Ippen-Stiftung unterstützt den geplanten Neubau eines Hospizes

Am Ende zählt nur der Mensch

Verlagsgeschäftsführer Thomas Kühnlein (Mitte) überreichte den Spendenscheck namens der Ippen-Stiftung an Dr. Nikos Stergiou (rechts) und Lothar Mark (links).
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Verlagsgeschäftsführer Thomas Kühnlein (Mitte) überreichte den Spendenscheck namens der Ippen-Stiftung an Dr. Nikos Stergiou (rechts) und Lothar Mark (links).

Rodgau - Zum Jahreswechsel erhält die Hospizstiftung Rotary Rodgau nochmals kräftigen Schub. Gestern überreichte Thomas Kühnlein, Geschäftsführer unseres Verlagshauses, namens der Ippen-Stiftung einen Spendenscheck über 10.000 Euro.

Der Rotary Club Rodgau nimmt sich eines Themas an, über das keiner gerne nachdenkt: des Sterbens. Die vor 18 Monaten gegründete Hospizstiftung Rotary Rodgau hat sich fest vorgenommen, den Landkreis Offenbach (möglichst in Rodgau) mit einem stationären Hospiz auszustatten. Aus den vor eineinhalb Jahren als Sockelbetrag von den Clubmitgliedern gespendeten 60.000 Euro sind inzwischen mehr als 330.000 Euro Stiftungskapital geworden. Die Ippen-Stiftung leistet dazu mit 10.000 Euro ihren Beitrag. Verleger Dr. Dirk Ippen, zu dessen Mediengruppe auch unsere Zeitung gehört, gründete die gemeinnützige Stiftung anlässlich seines 60. Geburtstags im Jahr 2000. Seither stärkt die Stiftung Bürgersinn und bürgerschaftliches Engagement auf lokaler Ebene. Davon profitieren segensreiche Initiativen, aber auch Einzelpersonen.

Fast monatlich darf sich die Hospizstiftung der Rotarier über fünfstellige Beträge freuen. Bürgermeister beschäftigen sich mit dem geplanten Neubau, Sozialausschüsse beraten und Gemeindeparlamente beschließen Zustiftungen. In allen 13 Kommunen des Landkreises Offenbach waren die „Außenminister“ der Stiftung unterwegs. Vorstandsvorsitzender Dr. Nikos Stergiou und Kuratoriumsmitglied Lothar Mark vertrauen darauf, dass sich jede Gemeinde mit 20.000 Euro beteiligt. Bisher konnte Schatzmeister Herbert Sahm Geldeingänge von Rodgau und Seligenstadt verbuchen. Im Januar kommt Rödermark hinzu. Dort haben die Stadtverordneten pro Einwohner sogar einen Euro Zustiftung beschlossen: macht knapp 27.000 Euro. Das Geld wird dringend benötigt. Schließlich werden die reinen Baukosten für die Einrichtung mit zwölf Betten zwei Millionen Euro betragen. Das Grundstück kommt noch hinzu. Der Standort steht noch nicht fest. Rodgau hat allerdings wohlwollende Prüfung zugesagt. Im Jahr 2017 soll Spatenstich sein.

Auch viele private und unternehmerische Zustiftungen unterstützen die gute Sache. Herbert Sahm berichtet von der kleinen Spende bis zum mittleren fünfstelligen Betrag. Auch kommen Vermächtnisse hinzu. „Es ist unser Wunsch, dass sich aus dem gesamten Kreis die öffentliche Hand, die Unternehmen, Privatpersonen und Institutionen am Stiftungskapital beteiligen – so wie jetzt die Ippen-Stiftung.“ Sahm bedankt sich für die Berichterstattung in unserer Zeitung, die das Thema einer breiten Öffentlichkeit erschließe.

Bundestag will geschäftsmäßige Sterbehilfe verbieten

„Wir möchten die Kultur des Füreinander-da-sein weiter aktivieren“, sagt Lothar Mark. Wir, damit meint er alle, die jetzt noch dazu in der Lage sind, sich helfend für ein Hospiz einzusetzen. „Denn wenn wir es einmal benötigen, können wir uns nicht mehr damit beschäftigen.“ Also müssen noch viele Klinken geputzt werden. Inzwischen sind Zustiftungen beschlossene Sache in Mainhausen, Hainburg und Obertshausen. Mitten in der parlamentarischen Beratung angekommen ist das Thema in Neu-Isenburg, Egelsbach, Dreieich, Dietzenbach und Mühlheim. Neuen Anlauf müssen Langen und Heusenstamm nehmen. Dort waren wegen der Haushaltssperren entweder die Ohren noch nicht offen dafür oder aber die Bürgermeisterwahl brachte personelle Änderungen. Dort wird die Hospizstiftung Rotary Rodgau nochmals vorstellig werden. Was die Verantwortlichen gerne machen, denn die Mission ist dringlich. „Es ist kein Zustand, dass erst jemand sterben muss, um ein Bett für einen Bedürftigen zu bekommen“, erläutert Stiftungsvorstand Dr. Nikos Stergiou, der ärztliche Direktor der Asklepios Klinik Seligenstadt.

Immer wieder stellt er bedauernd fest, dass es viel zu wenige Hospizbetten gibt. Hospizverbände rechnen vor: 30.000 Einwohner benötigen statistisch gesehen einen Hospizplatz. Der Landkreis Offenbach hat fast 350.000 Einwohner. Dort, wo zwölf Hospizplätze notwendig wären, steht aber kein einziger zur Verfügung. Diese brisanten Zahlen haben die Rotarier vor zwei Jahren ermittelt. Seitdem steigt der Bedarf. Derzeit sterben im Kreis Offenbach 3 500 Personen pro Jahr. Die Anzahl wird sich demografisch bedingt auf 5 000 Sterbefälle jährlich in den nächsten 15 Jahren bewegen. Gleichzeitig wächst der Bedarf nach stationärer Pflege am Ende aller Tage. Die Gründe dafür sind vielfältig: Familienstrukturen fallen auseinander. Die Bausubstanz vieler Häuser erschwert die Pflege in den eigenen vier Wänden oder macht sie gar unmöglich. Berufliche Belastungen schließen eine familiäre Pflege aus. Argumente für weitere Zustiftungen gibt es also genug.

bp

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