Zwischenbilanz: Von einer knappen halben Million sind noch 112.000 Euro übrig

Bauplätze finanzieren Spielplätze

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Der winzige Spielplatz „Auf dem Brühl“ soll zu einem großzügigen Erlebnisraum umgestaltet werden. Anja Hilb (links) und Anita Baksi (rechts) vom städtischen Fachbereich Grünanlagen und Forst präsentieren den Plan.

Rodgau - Das Spielplatzkonzept aus dem Jahr 2011 ist nach fünf Jahren etwa zur Hälfte in die Tat umgesetzt. Für Stadtverwaltung und Magistrat hat sich der Plan bewährt, auch wenn er sich nicht buchstabengenau abarbeiten lässt. Von Ekkehard Wolf 

Als „Leitfaden“ gebe das Konzept Orientierung, sagt Hartmut Jerulank, der im Rathaus den Fachbereich Grünanlagen und Forst leitet. Der Zeitplan ließ sich allerdings nicht immer einhalten. Gleich im ersten Jahr musste ein großes Spielgerät an der Buchenstraße erneuert werden, das erst einige Jahre später im Plan stand. Eine weitere Kursänderung erzwangen Brandstifter, die die hölzerne Festung an der Waldfreizeitanlage Weiskirchen zerstörten.

Neue Akzente setzt die Bürgerbeteiligung nach dem „Charrette-Verfahren“. Ein Beispiel dafür ist der kleine Spielplatz „Auf dem Brühl“ in Hainhausen, der nächstes Jahr zu einem großzügigen Erlebnisraum umgestaltet wird. Das kostet gut doppelt so viel (143.000 Euro) wie geplant. „Die Bürger möchten nicht nur einen Spielplatz haben, sondern sie möchten die Fläche ganz nutzen“, erklärt Jerulank. Bürgermeister Jürgen Hoffmann sieht darin kein Problem: „Diese Dynamik ist erwünscht.“ Künftig werde der Magistrat auch das Kinder- und Jugendparlament an der Spielplatzplanung beteiligen. Bereits in der ersten Sitzung habe dieses Gremium über „Orte für Jugendliche“ diskutiert.

In einer umfangreichen Fleißarbeit hatte die Stadtverwaltung 2011 erstmals alle 62 Spielplätze im Stadtgebiet nach einheitlichen Standards bewertet und den Handlungsbedarf formuliert. Zusätzlich wurden elf weitere Grundstück untersucht, die zwar früher als Spielplätze vorgesehen waren, aber nie ausgebaut wurden. Ein Ziel der Planung war, dass Kinder bis zu neun Jahre mindestens einen Spielplatz im Umkreis von 300 Metern erreichen können. Bei Kindern bis 14 Jahren darf ein altersgerechter Spiel- oder Bolzplatz bis zu 800 Meter (Luftlinie) entfernt sein. In die Bewertung flossen auch Wünsche und Ideen von Kindergartenkindern ein.

Neu an diesem Konzept war nicht nur die systematische Arbeitsweise, sondern auch das Finanzierungsmodell. Das Papier listete auch Grundstücke auf, die nicht oder nicht mehr als Spielplätze benötigt werden. Der Magistrat wurde beauftragt, diese Flächen als Bauplätze zu verkaufen. Die Hälfte des Erlöses war für den Bau oder Ausbau von Spielplätzen bestimmt. So konnte die Stadt trotz des damaligen Haushaltsdefizits weiter in Spielanlagen investieren. Dieses Finanzierungsmodell fand im Dezember 2011 eine breite Mehrheit im Stadtparlament. Der gesamte Plan wurde aber gegen die Stimmen der CDU beschlossen, die mit einer Reihe an festgelegten Handlungsempfehlungen nicht einverstanden war.

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Der Grundstücksverkauf stieß in vier von fünf Fällen auf den Protest von Anwohnern. Sie verwiesen darauf, die unbebauten Grundstücke inmitten der Wohngebiete „Forschheimer See“ und J 26 seien als Grünflächen wichtig. Bisher wurden fünf Bauplätze auf der Grundlage des Spielplatzkonzepts verkauft: Am Schulwäldchen 7, Tannenstraße 11 und 35, Eugen-Roth-Straße 7 und Mainzer Straße 7. Wie vor fünf Jahren unterhält die Stadt Rodgau 62 Spielplätze, wie Anja Hilb aus dem Fachbereich Grünanlagen und Forst sagt. Mitgezählt sind drei Bolzplätze und die Skateranlage am Badesee.

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