Politik segnet die Früh- und die Spätbetreuung ab

Zwei halbe Kita-Stunden länger

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Obertshausen - Die Stadt führt eine längere Betreuung für Kita-Kinder ein. Heißt: Der Zapfenstreich verschiebt sich morgens von 7.30 auf 7 Uhr und nachmittags von 16.30 auf 17 Uhr. Die Betreuungsgebühr sinkt zugleich um 10 Prozent.

Es sind nur halbe Stunden. Aber es sind für manche Eltern sehr entscheidende: Die Stadt startet in ihren Kindertagesstätten die Früh- und die Spätbetreuung. Wer will oder es von seinem Arbeitsplatz diktiert bekommt, kann seinen Nachwuchs morgens schon um 7 statt um 7.30 Uhr bringen. Und er kann ihn statt um 16.30 Uhr erst um 17 Uhr abholen. Außerdem senkt die Stadt alle Gebührenformen rückwirkend zum Jahresbeginn um 10 Prozent. Das hatten die Volksvertreter bereits im Februar beschlossen. Zur jüngsten Stadtverordnetenversammlung hatte die Verwaltung die Vorlage fertig, die Mehrheit dafür war breit. Die Große Koalition, die Grünen und die „Bürger für Obertshausen“ stimmten zu. Lediglich die FDP meldete Bedenken an, ihr Änderungsantrag blieb erfolglos.

Bürgermeister Roger Winter betonte die große Einigkeit in dieser Frage. Auch Anja Bechtloff von der SPD freute sich. Allein: „Es muss aber noch mehr passieren, besonders am Freitagnachmittag“, forderte die Mutter. Oliver Bode von den Grünen schlug in die gleiche Kerbe, findet den weiteren Ausbau der Betreuungszeiten wünschenswert. Die Ergebnisse einer unter Eltern gestarteten Umfrage zur Kinderbetreuung liegen noch nicht vor, die Meinungen der Mütter und Väter sollten aber auch Einfluss in das Regelwerk finden. Rudolf Schulz von den „Bürgern“ regte an, sich „pädagogischen Rat aus der Kita“ und Erfahrungswerte einzuholen bezüglich einer sehr langen Betreuung.

Die gravierendsten Mängel in deutschen Kitas

Die FDP sei zwar für kostenlose Kindergartenplätze, dem Bürger werde aber ein ausgeglichener Haushalt „vorgegaukelt“. Matthias Krug erinnerte an die 8,1 Millionen Euro Neuverschuldung, „dafür müssen unsere Kinder und Enkel 46 Jahre lang Schulden tilgen“. Rathaus-chef Winter konterte, er müsse „die Stadt am Leben halten“. Bei den Kita-Gebühren sei Obertshausen eine der günstigsten Kommunen, „wir sollten nicht alles mies reden“.

Der kostenlose Kindergarten ist auch für die Grüne Kathy Walther ein Ziel: „Eine halbe Stunde früher, eine halbe Stunde länger Betreuung wäre noch besser“, doch sie habe Verständnis für die Kassenlage und sei „stolz darauf, was wir gemacht haben. Wir müssen den Eltern sagen, was geht und was nicht“. Die Realität am leergefegten Arbeitsmarkt der Erzieher sei natürlich noch eine andere Sache. M.

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