten Ohr und andersherum. Dann fordert Trageser seine Schützlinge zu ersten Gesangseinlagen auf. „Lalala“, „Die Sonne“ und „Der Apfelwein“ tönt es melodisch aus den Kehlen. „Denkt daran, die Töne zu halten, nicht wegdriften“, ermutigt der Chorleiter.

Das Aufwärmen dient dabei nicht nur der Stimmbildung. An einem solchen Abend, erläutert Trageser, komme schließlich jeder von woanders her und man müsse sich auch im Kopf vorbereiten. Danach dürfen seine Schützlinge sich setzen. Am einen Ende des Halbkreises die Männer in den Stimmlagen Bass und Tenor, am anderen die Frauen, Alt und Sopran. Auf dem Programm stehen hauptsächlich Weihnachtslieder. Sicher, so ganz mag das noch nicht passen zu den bunten Hemden, der neongrünen Sonnenbrille, die aus einer Aktentasche lugt, und natürlich der Außentemperatur an diesem warmen Septemberabend. Aber früh übt sich, wer beim Weihnachtskonzert am vierten Adventssonntag in der Herz-Jesu-Kirche eine gute Figur abgeben will.

Routine vor größerem Publikum

Sorgen, dass ein Auftritt misslingen könnte, muss man sich wohl ohnehin nicht machen. Schließlich hat der Chor, sei es beim Weihnachtskonzert oder auch bei „Hausen singt“, längst Routine vor größerem Publikum gesammelt. 1984 als Jugendchor der Sängerlust Hausen ins Leben gerufen, ist die Gesangstruppe erwachsen geworden. Sieben der Gründer sind noch dabei, die jüngsten Mitglieder sind Mitte 20. Trageser, Jahrgang 1962, leitet den Chor bereits seit 1996. Zusammen nahmen sie an vielen Wettbewerben teil und wurden 2014 als Meisterchor des Hessischen Sängerbundes ausgezeichnet.

Seine Chorleiter-Ausbildung absolvierte Trageser am Konservatorium in Frankfurt. Neben dem Chor ´84 betreut er auch den Männerchor „Sängerlust“. Außerdem hat er vor seinem zweiten Staatsexamen noch in Biochemie promoviert und bekam 2000 den Hochkaräter-Titel „Musikdirektor FDB“ verliehen. Dass er in all den Jahren die Lust an der Musik nie verloren hat, sieht man schon an seinen Bewegungen. Er zieht die Arme wellenartig vor dem Körper zusammen, um den Sängern zu verdeutlichen, dass sie die Töne nicht auseinanderziehen und auf die Atmung achten sollen. Das wirkt nicht etwa angespannt, sondern motiviert, etwas mehr aus dem jeweiligen Stück herauszuholen.

Akribisch ist er dennoch. An den Zeilen „Frohe Weihnacht du und ich / Verzage nicht, ich weiß wie´s geht“ lässt er den Chor lange feilen. „Das können wir nicht durchgehen lassen“, moniert er, als die Abstimmung der Stimmlagen noch nicht passt. „Nicht zu viel nachdenken“, sagt er grinsend ins Halbrunde. „Das Großhirn ist zu langsam dafür.“ Generell ist die Stimmung gelöst, man merkt, dass die Mitglieder sich untereinander gut kennen. „Das ist aber noch ausbaufähig“, tönt es beim Ave Maria vom Bass in Richtung Sopran. „Bei euch aber genauso“, antworten die Damen. Nach der Probe werden Frauen und Männer wieder durchmischt, als sie gemeinsam in das Restaurant im Bürgerhaus einkehren. Natürlich mit ihrem Chorleiter.

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