Weiskircher feiern Kirchweih bei schönstem Sommerwetter

Der Kerbborsch fährt Rolls Royce

Weiskirchen - Die Kerb 2016 dürfte als eine der am besten besuchten Kirchweihfeste der vergangenen 30 Jahre in die Annalen der Weiskircher eingehen. Das Programm ist eine runde Sache, das Wetter spielt mit - Vereine und Schausteller können mehr als zufrieden sein.

Die Jugendfeuerwehr spendierte dem Kerbborsch eine Fahrt im Rolls Royce des Kinderkarussells, dann zog er unter musikalischer Begleitung zur Feuerwache.

Die Kerb auf Hauptstraße in Weiskirchen ist geprägt von Traditionen der verschiedensten Art. Die älteste ist wohl die Verbrennung des Kerbborschs zum Kehraus am Dienstag vorm alten Spritzenhaus. Doch auch andere Riten und Bräuche sind längst sehr fest integriert. So sind seit 2001 beispielsweise die halben Hähnchen der Rodgau Rangers nicht mehr wegzudenken. 15 Jahre lang öffnet nun Udo Bender, der inmitten des Kerbplatzes wohnt, die Hoftore für den Verkauf von Speis und Trank. Und so ist die Spezialität längst zur amtlichen Festspeise geworden. „Ich denke, dass uns viele zustimmen würden, dass mittlerweile ohne unsere halben Hähnchen auf der Kerb etwas fehlen würde“, meinte Horst Massoth am Samstag und holte in diesem Zuge dieses halbrunden Geburtstags bei der Kerb noch etwas weiter aus. Vor allem erfülle es ihn mit Stolz, dass aus einem Hobbyfußballclub wie den Rodgau Rangers längst eine angesehene Gemeinschaft geworden sei. „Bei der Vereinsgründung 1979 wurden wir noch belächelt nach dem Motto: Ein Hobbyfußballclub, der halte sich bestenfalls drei Jahre. Und somit können wir umso mehr stolz sein, darauf, wie anerkannt unser Verein heute ist und wie gut, das, was wir tun, auch bei der Kerb ankommt.“

Kaum hatte der Musikverein „Die Waskerscher Kerb iss do!“ angestimmt, hielt’s viele Kinder nicht mehr auf den Bänken. Sie tanzten viel lieber davor.

Ebenso sei es auch erstaunlich, dass sich jedes Jahr alle 25 Ranger für drei Kerbtage zum Dienst einteilen ließen und 10 sich immer wieder für den Kerbmontag und damit den Abbau frei nehmen würden. „Obwohl wir natürlich längst nicht mehr so Fußball spielen wie in den 80ern, halten wir zusammen und jeder packt mit an“, berichtete Horst Massoth. Ebenso fest etabliert ist auf der Kerb aber auch die musikalische Unterhaltung. In den vergangenen Jahren sorgte der Musikverein Weiskirchen dafür, am Samstag gab sich allerdings erstmals das Karl-Mayer-Werksorchester aus Obertshausen die Ehre. Dessen Zusage zum Kerbauftritt habe seine Leute entlastet, freute sich Herbert Massoth, der Vorsitzende des Musikvereins Weiskirchen. Denn vom 23. bis zum 25. September bittet der Musikverein zum Oktoberfest in den Wald, und bis dahin gibt’s noch jede Menge Arbeit.

Zum ersten Mal spielte am Samstagabend das Werksorchester Karl Mayer aus Obertshausen zum Weiskircher Kerbtreiben.

Massoth selbst hatte dann einen Tag darauf, nämlich am Sonntagabend, ohnehin mit der Einlage der Trompetengruppe „Doppel(s)pass“ musikalisch genügend zu tun. Denn auch diese Gruppe, bestehend aus den AH-Fußballern des SV Weiskirchen, zählt immerhin seit fünf Jahren nun auch schon zum festen Kerbprogramm. Das Gesicht der Weiskircher Kerb ist Hermann Jäger. Vor 30 Jahren erhob er seine Stimme erstmals zur Klagelitanei - seinerzeit nur zur Kerbbeerdigung. Seit die Feuerwehr 2003 den Kerbauftakt im großen Stil feiert, ist Jägers Auftritt auch zum Auftakt gern wahrgenommene Pflicht. Begleitet vom Musikverein und der Jugendfeuerwehr holte er den Kerbborsch am Kinderkarussell ab und brachte ihn zum Feuerwehrhaus. Wehrführer Dieter Horch und seine Leute hatten dort 100 Bierzeltgarnituren aufgestellt - zehn mehr als voriges Jahr. Und trotzdem gab’s kaum freie Plätze, als Hermann Jäger seinen Kerbspruch verlas.

Bilder zur Kerb in Weiskirchen

Er nahm viel Rücksicht auf die Nachbarschaft, denn nicht einmal Dudenhöfer, Rembrücker und Obertshäuser bekamen ihr Fett weg. Der Kerbvadder erinnerte seine Zuhörer noch einmal daran, wie schnell in Weiskirchen die Zeit vergeht. Nur 28 Jahre nach der 700-Jahr-Feier begingen sie schon den 800. Jahrestag ihrer ersten urkundlichen Erwägung. Bis zum 900. Geburtstag wird’s nach Einschätzung des Kerbvadders wohl auch nicht mehr allzu lange dauern. Bevor am Freitagabend spät das Schubkarrenrennen mit zehn Teilnehmern startete, gratulierte Dieter Horch noch dem frisch gebackenen Brautpaar Melanie und Julian Döring. Der Neu-Ehemann tat trotz Hochzeitsstress Dienst am Stand der Feuerwehr. lö/sjs 

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