Konflikttraining für Wachmannschaft und Kassenpersonal

Mehr Sicherheit im Strandbad Nieder-Roden

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Jenseits der Nichtschwimmerzone wird es richtig tief: Strandbad-Fachbereichsleiter Thomas Dursun mit einem der sechs Warnschilder, die in den nächsten Tagen an der Abbruchkante des Sees aufgestellt werden.

Nieder-Roden - Die Stadt hat ein neues Sicherheitskonzept fürs Strandbad aufgestellt. Dazu gehören nicht nur auffällige Warnschilder und gedruckte Sicherheitshinweise, sondern auch Kontrollgänge auf dem Gelände. Das Verbot hochprozentiger Getränke wird stärker überwacht. Von Ekkehard Wolf

Den Umgang mit konfliktbereiten Gästen übten Mitarbeiter des Strandbadteams in einem speziellen Training mit der Polizei. Mit einem Bündel an Maßnahmen reagiert die Stadt auf Erfahrungen der Vergangenheit. So gab es unter anderem Belästigungen bis hin zur sexuellen Nötigung (ein Täter vom Juli 2015 wurde kürzlich zu 18 Monaten Haft verurteilt). Bei mehreren Badeunfällen war Alkohol im Spiel. Als Naturgewässer bietet der Badesee andere Bedingungen als ein Freibad. Die Wassertiefe ist ungleichmäßig, kalte Strömungen können plötzlich auftreten und die Sichttiefe beträgt weniger als einen Meter. Außerdem lassen sich Entfernungen im offenen Gewässer schlecht schätzen: Die Pontons sind weiter entfernt als es auf den ersten Blick scheint. „Überschätzen Sie bitte auf keinen Fall Ihre Kraft und Ihr Können“, heißt es in einem Merkblatt, das in der neuen Saison an der Kasse ausliegt. Das Merkblatt gibt es auf Deutsch und in sieben anderen Sprachen: Arabisch, Englisch, Farsi/Persisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Urdu. Neben Sicherheitshinweisen enthält es auch die Aufforderung zu gegenseitigem Respekt und Rücksicht sowie einen Hinweis auf den FKK-Strand.

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Die Mitarbeiter des Strandbadteams achten nicht nur auf die Sicherheit, sondern sie üben auch das Hausrecht aus. In einem Deeskalationstraining probten sie den Umgang mit konfliktbereiten Besuchern. Heinz Müller vom Polizeipräsidium Südosthessen erklärte die Signale der Körpersprache und gab Tipps zum Verhalten in schwierigen Situationen. Dazu gehörten auch Rollenspiele vor der Videokamera. „Das war eine sehr gute Erfahrung“, berichtet Filiberto D’Imperio, der seit Jahren als Schwimmmeister tätig ist.

Mehr Sicherheit erhofft sich die Stadt auch von Warnschildern an der Abbruchkante jenseits der Nichtschwimmerzone, wo der Seegrund bis auf 40 Meter Tiefe abfällt. LED-Strahler am Strand und am Ausgang erleichtern den Heimweg; im Notfall leuchten sie für die Rettungskräfte den Weg zum Ufer aus.

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Die Stadt hat das Aufsichtspersonal um eine halbe Stelle aufgestockt. Neben zwei Festangestellten arbeiten zweieinhalb Saisonkräfte und eine Rettungsschwimmerin auf Minijob-Basis. Die Vorschriften zur „Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Naturbädern“ seien erfüllt, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Demnach müssen angestellte Mitarbeiter volljährig sein, körperlich und geistig geeignet sein, Kenntnisse in Erster Hilfe und Herz-Lungen-Wiederbelebung nachweisen und ein Rettungsschwimmabzeichen haben, das nicht älter als drei Jahre ist. „All diese Punkte treffen auf unsere Mitarbeiter zu“, betont StadtSprecherin Sabine Fischer.

Die DLRG, die ehrenamtlich einen großen Teil des Wachdienstes leistet, lobt die Personalausstattung. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals so viel Personal gab wie in diesem Jahr“, sagt Vorsitzender Heiko Kollmer. Andere Badeseen wie in Mainflingen würden an den Wochenenden ausschließlich von der DLRG beaufsichtigt.

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