„Besi & Friends“ sammeln 70.000 Euro an Spenden

„Allein hätte ich die Tour nie fahren können“

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Eine Riesenspende für Multiple-Sklerose-Kranke haben „Besi & Friends“ mobilisiert. Andreas Beseler überreichte 70.000 Euro an Nathalie Todenhöfer (rechts) und Alexandra Schenk.

Rodgau - Mit ihrer Benefiz-Fahrradtour nach Saint-Tropez haben „Besi & Friends“ 70.000 Euro an Spenden mobilisiert. Das Geld kommt Menschen zugute, die an multipler Sklerose (MS) leiden. Für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung ist es die größte Einzelspende des Jahres. Von Ekkehard Wolf 

Bei der Fahrt über die Alpen haben die 70 Tourteilnehmer um den MS-kranken Andreas „Besi“ Beseler buchstäblich Berge versetzt. Neben ihm waren noch viele weitere chronisch Kranke dabei. Jeden Morgen setzten sie sich aufs Rad, um dabei zu sein und Grenzen zu überwinden. Die Zwölf-Tage-Tour hatte es in sich: Die kürzeste Etappe war 118, die längste 184 Kilometer lang. Und täglich ging es bergauf und bergab. 27.700 Höhenmeter waren zu überwinden, also durchschnittlich 2 300 pro Tag. Etwa 160 Fahrer, Helfer und Angehörige blickten am Samstag in der Radsporthalle Jügesheim auf denkwürdige Erlebnisse zurück - etwa darauf, dass in Frankreich ein Teil der Strecke plötzlich gesperrt war. Ein Fahrradfahrer aus Belgien lotste die Deutschen über einen Umweg an ihr Ziel. Einige Tage zuvor hatte der Schweizer Zoll ein Versorgungsfahrzeug gestoppt und wollte alle Vorräte beschlagnahmen.

Die meisten Erinnerungen drehten sich jedoch um Erfahrungen im Sattel. „Es war zum Teil sehr bewegend, wie die Leute gekämpft haben. Wir hatten ja die meisten Kranken in der Gruppe“, berichtet Katrin Proske. Sie fuhr mit dem Begleitfahrzeug hinter der langsamsten der drei Gruppen her. Das war mehr als nur ein bisschen Autofahren: „Es war deutlich anstrengender als ich mir vorgestellt hatte.“ Auch mit 5 km/h bergauf zu tuckern erfordert volle Konzentration. Als sportlicher Radfahrer war Michael Manus bereits bei der ersten Benefiztour von „Besi & Friends“ 2014 dabei gewesen. Diesmal war das Teilnehmerfeld doppelt so groß. „Toll, dass es trotz der großen Gruppe sehr gut geklappt hat, miteinander in Kontakt zu kommen“, berichtet er. Jeden Abend waren alle gemeinsam in einem Hotel untergebracht - eine reife Leistung. Beim Abendessen brachten die hungrigen Radfahrer aber so manches Lokal an seine Grenzen: „Es gab Gaststätten, die haben wir mehr oder weniger leer gegessen.“

Benefiz-Radtour nach Saint-Tropez

Bewundernd spricht Michael Manus von den Fahrern der dritten Gruppe, die morgens als erste losfuhren und abends als letzte ankamen - und das auch bei großer Hitze. Abwechselnd begleiteten Fahrer aus der ersten Gruppe die Schwächeren, um sie zu unterstützen: „Es war eine ganz neue Erfahrung, auch mal schieben zu helfen.“ Das Fahren in der Gruppe habe auch ihn selbst angespornt: „Alleine hätte ich diese Tour nie fahren können.“

Erstmals dabei war Lars Thomae. Nach seiner Scheidung im Herbst 2014 hatte ihm „Besi“ im Sportstudio geraten, sich für die nächste Benefiztour zu bewerben. Er lieh sich ein Rennrad und fand Spaß daran. Auf der Tour nach Saint-Tropez fuhr er ab dem zweiten Tag in der Spitzengruppe, half aber später auch in der langsamen Gruppe mit. Eine sehr emotionale Erfahrung: „Wie die Leute sich freuen, wenn sie den Berg hochkommen, auch wenn sie dabei geschoben werden: Dieses Glücksgefühl hätten sie sonst vielleicht nie erlebt.“ Der Anstieg zum Mont Ventoux am elften Tag brachte ihn selbst an körperliche Grenzen. Den Sinn von „Besi & Friends“ fasst er so zusammen: „Wir sind füreinander da. Das ist es, was zählt.“

Benefizradtour nach Barcelona

„Ihr seid die wahren Helden“, lobte Andreas Beseler die Fahrer und Helfer. Die gemeinschaftliche Leistung habe vielen Menschen Mut gemacht. Im Kreis aller Teilnehmer überreichte er den Spendenscheck an Nathalie Todenhöfer und Alexandra Schenk, die aus München angereist waren. Der Betrag übertraf alle Erwartungen. Nathalie Todenhöfer: „Das ist ja eine Riesensumme! Ich bin euch unendlich dankbar. Jetzt können wir noch mehr MS-Kranken helfen.“

Die 70.000 Euro von „Besi & Friends“ sind mit Abstand die größte Einzelspende, die die Stiftung für MS-Kranke in diesem Jahr erhält. In der anhaltenden Niedrigzinsphase fällt es vielen Stiftungen schwer, aus ihrem Kapital genügend Erträge zu erzielen, um ihren Stiftungszweck erfüllen zu können. Die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung musste zwar noch keinen Wunsch ablehnen, schiebt aber manche Anliegen von Monat zu Monat vor sich her. Mit der Spende aus Rodgau ist es nun möglich, den Antragsstau aufzulösen. Jedes Jahr unterstützt die Stiftung 500 bis 1000 MS-Kranke. Die Bandbreite reicht von der Winterjacke bis zum Zuschuss zum barrierefreien Umbau eines Badezimmers.

Nächstes Jahr planen „Besi & Friends“ keine große Tour, sondern kleinere Fahrten von der Mecklenburger Seenrunde bis zur einwöchigen Tour in Frankreich. Weitere Infos: www.radstatterollstuhl.de

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