Was Auto und Stimme verbindet

Weltstar Graciela Alperyn bringt Schülern den Operngesang näher

+
Atemübung mit Strohhalm: Sängerin Graciela Alperyn (rechts) stimmt die Teilnehmer ein.

Obertshausen - Keyboard, Gitarre, Waldhorn - die Musikschule unterrichtet in fast allen Fächern. Auch Pop-Gesang zählt dazu. Bislang allerdings kein klassischer. Das soll sich ändern. Mit prominenter Unterstützung. Eindrücke von der ersten Probe.

Uhuuhuuhuuhuuuuu. Eine junge Frau steht auf einem ornamentreichen Perserteppich, hebt den Kopf mit geschlossenen Augen und setzt noch einmal an. Der Vokal „U“ bringt einen wichtigen Vorteil, lernen die aufmerksamen Zuhörer, „er hebt den oberen Gaumen an, und das ermöglicht den Einsatz der Kopfstimme und die Schwingungen in der Stimme. „Jetzt auf ‘A’!“, fordert die Dozentin am schwarzen Flügel. Graciela Alperyn ist ein Weltstar auf den großen Opernbühnen. Sie überzeugt zugleich als Lehrerin, ermutigt ihre Schüler, auch wenn deren Stimmen im Keller eines Hausener Reihenhauses ziemlich wacklig klingen. Wenn die erfahrene Diva, die im berühmten Teatro Colon von Buenos Aires zu Hause ist, ihre Stimme erhebt, scheinen die Gläser auf dem Kristalltisch zu vibrieren.

Die mit Wasser gefüllten Gefäße dienen keineswegs der Erfrischung: Die fünf Lernwilligen sollen sie nun in die Hand nehmen und verschiedene Töne durch einen Strohhalm pusten. Diese Atemübung helfe, den Luftstrom gleichmäßig abzugeben. „Die Bläschen machen sichtbar, wie man beim Singen ausatmet“. Der Test ist gelungen, wenn sich die Lufthüllen gleichmäßig über die Wasseroberfläche verteilen.

Alperyn vergleicht die Stimme mit einem Auto: „Der Wagen braucht Benzin, die Stimme benötigt Luft, ohne diese kannst du nicht mehr sprechen.“ Sagt es und demonstriert mit einem gähnenden „Aaaaaaahhh“, wie ihr der Sprit ausgeht. Dann erfahren die Schüler noch, wie sie mit der Bauchmuskulatur einen abgehackten Stakkato-Ton hervorbringen oder einen „gebundenen Ton“ als Legato, „wie ein Regenbogen“ auf- und wieder absteigend.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Die Sänger sollen sich lockern, auf ihre Körpersprache achten, gerade stehen oder selbstbewusst auftreten und dabei Spannung in Zwerchfell und um die Rippen aufbauen. „Als würdet ihr eine Erbse zwischen den Pobacken halten, eine andere zwischen den Knien“, schildert der Star bildhaft, „nicht die Schultern anziehen, aber sicher auftreten“. „Singen tut der Seele gut“, begründet Alexandra ihre Teilnahme. Manuela, die in einem Kirchenchor singt, möchte „unbedingt wissen, wie’s richtig geht“. „Genial, grandios!“, schwärmt ihr Mann Roland von der Operndiva, „dass wir in so kurzer Zeit so viel über unsere Stimme gelernt haben“. (M.)

Kommentare