Bei einem Workshop lernen Teilnehmer, ein besonderes Mineral zu gestalten

Wenn Steine weich sind

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Im Gegensatz zu anderen Steinen sind Specksteine einfacher zu bearbeiten.

Obertshausen - Speckstein wird aus Minen in Brasilien, China und Indien gewonnen. Aufgrund seiner besonderen Konsistenz und Erscheinung ist er als Material für Skulpturen sehr beliebt. Von Peter Back 

Feile, Raspel und Säge liegen ausgebreitet auf dem von einem Zeltdach vor Unwetter geschützten Tisch im Garten der Künstlerin Silvia Wenzel. Werkzeuge, die man eher in einem Holzschnitzatelier vermuten würde als bei einem Workshop zur Bearbeitung von Steinen. „Specksteine bestehen fast ausschließlich aus Talk und sind so weich, dass man in sie sogar mit dem Fingernagel ritzen kann“, verrät die freischaffende Künstlerin. Je nachdem, welche Mineralien sich in der Entwicklungsgeschichte mit dem Talk verbunden haben, ändern sich Härtegrad und Farbe. Das Spektrum der Färbungen reicht dabei von Rosa und Grün über Weiß und Grau bis hin zu Schwarz oder gar Türkis. Besonderen Charme entwickeln durchscheinende Specksteine, die, je nach Einfallswinkel des Sonnenlichtes, ihre Farbcharakteristik ändern und leuchten. Die Natursteine werden in Minen abgebaut und kommen aus fernen Ländern wie Brasilien, China und Indien.

In einem ersten Arbeitsschritt werden die weichen Exemplare mit Holzsägen, die härteren mit Metallsägen zugeschnitten. Nach der Bearbeitung mit groben und daran anschließend feineren Raspeln haben die Workshopteilnehmer die gewünschte Form oftmals schon herausmodelliert, sagt Wenzel. „Die überwiegende Zahl der Specksteine kann man ähnlich wie Holz bearbeiten“, erläutert die Künstlerin, die bereits in Österreich und Frankreich ausgestellt hat. Naheliegend, dass im nächsten Arbeitsgang Schleifpapier unterschiedlicher Körnung, das um einen Schwamm gewickelt wird, zum Einsatz kommt.

Die Bearbeitung mit Stahlwolle und Nassschleifpapier runden die zahlreichen Arbeitsgänge ab und geben den Figuren eine nahezu spiegelglatte Oberfläche, durch die die Struktur des Steins besonders deutlich in Erscheinung tritt. Einschlüsse härterer Gesteinsarten in den Speckstein bieten zusätzliche optische Reize. Das bei der Bearbeitung frei werdende Talkum fühlt sich dabei weich an und erinnert an Puder oder fein geriebene Kernseife. Für Einsteiger bieten sich einfache runde Formen, beispielsweise Schnecken, an. „Durch ständiges Tasten und Betrachten des Steins entwickelt sich bei Teilnehmern eine Vorstellung, wie das Kunstwerk am Ende aussehen soll“, beschreibt Wenzel den Entwicklungsprozess, den sie mit zahlreichen Tipps begleitet.

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Ihre ersten künstlerischen Ambitionen setzte Wenzel schon als Kind um, wenn auch malend. Zum Werkstoff Speckstein kam sie über ihre Kinder Andreas und Sonja, die von den Skulpturen eines befreundeten Bildhauers begeistert waren. Die Möglichkeit, mit geringem Kraftaufwand dreidimensionale Kunstwerke zu erschaffen, schätzt Wenzel noch heute an dem Gestein. Seit 20 Jahren bietet Wenzel, die darüber hinaus Seidenstoffe mit Aquarellen und Batiken verschönert sowie Öl- und Acrylgemälde anfertigt, die Workshops zur Bearbeitung der Specksteine im eigenen Atelier und an Schulen an. Viele der Teilnehmer sind zum wiederholten Mal dabei und kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Teilnehmerin Eva Benk entdeckte bei einem Friseurbesuch die Einladung zu den Speckstein-Workshops und ist mittlerweile seit acht Jahren dabei. Die Möglichkeit, mit den Händen ein dreidimensionales Kunstwerk zu erschaffen, fasziniert sie.

Aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums stellen Teilnehmer der Workshops im Rahmen des Offenen Ateliers am Sonntag, 21. August, ihre Kunstwerke in Wenzels Atelier in der Gartenstraße 13 aus. Specksteinskulpturen in der freien Natur präsentiert die Künstlerin während der Ausstellung Naturkultur, die am Sonntag, 3. Juli, an Nieder-Rodens Don Bosco Heim beginnt. Am Wochenende, 9. und 10. Juli, bietet Silvia Wenzel den nächsten Speckstein-Workshop an. Weitere Infos unter Tel.: 06104/944800.

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