Erdbeerernte kann man wohl vergessen, Spargel leidet

Nach Dauerregen: Land unter auf den Feldern

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Mais liebt es warm und feucht. Dies ist allerdings des Guten zuviel. Der geflutete Acker befindet sich neben der Dachdeckerei Zilch & Fritsch im Jügesheimer Gewerbegebiet.

rodgau -  Rodgaus Bauern müssen derzeit hart im Nehmen sein. Der starke Regen der vergangenen drei Wochen hat die Ernte teils vernichtet und macht die Feldarbeit in manchen Ecken unmöglich. Die schweren Landmaschinen würden versinken. Von Bernhard Pelka 

Mutig und unkompliziert: Ortslandwirtin Beate Mahr misst den Wasserstand auf einem ihrer Felder: 30 Zentimeter!

„Wir wollen nicht klagen. Unser Beruf ist eben eine Freiluftveranstaltung“, sagen die Landwirte Sebastian Roßkopf und Dan Fischer zuversichtlich. Doch die Fakten, die ihren Job betreffen, sind trotzdem schwer zu verdauen. Dan Fischer vom Jügesheimer Sandhof hat wegen starken Regens und Hagel 60 Prozent seiner Erdbeerernte verloren. Und an den heranwachsenden Erbsen faulten die Blüten. „Das ist bisher ja gar kein Sommer“, beschreibt Fischer die Lage. Die für diese Woche angekündigten heißen Tage reichten nicht aus. „Erdbeeren brauchen dauerhaft Wärme, um ihr Aroma entfalten zu können. Sonst schmecken sie nicht.“ Üblicherweise ist Fischer im Sommer auf Verstärkung angewiesen. Diesmal hat er darauf verzichtet, die bestehende Mannschaft durch zahlreiche Lohnpflücker aufzustocken. „Ich habe sie erst gar nicht kommen lassen.“

Sebastian Roßkopf ist es wegen nicht befahrbarer Äcker nur teils gelungen, seine Feldkulturen zu spritzen. „Auf acht Hektar bin ich noch nicht zum Pflanzenschutz gekommen.“ Das miese Wetter beeinträchtige seine Arbeit zwar stark. „Deswegen geht die Welt aber nicht unter. Die Landwirtschaft ist eben ein Spielball der Naturgewalten.“ Kritisch werde es in Betrieben, die auf Futter angewiesen sind, weil die Wiesen nicht gemäht, geschweige denn das Heu getrocknet werden könne. „Ich selbst habe noch 14 Tage Zeit mit dem Mähen und hoffe, dass sich das Wetter bessert.“ Die Dudenhöfer Ortslandwirtin Beate Mahr hat ebenfalls mit den Folgen der Dauerdusche zu kämpfen. Am Rand mancher Flächen steht das Wasser 30 Zentimeter hoch. 20 Prozent ihrer Äcker und Wiesen sind derzeit nicht befahrbar. Zehn Hektar warten darauf, dass dort Mais gesät wird, der eigentlich schon vor 14 Tagen in die Erde gemusst hätte.

Auf ihrem Hof haben Beate und Karl-Heinz Mahr seit dem ersten Juniwochenende mehr als 200 Liter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen. „Wir müssten dringend Heu machen und etwas für den Pflanzenschutz tun: keine Chance.“ Wie sich Kolleginnen und Kollegen in Österreich in solchen Regenperioden helfen, hat Beate Mahr über ihren Bäuerinnentreff erfahren. Eine Bekannte aus Schmirn schickte ihr jetzt ein Foto von so genannten Schwedenreutern, auf die das Heu zur Trocknung von Hand gelegt wird.

Unwetter: Bilder aus der Region

Herrlicher Blick in ein österreichisches Tal. So trocknen dort die Bauern in Schlechtwetterphasen ihr Heu. Es lüftet auf den kilometerlangen Schwedenreutern aber lange nicht so gut, als wenn es mehrfach gewendet würde. Aber in Notzeiten muss das reichen.

Die Konstruktion besteht aus Pfosten, zwischen denen vier Drähte in unterschiedlicher Höhe gespannt sind. Darauf wird das Heu gelegt. Mahrs Bekannte, Rosa Auer, berichtet: „Solche Regenperioden hat es schon öfters gegeben. 1989 haben wir sämtliches Heu auf Schwedenreutern getrocknet. Insgesamt waren es neun Kilometer Schwedenreuter, mit vier Drähten bespannt: also eine Drahtlänge von 36 Kilometer. Das ist die Strecke von Schmirn nach Innsbruck. Alles händisch mit der Heugabel auf die Drähte gehängt und dann in halb verfaultem Zustand eingebracht, um wieder Stecken und Draht frei zu bekommen. Teilweise sind die Pilze aus den Schwedenreutern gewachsen.“ Eine solch personalintensive Trocknungsmethode wäre hierzulande nicht mach- und bezahlbar. Beate Mahr fürchtet, dass zum Beispiel beim Getreide Pilzkrankheiten um sich greifen, weil derzeit nicht gespritzt werden kann. „Aber zu jammern nützt nichts. Es wird weiter gehen.“

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