70 Jahre Ortsverein, 10 Jahre Betreuung

AWO begeht doppelten Geburtstag

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Engagement in der AWO ist für die Familie Steppke Ehrensache. Norman Steppke (2. von links) trat vor 20 Jahren ein und erhielt von seinem Vater Jürgen (rechts) Urkunde, Ehrennadel und Schirm. Der AWO dankte außerdem Dagmar Eberhard, Ria Weyland, Edith Mayer und Andreas Lämmermann für zehnjährige Mitgliedschaft.

Nieder-Roden - Die Arbeiterwohlfahrt hatte gestern zum Doppelgeburtstag ins Sozialzentrum eingeladen. Der Ortsverein erinnerte an seine Gründung vor 70 Jahren. Weit wichtiger war dem Vorstand indes das zehnjährige Bestehen der Betreuungsgruppe „Rosengarten“, die den Angehörigen von Demenzkranken Woche für Woche einen Vormittag Entlastung bietet.

2006 hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Nieder-Roden ihren „Rosengarten“ angelegt. Den Dünger lieferte Ursula Stadler vom Ortsverein Obertshausen, und so konnte das zunächst zarte Pflänzlein Demenzbetreuung wachsen und gedeihen. Der zehnte Geburtstag des „Rosengartens“ und seine Helfer standen im Mittelpunkt eines Sektempfangs, mit dem die AWO gestern dem 70. Gründungstag ihres Ortsvereins - damals Nieder-Roden, heute Rodgau - gedachte. 1946 suchten die Besatzungsmächte einen politisch unbelasteten Sozialverband, der die Care-Pakete aus den USA vertrauensvoll unter der deutschen Bevölkerung verteilte. Sie fanden ihn in der AWO, die aus der Sozialdemokratie hervorgegangen ist, sagte die Kreisvorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Alex.

Landrat Oliver Quilling, Festredner Thomas Przibilla, die Landtagsabgeordnete Ulrike Alex und Vorsitzender Jürgen Steppke dankten den Betreuern in der AWO-Demenzgruppe „Rosengarten“.

Festredner war der frühere Rodgauer Bürgermeister Thomas Przibilla. Die genossenschaftliche Idee gewinnt seiner Ansicht nach wieder an Stärke, weil man sich in Gemeinschaft leichter helfe. Verbände wie die AWO organisieren die Zivilgesellschaft, in der der Staat nicht alles leisten kann und will. Die AWO hatte in den vergangenen 70 Jahren nur drei Vorsitzende. Dem Gründer Johann Hitzel folgte 1979 Kurt Steppke. Jetzt steht sein Sohn Jürgen dem Ortsverein vor.

In Kurt Steppkes Amtszeit fiel die Gründung der Demenzgruppe „Rosengarten“. Seit zehn Jahren betreuen ehrenamtliche Helfer wie Manfred Eberhard, Renate und Harry Grenz, Rita Hennemann, Gabriele König, Marianne Wolf, Irmgard Müller, Rosemarie Purkott und Ramona Neumann Rodgauer mit demenziellen Erkrankungen. Landrat Oliver Quilling würdigte sie als eine „nicht wegzudenkende tragende Säule unseres sozialen Netzwerks“.

Armut trifft immer mehr ältere Menschen

Der „Rosengarten“ verschafft pflegenden Angehörigen immer freitags von 9 bis 13 Uhr ein paar Stunden Freiraum und etwas Abstand von den Kranken. Die Pflege von Demenzkranken kann Pflegende an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen oder gar auszehren. Wer nicht damit konfrontiert ist, kann sich kaum vorstellen, wie das Zusammenleben mit einem dementen Partner den Alltag belastet: Die Nacht wird zum Tag - oder umgekehrt, Selbstverständliches gerät in Vergessenheit.

Demenzkranke brauchen ständige Aufmerksamkeit; sie mit kleinen Aufgaben zu beschäftigen, erfordert ein Höchstmaß an Geduld und Zuwendung. Hier beginnt die Arbeit des „Rosengartens“, dem Przibilla zum zehnten Geburtstag weitere Helfer wünschte. Zu ihrem 70. Geburtstag ehrte die AWO Martha Paukstat für 25 und Norman Steppke für 20 Jahre Mitgliedschaft. Vor zehn Jahren traten Ria Weyland, Edith Mayer, Sebastian Schubert, Dagmar Eberhard, Andreas Lämmermann sowie Gerald und Frauke Walter dem Rodgauer Ortsverein bei. Vorsitzender Jürgen Steppke dankte mit Urkunde, Ehrennadel und einem knallroten Regenschirm. (lö)

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