Fabrik Kleemann besteht seit 70 Jahren

Beton kann schön sein

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Großer Wurf im neuen Offenbacher Viertel: Die reizvoll geformte Hafentreppe stammt auch aus der Rollwälder Betonfabrik Kleemann.

Rollwald - Die Betonfabrik Kleemann besteht seit 70 Jahren. In zweiter Generation leitet Frank Kleemann den Betrieb, der seit 1985 in Rollwald ansässig ist. Vielfalt ist sein Programm, Maßanfertigung sein Aushängeschild. Von Simone Weil 

Eine Treppe ist eine Treppe. Oder etwa doch nicht? Steil, frei schwebend, exakt mit harten Kanten oder geschwungenen Stufen: Wer auch nur kurz mit Firmenchef Frank Kleemann spricht, wird Beton künftig mit anderen Augen betrachten. Denn er ist begeistert von der Vielseitigkeit des Materials. Das Unternehmen hat sich auf Sonderanfertigungen spezialisiert und damit einen guten Namen gemacht – deswegen auch die Bezeichnung Betonmanufaktur.

Im Moment stehen beispielsweise mannsgroße Buchstaben in der Fertigungshalle: Das graue „E“ ist bereits fertig, fürs blaue „A“ wird gerade eine entsprechende Form gebaut. Die Initialen sollen später einmal auf der Frankfurter Frankenallee Hauseingänge markieren, die unter ein und derselben Hausnummer zu finden sind.

Ob Schweizer Bundesbahn oder Frankfurter Flughafen: Es sind große internationale Auftrageber, die auf das mit sieben Mitarbeitern eher kleine Rollwälder Unternehmen setzen. Private Bauherren lassen sich ihre Wunschtreppe fertigen, eine Stele für Briefkasten, Klingel und Beleuchtung oder Nachbildungen von Schmuckelementen an denkmalgeschützten Gebäuden. Schulen verschönern ihren Pausenhof mit orangefarbenen Stehtischen, Sitzgelegenheiten und Kletterwänden aus dem strapazierfähigen und fast unverwüstlichen Material.

„Geht nicht, gibt’s nicht“ lautet das Motto des Firmenchefs. Deswegen ist die persönliche Beratung vor Ort wichtig. Stolz ist der 63-Jährige auf die Langlebigkeit der hergestellten Objekte: „Manchmal bin ich selbst erstaunt, wenn nachfolgende Generationen als Kunden auftauchen und erzählen, dass dieses und jenes noch existiert“, sagt Kleemann.

Nach einer schwierigen Phase geht es mit dem Unternehmen schon länger wieder bergauf: Zu den bedeutenden Arbeiten zählen speziell angefertigte Stehkurvenstufen für den Umbau des alten Waldstadions zur Weltmeisterschaft 1974, beheizte Treppen für alle S-Bahnhöfe im Stadtgebiet Offenbach, in Fußballform gefertigte Fundamente der Countdownuhr für alle zwölf WM-Stadien in Deutschland 2006, spezielle Stufen für das neue Kickers-Stadion und die schön geschwungene Hafentreppe für das neue Offenbacher Wohngebiet am Main.

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Klare Sache, dass der Chef selbst eine individuell angefertigte Treppe mit Beleuchtung und Heizung am Haus hat. Stolz zeigt er außerdem, wie beeindruckend eine Strukturbetonwand mit Beleuchtung aussieht. Nachdem im Jahr 2013 eine neue computergesteuerte Mischanlage eingeweiht wurde, bietet der gebürtige Offenbacher auf dem Gelände an der S-Bahnstation Rollwald außer kleineren Mengen Beton auch Rindenmulch im Privatverkauf an.

Erst kürzlich wurde das 70-jährige Bestehen des Unternehmens mit 50 früheren und derzeitigen Mitarbeitern gefeiert. Gegründet wurde das Werk 1946 von Willi und Erika Kleemann in Offenbach im Kesselhaus des Stadtkrankenhauses. Mit einem bescheidenen Maschinenpark und eine kleinen Mannschaft wurden zunächst Dachziegel produziert, dann auch Hohlblocksteine und Gehwegplatten. In den 50er Jahren zog die Firma nach Heusenstamm um, bis sie schließlich 1985 ihren Sitz in Rollwald fand. Und dort soll es auch weitergehen: Der künftige Schwiegersohn verdient sich schon die ersten Sporen, um den Betrieb in dritter Generation weiterzuführen.

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