Viel Liebe zum eigenen Baby

„Aromakünstler“ Thomas Niedermayer: Koch unter den Süßwarenherstellern

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Neun verschiedene Fudge-Sorten stellt Thomas Niedermayer in seiner kleinen Küche im ersten Stock eines Hauses an der Bahnhofstraße her. In der Hand hält der Konditormeister seine erste Sorte, ein klassisches Karamell mit etwas Salz. 

Obertshausen - Vor eineinhalb Jahren hat Thomas Niedermayer seine ersten Fudges verkauft, eine weiche Karamell-Süßigkeit aus England. Inzwischen hat er neun Variationen in seinem Sortiment und eine Mitarbeiterin, die ihm bei der Herstellung hilft. Von Yvonne Fitzenberger

Denn alle Produkte werden per Hand hergestellt. Salted Caramel, Whisky und Vegani Fudge. Schon die Namen wecken Lust auf etwas Süßes. Thomas Niedermayer ist „Aromakünstler“. So nennt er seine Manufaktur über einem Laden in der Bahnhofstraße 50. In seiner kleinen Küche entstehen die Leckereien. Damit erfüllt er sich seinen Traum. Der Unternehmer war schon immer Hobby-Koch. „Es hat mir schon als Kind Spaß gemacht, zu kochen“, sagt Niedermayer, „ich bin gelernter Konditor“. Danach wechselte er in ein Angestelltenverhältnis. Der Betrieb musste Insolvenz anmelden und Niedermayer stand vor der Frage: weitermachen wie bisher oder einen Neuanfang wagen?

Schon seit langem hegte er den Wunsch, sich selbstständig zu machen und zurück zu seinen Wurzeln zu gehen. Niedermayer: „Ich probierte mich an Kuchen im Glas und Chutneys, aber der Markt dafür ist schon lange übersättigt.“ Es musste eine originellere Idee her. Der Besuch einer Fudge-Manufaktur in England bescherte ihm dann die entscheidende Idee. So etwas gab es in Deutschland noch nicht. Es folgten Monate des Experimentierens und Ausprobierens bevor der gelernte Konditor seinen Number-1-Fudge an eine Bekannte zu ihrer Restaurant-Eröffnung verkaufte. Ein erfolgreicher Start für den Neu-Unternehmer.

Inzwischen zählt das Sortiment neun bis zehn Variationen des Schoko-Karamells und wird in 30 Geschäften verkauft. Sein Zuckerwerk gibt’s aber nicht im Supermarkt. „Ich suche mir kleine, inhabergeführte Läden“, erläutert Niedermayer, „denn Fudges muss man probieren“. Seine Zutatenauswahl ist so außergewöhnlich wie hochwertig. Er achtet darauf, dass er Gewürze und Alkohol aus der Region verwendet. Die Zutatenlieferanten sind ebenfalls kleine Betriebe. Man helfe sich gegenseitig, sagt der Fudge-Bäcker.

Seine Ideen nimmt er aus seiner Liebe zum Kochen. „Ich koche freestyle, ganz ohne Rezept“, sagt er und lacht. Das helfe. Inspiration nimmt er auch aus verschiedenen Regionen: Ein Hessen-Fudge mit Äppelwoi oder ein Black-Forest-Fudge mit Kirschwasser speziell für einen Kunden. Zu Probierterminen werden auch schon mal Zutaten mitgenommen. „Als wir den Gin probierten, habe ich weiße Schokolade und noch andere Zutaten mitgenommen, um direkt zu probieren, ob das zusammenpasst“, sagt er.

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Eine gute Idee und ein hochwertiges Produkt alleine sind keine Erfolgsgaranten, weiß Niedermayer: „Du musst dein Baby lieben, denn ohne viel Einsatz geht nichts.“ Am Anfang war es normal, dass er 14 Stunden am Tag arbeitete. „Auch jetzt stehe ich vor Messen schonmal bis Mitternacht in der Küche.“ Wichtig sei es auch, frei in seinen Entscheidungen zu sein. Ist man abhängig von Banken, sei man eingeschränkt.

Und, wie sehe ein Obertshausen-Fudge aus? Die Frage lässt Niedermayer schmunzeln: „Auf jeden Fall muss dunkle Schokolade rein und Erdnüsse“, erinnert ihn die Stadt doch vor allem an seine Lederwaren: „Oder Grüne-Soßen-Kräuter und weiße Schokolade“, sagt er grübelnd, „ja, das wäre doch vielleicht eine Idee für eine neue Sorte“. Die Fudges können unter aromakuenstler.de bestellt oder in der Manufaktur abgeholt werden. „Ich freue mich immer, wenn Kunden persönlich vorbei kommen“, sagt der Inhaber mit einem Lächeln und arbeitet schon an den nächsten Sorten – unter anderem an einem Brotaufstrich aus Karamell.

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