Bürgermeister nimmt Mitarbeiter in Schutz

Knöllchen-Ärger: Handwerk wittert Schikane

+
Symbolbild

Rodgau - Handwerker aus verschiedenen Stadtteilen laufen Sturm gegen die städtische Ordnungspolizei. Seit sich dort ein neuer Mitarbeiter besonders sorgfältig der Ladungs- und Fahrzeugsicherheit sowie Genehmigungen und Baustellenkontrollen widme, hagele es auch in der Landwirtschaft Strafzettel und Bußgelder.

„Wir werden verfolgt“, beschreibt ein Handwerker die Lage. Der Mann, der aus Angst vor Repressalien nicht namentlich in der Zeitung genannt werden möchte, ist in der Branche ein alter Hase und beobachtet gegenüber früheren Jahren einen krassen Wandel der Auslegung von Vorschriften. „Wir arbeiten in vielen Kommunen in Rhein-Main. In keiner haben wir solche Probleme wie ausgerechnet zuhause.“ Die Handwerker sagen, der scharfe Hipo habe zwar immer das Recht auf seiner Seite. Es gehe ihnen auch nicht um das Knöllchen wegen Falschparkens. Sie vermissen allerdings „Toleranz, Bürgernähe und Fingerspitzengefühl“. An der Rechtslage habe sich gegenüber früher doch nichts geändert, wohl aber an der Anwendung. Ermessensspielräume würden nicht mehr genutzt. Dies werde in Rodgau ohne Not praktiziert. Denn nachweislich gebe es keine Häufung von Unfällen, die Handwerkerfahrzeuge verursacht hätten. „Es wird unverhältnismäßig scharf und viel kontrolliert.“

Steine auf dem Bürgersteig abgeladen: 200 Euro Strafe. Profiltiefe am Reifen stimmt nicht: Knöllchen. Ladung nicht mit einem Netz gesichert: Strafzettel. So gehe das Tag für Tag. Der Mann habe sichtlich Spaß am Kontrollieren. „Ich habe in knapp einem Jahr das Zehnfache an Strafzetteln wie in den vergangenen 20 Jahren zusammen“, klagt ein Kollege. Rodgau könne man als Standort für Gewerbetreibende inzwischen nicht mehr empfehlen. „Der Mann hält sogar Omas an, die mit dem Fahrrad nicht dicht genug am Fahrbahnrand fahren.“ Und er habe selbst an Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und der Stadtwerke Strafzettel verteilt.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann kann Letzteres nicht bestätigen und stellt sich vor den Mitarbeiter. „Die Handwerker verlangen, dass wir aktiv nicht hinschauen. Soll ich einem Mitarbeiter verbieten, etwas zu sehen? Kann und darf man ihm zum Vorwurf machen, dass er seine Arbeit ordentlich macht? Sollen wir Rechtsbrüche legitimieren? Und wo ist die Grenze?“ Das könne es nicht sein. Hoffmann sagt, ihm sei klar, „was die Handwerker antreibt“. Er könne aber „nicht umgehen mit dem Vorwurf, dass jemand seine Arbeit zu gut macht“.

Verrückte Park-Unfälle 

Keine Hoffnung auf Veränderung kann der Verwaltungschef den Handwerkern auch in einem anderen Punkt machen. Die Unternehmer kritisieren, dass Brücken wie an der Haingrabenstraße (Jügesheim) oder der Schillerstraße (Weiskirchen) nicht mehr – so wie früher – für Lkw bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht, sondern nur noch bis 3,5 Tonnen zugelassen seien. Dieses Verbot treffe ausnehmend viele Fahrzeuge ihrer Betriebe. Es schade der Wirtschaft, ausgerechnet Brücken mit einem solchen Verbot zu belegen, die Gewerbegebiete erschließen. Hoffmann wiederum argumentiert, diese Beschränkung sei auf Wunsch der Anwohner geschehen. „Sie beklagen sich trotzdem, dass immer noch zu viele unberechtigt drüber fahren. Da kann ich offenbar keinen glücklich machen.“ bp

Kommentare