Jedem Schüler seine Chance

Heinrich-Böll-Schule geht auch unter neuer Leitung eigenen Weg

+
Das iPad ist immer dabei: Kai Darmstädter ist der neue Leiter der Heinrich-Böll-Schule.

Nieder-Roden - Die Heinrich-Böll-Schule hat einen neuen Schulleiter. Kai Darmstädter (50) hat vor einer Woche die Nachfolge von Andrea Haus angetreten. Auch er ist ein überzeugter Anhänger der integrierten Gesamtschule (IGS). Von Ekkehard Wolf 

Fast fünf Monate lang war die Schulleiterstelle unbesetzt. Seit letzten Dienstag ist Kai Darmstädter da. „Ich finde Veränderung wichtig“, sagt der 50-Jährige. Deshalb wolle er auch nicht an einem Ort verweilen. Die Stationen seines Lebenslaufs wechseln im Acht-Jahres-Rhythmus: Darmstadt, Sydney, Ober-Ramstadt, Rodgau, lauter integrierte Gesamtschulen. „Eine andere Schulform wäre für mich keine Option gewesen“, betont er. Warum IGS? „Sie ist die einzige Schulform, in der die Kinder angemeldet werden und auch bleiben“, erklärt Kai Darmstädter: „Wir passen uns den Kindern an und fordern nicht, dass die Kinder sich der Schulform anpassen. Wir holen die Kinder dort ab, wo sie stehen und versuchen, sie zu verstehen.“ Das erfordere eine entsprechende Haltung der Lehrkräfte und großes psychologisch-pädagogisches Geschick.

Trotz eindeutiger Befunde der Bildungsstudien halte die Politik am selektiven Schulsystem fest, bedauert der erfahrene Pädagoge. Die frühe Auslese mit neun Jahren werde nicht jedem Kind gerecht: „Im selektiven System ist es so: entweder du funktionierst oder du wiederholst oder du gehst.“ Die Versetzung ins nächste Schuljahr hänge in der IGS nicht allein von den Noten ab, sondern von der individuellen Entwicklung des Kindes. Auch leistungsorientierte Schüler mit Gymnasialempfehlung könnten an einer integrierten Gesamtschule ihr Potenzial voll entfalten.

Für seine neue Stelle nimmt Kai Darmstädter morgens und abends je eine Dreiviertelstunde Autofahrt in Kauf. Er wohnt in Alsbach-Hähnlein an der hessischen Bergstraße. Bisher war auch sein Arbeitsplatz im Kreis Darmstadt-Dieburg: Er war stellvertretender Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt, einer großen IGS (1250 Schüler) mit gymnasialer Oberstufe. Dort lernen die Schüler von der 5. bis zur 8. Klasse vier Jahre lang im Klassenverband, jedoch ab der 7. Klasse in unterschiedlichen Lernniveaus. Kooperative Arbeit in gemischten Tischgruppen macht’s möglich. Frontalunterricht hat dabei keine Chance mehr.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Langes gemeinsames Lernen kennt der neue HBS-Schulleiter aus seiner Zeit in Australien. Dort blieben die Schüler zehn Jahre lang zusammen und erreichten je nach ihren Fähigkeiten unterschiedliche Abschlüsse. Kai Darmstädter: „Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Und es hat wunderbar funktioniert.“

Kommentare