Ein bisschen Glück gehört immer dazu

Dreifacher Europa-Erfolg für Geflügelzüchter Dietmar Grimm

„Züchter des Jahres 2015“ steht auf diesem Pokal, den Dietmar Grimm bei der Vereinsgala überreicht bekam. - Foto: Hampe

Rodgau - Ein „Züchter des Jahres“ stand am Samstag bei der Rodgauer Vereinsgala im Rampenlicht. Dietmar Grimm erhielt den Pokal der Offenbach-Post, der normalerweise für den Sportler des Jahres reserviert ist. Von Ekkehard Wolf 

Ihm ist ein extrem seltener Erfolg geglückt: Auf der Europaschau der Geflügelzüchter in Metz (Frankreich) wurden gleich drei seiner Hühner als Europa-Champions ausgezeichnet. Schon ein doppelter Titel ist ungewöhnlich. Dietmar Grimm weiß, wie man Siegerpokale am besten hält. Der Titel „Züchter des Jahres“ ist nicht seine erste große Auszeichnung. Seit vielen Jahren feiert er Erfolge mit seinem Federvieh. Zur Tierzucht gehört viel Erfahrung, ein geübter Blick für die Erbanlagen und ein gutes Händchen für Tiere. Aber nicht alles hat der Mensch in der Hand: „Das andere ist halt Glückssache, ob‘s passt oder nicht. Und das ist auch gut so.“

Bei Grimms Geflügel hat es oft gepasst. Kein Wunder, er beschäftigt sich damit seit seiner Kindheit. „Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden“, erzählt er. Bald wuchs der Wunsch, selbst Geflügel zu halten: „Die Mutter hat es gefördert, der Vater nicht, aber er hat mitgemacht.“ Dietmar Grimm hielt Fasane, Tauben, Sittiche und Hühner. Später kamen Puten und indische Laufenten dazu.

Seine Lieblingsrassen sind die Kraienköppe und Zwerg-Kraienköppe. Da macht ihm niemand etwas vor. Seit 1963 ist Grimm Mitglied in einem europaweiten Verein der Kraienkopp-Züchter. Diese Hühnerrasse hatte er durch den Lehrgesellen seines Vaters in Offenbach-Bieber kennen und schätzen gelernt. Als die goldhalsige Zwergform 1963 anerkannt wurde, begann er eine eigene Zucht aufzubauen. Seither brachten ihm seine Kraienköppe viele deutsche und europäische Meistertitel ein.

Bilder der Rodgauer Vereinsgala 2016

Das Jahr 2015 sprengte alle Rekorde. Bei der nationalen Rassegeflügelschau in Dortmund wurde der Rodgauer zweimal Deutscher Meister und erhielt weitere Auszeichnungen, von der Europaschau kehrte er sogar als Europameister zurück. Das ist keine Kleinigkeit: In Metz wurden immerhin 40.000 Tiere aus 25 Ländern bewertet.

Für den passionierten Züchter ist es Ehrensache, seine Tiere zu den Europaschauen zu begleiten. Er war unter anderem schon in Belgrad, Amsterdam und Verona. Viel mehr Urlaub gibt es nicht, wenn man Geflügel hält und sich täglich um die Tiere kümmern muss. Aber Dietmar Grimm zieht es nicht so in die Ferne: „Für mich ist es der schönste Urlaub, wenn ich daheim bleiben darf.“

Die schrägsten Tiere der Welt

Zu Hause ist es am schönsten. Aber als die Grimms 1969/70 am Odenwaldring ihr Eigenheim bauten, war es schon nicht mehr selbstverständlich, dass morgens der Hahn kräht. So mancher Anwohner hätte das Federvieh lieber weit weg gehabt. Ein Gerichtsurteil gab dem Geflügelzüchter schließlich recht: Im Mischgebiet war auch ein Hahnenschrei erlaubt, zumal an der nahe gelegenen Frühlingsaustraße ursprünglich sogar Tierhaltung vorgeschrieben war.

Aber das ist alles längst Geschichte, ebenso wie die Frage einer Besucherin der Vereinsgala am Samstag: „Was machen denn die Emdener Gänse?“ Mit dieser Rasse war Dietmar Grimm Ende der 1980-er Jahre bundesweit erfolgreich gewesen. Später erreichte er gemeinsam mit einem Rodgauer Freund, dass die afrikanischen Höckergänse anerkannt wurden. 2011 musste er die Gänsezucht jedoch aufgeben, weil die Anlage an der Rodau nach jedem starken Regen unter Wasser stand.

Tieren ein neues Zuhause schenken: Adoptieren oder kaufen? 

Nur ganz selten begegnet ein Hobby wie die Geflügelzucht einem Ereignis, das weltweit Schlagzeilen macht. Die Europaschau in Metz, bei der Dietmar Grimm Europameister wurde, war so ein Fall. Sie begann genau an jenem 13. November 2015, an dem Selbstmordattentäter der Terrororganisation „Islamischer Staat“ in Paris 130 Menschen in den Tod rissen und Hunderte verletzten. Dietmar Grimm erinnert sich noch gut an die Rucksackkontrollen der Polizei, für die nicht alle Ausstellungsbesucher Verständnis hatten. Auch das ist ein Moment, den er nie vergessen wird.

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