Viel Arbeit und glückliche Gesichter

Das Kinderfest strahlt über Rodgau hinaus

Rodgau - Mit viel Herzblut hat Ursula Keller das städtische Kinderfest organisiert. 19 Jahre lang. Morgen ist ihr letztes Kinderfest. Nächstes Jahr um diese Zeit ist sie schon im Ruhestand. Im Interview berichtet sie über eine Veranstaltung, die weit über Rodgau hinaus ausstrahlt.

Ursula Keller

Was ist für Sie das Besondere am Kinderfest in Jügesheim?

Das ist, dass eine Menge Kinder kommen, die sich draußen amüsieren. Für die gibt es nichts Schöneres, als im Wald herumzuspringen und wirklich alles zu erleben, was an diesem Fest möglich ist. Die Eltern und Großeltern können sich beruhigt zurücklehnen. Und man glaubt es nicht, wo die Besucher überall herkommen. Das finde ich toll: dass die Leute in der heutigen Zeit, wo ja überall etwas stattfindet, sagen: Wir gehen gerne zum städtischen Kinderfest.

Woher kommen die Ideen? Woher wissen Sie, was Kindern Spaß macht?

Ich war ja auch mal ein Kind! (lachend) Kinder bewegen sich gern und sie basteln gern. Im Internet bin ich zum Beispiel aufs Körbeflechten gestoßen. Wichtig ist, dass Sie etwas anbieten, was nicht alle haben wie das Kuscheltierkrankenhaus oder eine kleine Schafherde und, und…

Das Kinderfest findet zum 35. Mal statt. Wie hat es sich im Lauf der Zeit entwickelt?

Anfangs haben wir das Kinderfest im Sport- und Kulturamt organisiert. Damals haben wir paar Leute auch noch die Würstchen gebrutzelt und die Pommes frittiert. Heute ist das Catering bei der Freiwilligen Feuerwehr Mitte und den Landfrauen Dudenhofen in den besten Händen.

Wo in der Region gibt es vergleichbare Kinderfeste?

Ich glaube, in dieser Art und Größe gibt es keines. In Frankfurt vielleicht. Wobei ich sagen muss: Jedes Fest setzt seine eigenen Schwerpunkte. Aber dieses große Angebot an Kreativem und Informativem gibt es wohl nur bei uns.

Ist es eigentlich einfach, Gruppen zum Mitmachen zu bewegen?

Ja. Ganz einfach. Die meisten kommen sogar von selber und sagen: Wir würden gerne mitmachen. Man muss ja immer daran denken, das sind Vereine oder Institutionen, die Leute machen das ja an ihrem freien Tag.

Wie viele Besucher kommen zum Kinderfest?

Das lässt sich schwer sagen, weil die Fluktuation im Lauf des Nachmittags so groß ist. Aber ich schätze, 1 500 bis 1 800 sind’s bestimmt.

Welche Reaktionen erhalten Sie von den Gästen?

Neue Gäste sagen: Ich hab’ gar nicht gewusst, dass es hier so was Tolles gibt. Es ist schön, dass fast alles kostenlos ist. Die Leute sind sehr locker, nehmen alles sehr gelassen. Da wird auch nicht gemurrt, wenn man mal eine Viertelstunde für Pommes anstehen muss. Und dann sieht man die Papas, die mit ihren Kindern Nägel klopfen. Oder die Mamas, die mit den Stelzen oder mit den Grasski laufen. Alle haben einen Riesenspaß. Auch die Eltern werden bei manchen Dingen wieder ein Stück weit Kind.

Bilder: Kinderfest in Jügesheim

Früher gab es ja Stationsspiele. Wer alle Stationen absolviert hatte, bekam eine Belohnung. Warum musste ein neues Konzept her?

Beim Kinderfest haben wir eine Altersspanne vom Laufalter bis etwa zwölf Jahre. Dann stand da zum Beispiel ein Fußballtor. Ein Dreijähriger schießt ein anderes Tor als ein Acht- oder Neunjähriger. Manche haben geweint, wenn sie es nicht geschafft haben. Klar hatten viele Kinder auch Spaß, aber…

...aber es war nicht so unbeschwert.

Genau. Es war wie ein Wettbewerb. Das war bestimmt gut gemeint, aber es ist wie mit allem: Irgendwann überlegt man, ob man das noch besser hinkriegen kann.

Was war für Sie das schönste Erlebnis in 19 Jahren?

Ein herausragendes Erlebnis gibt es nicht. Es ist jedes Jahr viel Arbeit, und es ist jedes Jahr schön. Anfangs bin ich immer angespannt und überlege: Hast du auch nichts vergessen? Wenn abends alle Gäste nach Hause gegangen sind, zufrieden und glücklich, und sagen: Es war toll, wir freuen uns aufs nächste Jahr - das ist für mich der schönste Moment.

Für Sie ist es das letzte Kinderfest, das Sie organisieren. Fällt der Abschied schwer?

Teils ja und teils nein. Es ist körperlich anstrengend, die ganzen Kisten zu schleppen und alles zu organisieren. Man muss ja alles transportieren weil nichts vor Ort ist. Und da fragt man sich natürlich immer: O Gott, hast du auch alles? Ich renne bestimmt 15 Kilometer an dem Tag und ich bin ja auch kein junges Mädel mehr. Trotzdem wird mir das Fest und die Aufregung auch fehlen. Es ist also ein lachendes und ein weinendes Auge. eh

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