Benefizradtour von Andreas Beseler

Neuen Lebensmut gegeben

Andreas Beseler und Nathalie Todenhöfer mit dem Spendenscheck.

Jügesheim - Bei der Benefiztour „Besi & Friends“ fuhren 36 Radrennfahrer im Juni per Rennrad nach Barcelona, 70 fuhren eine oder mehrere Etappen mit. Von Ekkehard Wolf 

„Nicht so fest drücken!“ Andreas Beseler strahlt vor Wiedersehensfreude, obwohl er sich kürzlich drei Rippen gebrochen hat. Umarmungen gibt es viele an diesem Abend vor der Radsporthalle. Bis auf drei oder vier sind alle gekommen, die im Juni gemeinsam 1732 Kilometer von Rodgau nach Barcelona geradelt sind. Bei der Abschlussparty der Benefiztour „Besi & Friends“ freuen sie sich über die überstandenen Strapazen und lachen über denkwürdige Momente. Einige fiebern schon der nächsten Tour entgegen.

Doch erst einmal gilt es eine Spende zu überreichen. Viele Privatleute und einige Firmen haben die Benefiztour des MS-kranken Andreas Beseler unterstützt. Das Geld ist für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung bestimmt. Die Namensgeberin und Stiftungsvorsitzende ist eigens aus München angereist. Die zierliche 27-Jährige ist selbst an multipler Sklerose erkrankt, auch wenn man es ihr nicht ansieht. Sie hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, anderen Kranken etwas Lebensfreude zu geben.

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Andreas Beseler, den alle hier nur „Besi“ nennen, hat die Spendensumme bis zuletzt geheim gehalten. Nathalie Todenhöfer traut ihren Augen nicht, als sie die Zahl auf dem riesigen Scheck sieht: 55.555 Euro. Sie fällt Besi um den Hals, versucht nicht allzu fest zu drücken, und weiß gar erst gar nicht, was sie ins Mikrofon sagen soll. Einige Schrecksekunden später: „Ich bin sprachlos. Ich hätte nie gedacht, dass so viel dabei herauskommt. Ich hoffe, dass wir vielen Menschen damit helfen können.“ Es ist die mit Abstand größte Spende, die die 2006 gegründete Stiftung je erhalten hat. Mit Spenden und Kapitalerträgen hat die Stiftung schon mehr als 6000 Menschen unterstützt. Das Spektrum der Hilfen reicht vom rollstuhlgerechten Umbau einer Wohnung über Reittherapie bis zum Zoobesuch, den sich ein Kranker ersehnt. „Wir haben noch nie jemandem abgesagt“, erzählt Nathalie Todenhöfer: „Uns ist es egal, was die Leute wollen, solange es sie glücklich macht. Die Stiftung ist nicht nur für soziale Notlagen da, sondern auch um Lebensfreude zu schenken.“

Krankheit der 1000 Gesichter

In zwölf Tagen zu einem Team zusammengewachsen: Teilnehmer (vorne) und Helfer (auf der Bühne) der Benefiztour „Besi & Friends“. 36 Radrennfahrer strampelten im Juni per Rennrad nach Barcelona, 70 fuhren eine oder mehrere Etappen mit.

Multiple Sklerose gilt als die „Krankheit der 1000 Gesichter“. Chronische Müdigkeit und gelegentliche Taubheitsgefühle sind Symptome, die auch Daniel Kwaschnik kennt. Der 25-Jährige aus Hannover betreut ein Internetforum unter dem Motto „Die MS hat’s nicht leicht mit mir“. Die Stiftung hat seine Arbeit schon mehrmals unterstützt. „Er hat es geschafft, dass MS-Kranke sich treffen und sich austauschen“, sagt Nathalie Todenhöfer. „Das fand ich immer das Schwierigste, dass ich keinen hatte, der mich versteht.“ Nun trifft Daniel Kwaschnik in Jügesheim erstmals die Stifterin, die er bisher nur per E-Mail und Telefon kennt. Er lässt keine Gelegenheit aus, sich mit ihr fotografieren zu lassen.

Aus Berlin ist Andreas Stenzel angereist. Der Radsportler hatte als Autor eines einschlägigen Weblogs (bikeblogger.de) bereits letztes Jahr Beselers Benefiztour durch Kanada verfolgt: „Als ich dann las, dass er Teilnehmer für eine neue Tour sucht, habe ich mich angemeldet. Ich wollte für mich selbst sehen, was ich als Gesunder schaffen kann.“

Benefizradtour nach Barcelona

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Der Teamgeist wird an diesem Abend immer wieder erwähnt. „Wir sind mit jedem Kilometer mehr zusammengewachsen“, sagt Andreas Beseler. „Die meisten wissen überhaupt nicht, was sie mit ihrer Teilnahme geleistet haben. Sie haben MS-Kranken und vielen anderen neuen Lebensmut gegeben.“

Dokumentarfilmer Christian Gropper bringt das Mutmachen auf den Punkt: „Sie haben gezeigt, was man schaffen kann, wenn man an sich glaubt und wenn man nicht allein ist.“ Auf Wunsch vieler Teilnehmer hat Stefan Fäth („Die Sandale“) aus Aschaffenburg bereits begonnen, die nächste Benefiztour zu planen. Im Sommer 2016 geht es „von St. Tropez am Baggersee nach St. Tropez am Mittelmeer“. Die Strecke überquert zweimal den Alpenhauptkamm.

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