Beobachtungen beim 24-Stunden-Lauf

Marathon der guten Taten

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Zwei Sportlegenden in Dudenhofen: Michael Groß und Joachim Deckarm beim Startschuss zum 24-Stunden-Lauf im Sportzentrum Opelstraße. - Fotos (5):

Dudenhofen - Mit Spenden von 141.847,27 Euro hat der 24-Stunden-Lauf zugunsten des Vereins „Gemeinsam mit Behinderten“ das hoch gesteckte Rekordziel von 150.000 Euro knapp verpasst, dennoch waren Veranstalter, Läufer und Besucher sehr zufrieden. Von Peter Petrat 

Etwas weniger Zuschauer als die Jahre zuvor, aber dafür kein Tropfen Regen waren die deutlichsten Veränderungen. Die größte Einzelspende kam von der Frankfurter Stiftung „Initiative Werte-Stipendium“: 33.000 Euro zum 33. Lauf. Es ist kurz vor Mitternacht, die Band spielt ihre letzten Stücke, die Spendendurchsagen werden wegen Nachtruhe eingestellt, die Schlangen an den Ständen sind verschwunden und so langsam machen sich die meisten Besucher auf den Heimweg. Und auch auf der Aschenbahn scheint die Anzahl der Läufer abzunehmen, zumindest sieht man in der Dunkelheit die anderen kaum noch.

Es ist kalt geworden. Nur das Licht von Taschenlampen, Kerzen und Petroleumleuchten erhellt die Läuferzelte und gibt einen Blick auf ein paar müde Gesichter frei. Dennoch ist die Stimmung gut. Nach knapp zwölf Stunden ist jetzt fast Halbzeit. Auch im Zelt vom „Team Geht So“ der TGS Jügesheim brennt noch etwas Licht. Etwa 40 Runden hat jeder aus dem Team bisher absolviert. Der letzte Stand aus dem Infozelt: Die schnellste Mannschaft hat schon 460 Runden hinter sich und der Spendenstand beträgt 22 600 Euro. Wer gerade laufen muss, wärmt sich an kleinen Heizstrahlern, die anderen ziehen die Decke noch ein Stück höher, einige machen sogar die Augen zu. Das laute Lachen ist der Müdigkeit gewichen, aber noch haben alle Läufer ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.

Läufer und Helfer waren am Samstag schon früh auf den Beinen. Vollgepackt mit Taschen, Tüten, Decken, Klappstühlen und Schlafsäcken kamen sie nach und nach auf die Sportanlage und richteten sich ihre Zelte ein. Das Organisationsteam mit den roten Hemden war voll im Stress. Die Laufbahn war feucht, der Himmel bedeckt. Doch der Wetterbericht sagte eine trockene Nacht voraus.

Ein Zuhause für 24 Stunden

90 Minuten vor dem Startschuss spazierten zwei Läufer in ihren blauen Shirts noch gemütlich über die Bahn. Noch waren sie zu zweit und warteten auf den Rest ihres Teams. „Ich bin schon das ganze Jahr aufgeregt“, erzählte Johanna Massoth von ihrem sportlichen Höhepunkt des Jahres, „das steht immer gleich als erstes im Kalender.“ Ihr Läuferkollege war weniger aufgeregt, freute sich aber ebenso darauf, dass es bald losgeht. Statt klassischem Warmlaufen wollten die beiden lieber den Kindergarten-Lauf anfeuern, der vor dem Hauptlauf startete.

Geschafft! Läufer am Sonntag im verdienten Freudentaumel.

Die Strategie stand bei den TGS-Läufern fest. Die ersten zwei Stunden sollten alle zehn Läufer jeweils eine Runde laufen, damit Stimmung aufkommt. Danach sollte es in Dreier- und Vierergruppen weitergehen, sodass die anderen Läufer eine längere Erholungspause haben. Zum Endspurt sollten dann wieder alle auf die Strecke. „Willkommen, das ist euer neues Zuhause für die nächsten 25 Stunden“, hörte man es aus einem der Zelte. „Wir laufen die Strecke einmal ab, damit wir uns nachher nicht verlaufen“, scherzte eine Gruppe Läufer. Die Süßigkeiten wurden bereit gelegt, die Kaffeekannen gefüllt. Einige Sportler dehnten sich, andere liefen sich warm oder knipsten die letzten Gruppenfotos.

Olympiasieger gibt Startschuss

Wenige Minuten vor dem Start nahm das Herzklopfen zu, besonders die Startläufer der ambitionierten Teams konnten kaum noch stillstehen. Dann endlich gab Olympiasieger Michael Groß, der „Albatros“, wie er als aktiver Schwimmer genannt wurde, gemeinsam mit Joachim Deckarm den Startschuss.

Ein leuchtendes Beispiel der Unterstützung für die gute Sache: die Cocktailbar mit ihren ehrenamtlichen Barkeepern.

Schon auf der ersten halben Runde setzten sich einige Läufer mit hohem Tempo ab, während es andere recht gemütlich angehen ließen. Während es für einige Teams nur darum ging, möglichst gut zu überholen ohne Zeit zu verlieren, war es für andere viel wichtiger, dass der Ohrstöpsel des Musikspielers gut im Ohr sitzt. Als es dunkel wurde, und sich die Schlangen am Cocktailstand füllten, trauten einige Besucher ihren Augen nicht ganz. Spiderman, ein Huhn und DLRG-Läufer mit Schwimmflügeln kamen vorbei. Für diese lustigen Aktionen gab es Extraspenden. Punkt Mitternacht: Mit einem langen Absperrband fangen zwei Helfer die Läufer ein, neutralisieren das Rennen wie im großen Motorsport, denn ab nun geht es in die andere Richtung. Das soll verhindern, dass die Beine einseitig belastet werden. In der Nacht wird es schwerer, sich zu motivieren und zu laufen. Dennoch macht keiner schlapp.

Die Church Runners der evangelischen Gemeinde Dudenhofen wechseln ihre Taktik: Jetzt sind die Laufgruppen größer und die Pausen für die einzelnen Läufer länger. Optimistisch schaut das Team mit einem kleinen Polster an Runden in die Nacht. „Heiß duschen, etwas essen und eine halbe Stunde schlafen“, so der Tipp von Willi Dubberstein und seinem Team, das zum 18. Mal dabei ist.

Bilder vom 24-Stunden-Lauf

Bilder vom 24-Stunden-Lauf in Rodgau

Die Stunden vergehen und die Sportanlage füllt sich langsam wieder, es geht auf die letzte Stunde zu. Das große Spielzeugzelt von Hasbro setzt seine Rabattschlacht fort: Eine große Kiste voll Spielzeug für 50 Euro, der Erlös natürlich komplett für den Verein.

Die letzten 60 Minuten laufen, die Spendenanzeige steht erst bei 44.000 Euro. Doch im Infozelt kommen stetig neue Spendenzettel rein. Ein Bildschirm schaltet sich ab: Ein Helfer aus der Nachtschicht ist vor seinem Rechner eingeschlafen und stört sich auch nicht an der lauten Musik und seinen Kollegen, die fleißig weitertippen. Die Moderatoren Matthias Ott und Marvin Kühne geben alles. Auch die Läufer mobilisieren ihre letzten Reserven.

Und dann sind die 24 Stunden vorbei. Die Teams umarmen sich, stoßen an, jubeln und freuen sich auf die Ehrenrunde. Mitten im Freudentaumel erinnert Lothar Mark an den verstorbenen Wolfgang Basler und dessen Verdienste um die Arbeit mit Behinderten.

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